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Ölpreis: keine Entwarnung für Saudi-Arabien

Saudi-Arabien begibt erstmals eine Staatsanleihe in US-Dollar. Dieser Vorgang sorgt an den Finanzmärkten für erhebliches Aufsehen, deckten doch die Einnahmen aus Rohöl über Jahrzehnte alle Ausgaben des totalitär-islamischen Königreiches. Die politische Führung, die bisher keine Transparenz zeigte und weltweit Moscheebauten und wohl auch mancherorts islamischen Terror finanzierte, möchte nun offenbar mit einer wirtschaftlichen Reformagenda gegensteuern.

BÖRSE am Sonntag

Saudi-Arabien begibt erstmals eine Staatsanleihe in US-Dollar. Dieser Vorgang sorgt an den Finanzmärkten für erhebliches Aufsehen, deckten doch die Einnahmen aus Rohöl über Jahrzehnte alle Ausgaben des totalitär-islamischen Königreiches. Die politische Führung, die bisher keine Transparenz zeigte und weltweit Moscheebauten und wohl auch mancherorts islamischen Terror finenzierte, möchte nun offenbar mit einer wirtschaftlichen Reformagenda gegensteuern.

Bisher zählte Saudi-Arabien zum Eliteclub der Länder, die es nicht nötig hatten, sich an den Kapitalmärkten Geld zu leihen. Über Jahre hinweg konnte das Land seine finanziellen Ausgaben durch den Cashflow aus seinen enormen Öleinnahmen decken. Diese komfortable Position endete jedoch mit dem starken Ölpreisrückgang, der das Land zwang, Anlegergelder in Anspruch zu nehmen. Auch wenn die Opec nun erstmals seit 2008 eine Reduktion der Fördermenge beschloss und der Ölpreis kurz darauf über die Marke von 50 US-Dollar stieg, ist langfristig dennoch von weiteren Anleiheemissionen auszugehen.

„Um die Bedeutung dieser Anleiheemmision zu erkennen, muss man verstehen, wie schwer der Ölpreisrückgang Saudi-Arabien getroffen hat. Der Absturz auf einen Tiefstwert von weniger als 30 US-Dollar je Barrel hat im letzten Jahr ein gewaltiges Loch von rund 200 Milliarden US-Dollar in das Budget des Königreichs gerissen“, erklärt Amy Kam, Fixed-Income-Portfoliomanagerin bei GAM. Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge müsste der Ölpreis für einen ausgeglichenen Haushalt Saudi-Arabiens im Jahr 2016 bei rund 80 Dollar pro Barrel liegen. „Auf kurze Sicht ist eine Rückkehr auf dieses Preisniveau jedoch unwahrscheinlich. Infolgedessen gerät die Regierung zunehmend unter Druck, die düsteren Aussichten für das Zwillingsdefizit – sowohl im Staatshaushalt als auch bei der Leistungsbilanz – zu verbessern und die Aufzehrung ihrer Devisenreserven abzubremsen“, so die GAM-Expertin.

Die Regierung habe zahlreiche Ausgabenkürzungen angekündigt, Investitionen verschoben oder ganz gestrichen und sich Bankkredite in Höhe von zehn Milliarden US-Dollar gesichert. Im Januar habe die Regierung sogar öffentlich über ihre Absicht, das Kronjuwel – den staatlichen Ölkonzern Aramco – an die Börse zu bringen gesprochen und damit die Marktteilnehmer überrascht. Die Idee sei als Teil eines ‚weiter gefassten Pakets von Wirtschaftsreformen‘ vorgebracht worden. Schuldlos an dieser Entwicklung ist das Königreich dabei nicht: „Ironischerweise hat Saudi-Arabien den Ölpreisrückgang tatsächlich nicht nur toleriert, sondern sogar beschleunigt, da sich das Land weigerte, die Fördermengen zu reduzieren. Damit sollten die US-Schieferölproduzenten unter Druck gesetzt werden.“

Das Volumen ist eine Messlatte für künftige Anleiheemissionen

Auf kurze Sicht wird die Emission von Anleihen im Wert von 17,5 Milliarden den Druck auf den lokalen Bankensektor des Königreichs lindern, der die in den Jahren 2015 und 2016 entstandenen Defizite finanziert hatte. „Die Emission ist die größte Ausgabe von Schwellenländeranleihen der Geschichte und übertrifft das früher in diesem Jahr von Argentinien aufgestellte Rekordniveau. Unserer Meinung nach ist diese US-Dollar-Emission ein wichtiger Meilenstein für den Kreditmarkt im gesamten Nahen Osten und Nordafrika, der sogenannten MENA-Region“, sagt Kam. Bereits Monate vorher habe diese Emission ihre Schatten in der Region vorausgeworfen: Die erwartete Größe der multimilliardenschweren Transaktion führte zu einer Ausweitung der Spreads, da Anleger andere Nahost-Papiere verkauften, um in ihren Portfolios Platz zu schaffen.

