Verrückte Welt
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland war im letzten Jahr so schwach wie zuletzt in der schrecklichen Finanzkrise von 2009. Nur 0,4 Prozent! 2012 hatte es noch zu einem Plus von 0,7 Prozent gereicht, 2011 sogar für 3,3 Prozent. Und trotzdem – dieser Landstrich zwischen Ludwigshafen und Hamburger Hafen, zwischen Bayer-Chemie und Bayern-Hightech ist Weltmeister in Sachen Exportüberschuss.
Das Wirtschaftswachstum in Deutschland war im letzten Jahr so schwach wie zuletzt in der schrecklichen Finanzkrise von 2009. Nur 0,4 Prozent! 2012 hatte es noch zu einem Plus von 0,7 Prozent gereicht, 2011 sogar für 3,3 Prozent. Und trotzdem – dieser Landstrich zwischen Ludwigshafen und Hamburger Hafen, zwischen Bayer-Chemie und Bayern-Hightech ist Weltmeister in Sachen Exportüberschuss.
China, wo ein Plus von 195 Milliarden Dollar erwirtschaftet wurde, konnte mit 260 Milliarden Dollar deutlich auf Platz zwei verwiesen werden. Verrückte Welt!
Das deutsche Export-Plus sagt indes wenig über uns aus, dafür aber viel über die Finanzkrisen rund um den Globus. Und für das eben begonnene Jahr sind die Aussichten sogar noch besser. Die Bundesbank sagt hierzulande ein Wachstum von 1,7 Prozent vor, für 2015 sogar von 2,0 Prozent. Das entspricht 7,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In diesem Jahr soll er auf 7,4 Prozent steigen, so sagen es Ifo-Experten voraus. Großartige Welt?
Nein, nicht großartig, sondern schlecht, sehr schlecht. Sagt die EU-Kommission. Sie stuft Exportüberschüsse von mehr als sechs Prozent auf Dauer als „stabilitätsgefährdend“ ein – nicht etwa für das exportierende Land, nein, für die Anderen! Gut ist schlecht und schlecht ist gut. Nicht etwa Länder, die exorbitante Leistungsbilanzdefizite aufhäufen, sind eine Gefahr für die Weltwirtschaft, nein, die Tüchtigen, die Fleißigen – das sind die Bösewichte, EU-Kommission und das US-Finanzministerium nehmen deshalb seit einigen Monaten die deutschen Überschüsse aber mal so richtig genau unter die Lupe. Das möge den Anlegern in Deutsche Blue Chips mal einer erklären. Und warum eigentlich das US-Finanzministerium? Ja liegt denn Washington in Deutschland? Verrückte Welt!
Und dann auch noch dies: Bundesbank-Vizechefin Sabine Lautenschläger wird in diesem Jahr in das Direktorium der EZB aufrücken, und alle Quotenfreunde jubeln. Pardon, die Quotenfreundinnen dürfen nicht vergessen werden. 15 Jahre Erfahrung in Sachen Bankenkontrolle bringt sie mit. Und sie sei keine Quotenfrau, so wird mancherorts eifrig betont. Ei, warum so eifrig? Nun, in den lauten Jubel mischen sich leise Zweifel: ist Frau Lautenschläger wirklich aufgrund ihrer Qualifikation berufen worden? Oder geschah dies doch aufgrund ihres Geschlechts? In Zeiten der Quote sind derartige Zweifel kaum mehr auszuräumen. Die Emanzipation frisst ihre Töchter. Die Frau von heute, so wurde es Frau Lautenschläger schon vor Jahren süffisant nachgesagt – sie steht am Krisenherd. Großartige Welt?
Zu guter Letzt: Der feine Suhrkamp-Verlag wird zu einer Aktiengesellschaft, doch die zukünftigen Aktionäre stehen sich schon jetzt mit dem Messer zwischen den Zähnen gegenüber. Die Deutsche Bahn geht dagegen nicht an die Börse, aber sie hat dafür bald einen neuen Generalbevollmächtigten, der aber nicht Vorstand sein darf, weil er dank seiner Kenntnisse des politischen Betriebs wohl zu kompetent ist. Ein besseres Verstehen zwischen Staatsunternehmen und Staat droht, vielleicht sogar ein Konsens – eine schreckliche Vision? Nun aber endgültig: verrückte Welt, verrückte Welt, verrückte Welt!