Angesichts der rekordniedrigen Renditen in anderen Ländern zog die Emission einer Investment-Grade-Staatsanleihe mit einer attraktiven Renditehöhe nicht nur eingefleischte Schwellenländeranleger an: „Anleger, die flexibel in verschiedenen Anlageklassen investieren können, wollten ebenfalls mitmischen. Dies erklärt die enorme Höhe des Orderbuchs von etwa 67 Milliarden US-Dollar. Daneben wurde die Nachfrage auch durch den Seltenheitswert und die zusätzlichen Diversifikationseigenschaften in die Höhe getrieben.“ Alle diese Faktoren führten Kam zufolge zu einer ausgesprochen internationalen Anlegerbasis: Weniger als 20 Prozent der Käufer waren lokale Anleger, während es normalerweise etwa 50 Prozent sind – wenn man die Emissionen Katars oder des Oman als Maßstabe nimmt. „Wir sehen dies als eine begrüßenswerte Entwicklung, da die Nutzung des globalen Dollarmarktes eine geringere Belastung der Liquidität der Banken in der Region zur Folge hat. Der Nachteil dieser international breiter gestreuten Beteiligung könnte eine weniger treue und kurzfristiger orientierte Anlegerbasis sein. Dies könnte wiederum zu einer weniger robusten Entwicklung der Spreads in Stressphasen am Markt führen“, prognostiziert Kam. In der Vergangenheit habe die Beteiligung lokaler Anleger eine wichtige Stütze für Anleihen der MENA-Region dargestellt.

Reformagenda bringt eine Regierungsumbildung mit sich

Angesichts der Differenz zwischen dem gegenwärtigen und dem für einen ausgeglichenen Haushalt nötigen Ölpreis wird der Staatshaushalt Saudi-Arabiens auch 2017 ein Defizit aufweisen. Da die 17,5 Milliarden US-Dollar schwere Emission zur Deckung des Defizits von 2016 diente, dürfte die Regierung 2017 erneut mit einer Emission in Höhe von zehn bis zwölf Milliarden Dollar an den Markt gehen. Das Anlegerinteresse dürfte laut Kam dabei kein Problem darstellen, da die angebotene Rendite zusammen mit dem guten Investment-Grade Rating des Königreichs für renditehungrige Anleger attraktiv sein dürfte. „Abgesehen von lokalen Anlegern und Investoren aus Asien würde es nicht überraschen, wenn wir auch eine solide Nachfrage US-amerikanischer Pensionskassen zu sehen bekämen. Natürlich weist die Region ein gerütteltes Maß an geopolitischen Risiken auf. Anleger müssen sich dessen bewusst sein und diese im Auge behalten“, betont Kam. Hinzu komme das Risiko eines volatilen Ölpreises. Der Anstieg des Ölpreises in den letzten Monaten sei eine positive Entwicklung. Mittelfristig haben sowohl Saudi-Arabien als auch Russland ein großes Interesse daran, den Ölpreis verbal zu stärken. Eine Reduktion der Fördermengen – wie gerade erlebt –könnte eine gewisse Preisstabilität nach sich ziehen.

„Dennoch sind wir der Ansicht, dass das Königreich mehr tun muss, um langfristig einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Zwar sind die beschlossenen Maßnahmen zur Kostensenkung sicherlich hilfreich, aber nicht ausreichend“, sagt Kam. Die ambitionierte Agenda Vision 2030, die das Land darauf vorbereiten solle, sich von seiner Ölabhängigkeit zu lösen, sei relativ vage und bestehe bisher hauptsächlich auf dem Papier. „Die Machthaber im Königreich scheinen jedoch entschlossen, die wirtschaftliche Reformagenda voranzutreiben, wie sich an der Absetzung des langjährigen Finanzministers Anfang November zeigte. Sein Nachfolger hat seine Unterstützung für den Plan der Vision 2030 zugesagt, was wir als ermutigend ansehen.“