Was fehlt dem MSCI World?
| Robin Binder | Lesezeit: 4 Min.
Der MSCI World verspricht Streuung, doch ihm fehlt ein wachsender Teil der Wirtschaft. Unternehmen bleiben länger privat und erzielen einen Großteil ihrer Wertsteigerung, bevor ETF-Anleger einsteigen können.
Der SpaceX-Börsengang im Juni war der größte der Geschichte. Den enormen Wertzuwachs hatten da längst andere eingestrichen. Im Dezember 2025 verkauften Altaktionäre Anteile noch zu einer Bewertung von rund 800 Milliarden US-Dollar, zum Börsengang waren die Anteile dann mehr als 1,7 Billionen US-Dollar wert. Das Plus von mehr als 110 Prozent in nur sechs Monaten teilten private Investoren unter sich auf. Börsenanleger konnten erst danach einsteigen.
Weniger Firmen an der Börse
Laut Weltbank notierten 1996 noch mehr als 8.000 Firmen in den USA an der Börse. Rund 30 Jahre später sind es nur noch etwa 4.000 Unternehmen. Der Apollo-Chefvolkswirt Torsten Sløk rechnet vor, dass mehr als 80 Prozent der US-Firmen mit mehr als 100 Millionen US-Dollar Umsatz nicht öffentlich gelistet sind.
Zudem lassen sich Unternehmen heute deutlich mehr Zeit mit dem Gang an die Börse. Nach den Daten des Finanzprofessors Jay Ritter waren US-Technologiekonzerne 1999 beim Börsengang im Median vier Jahre alt. Mittlerweile liegt das Medianalter von US-Börsenneulingen laut Ritter bei zwölf Jahren. Das bedeutet: Je länger Unternehmen privat bleiben, desto mehr ihrer Wertsteigerung fällt vor dem Börsengang an.
ETF-Anleger kommen erst zum Zug, wenn ein Großteil der Wertsteigerung verteilt ist. Gleichzeitig verspricht ein MSCI-World-ETF Streuung über mehr als tausend Unternehmen, allerdings verteilt sich sein Gewicht immer ungleicher. Nvidia, Apple und Microsoft kommen auf rund 15 Prozent Indexanteil. Wer einen Welt-Index kauft, setzt damit zu einem großen Teil auf US-Technologie.
KI-Gewinner wachsen privat
Trotz US-Technologie-Fokus fehlen die Entwickler der führenden KI-Modelle im MSCI World. OpenAI und Anthropic sind nach wie vor nicht börsennotiert, sammeln in Finanzierungsrunden aber Milliarden ein. Laut Bloomberg strebt Anthropic zwar noch in diesem Jahr an die Börse – doch einen großen Teil des Wachstums dürften private Investoren bis dahin bereits mitgenommen haben. Indexanleger stehen so vor einem doppelten Problem. Mit Nvidia, Microsoft und Co. haben sie einen Fokus auf US-Technologie. An den Unternehmen, die KI-Modelle entwickeln und die größten Wertsprünge erzielen, sind sie aber kaum beteiligt.
Diversifikation abseits der Börse
Private Markets setzen an diesen beiden Punkten an. Erstens erweitern sie die Streuung um Unternehmen, die an keiner Börse notieren und damit einen größeren Teil der Wirtschaft repräsentieren. Zweitens erlauben sie eine Beteiligung an deutlich mehr Geschäftsmodellen. Beteiligungen abseits der Börse sind klassische Portfoliobausteine für institutionelle Investoren. Family Offices legen laut Goldman Sachs im Schnitt 42 Prozent ihres Vermögens in alternative Anlageklassen an.
Seit der ELTIF-Reform im Jahr 2024 können auch Privatanleger einfacher in diese Märkte investieren. Mit dem Angebot wachsen aber die Qualitätsunterschiede.
Wie weit die Ergebnisse einzelner Manager auseinanderliegen, zeigt eine Auswertung von J.P. Morgan Asset Management: Bei Private Equity lagen die jährlichen Renditen der besten 25 Prozent der Manager im Schnitt 19,2 Prozentpunkte über denen der schwächsten 25 Prozent. Bei global anlegenden Aktienfonds waren es weniger als vier Prozentpunkte.
Das Investment-Team der Berliner Private-Markets-Plattform NAO prüft deshalb Track Record und Kosten jedes Fonds sowie die Qualität jedes Fondsmanagers. Von acht geprüften Fonds nimmt es im Schnitt lediglich einen auf. Zu den Partnern zählen u. a. Partners Group, UBS, Hamilton Lane und ARK Invest.
Für Beteiligungen vor dem Börsengang hat NAO unter anderem diese zwei Fonds ausgewählt: Der ARK Private Innovation ELTIF hält späte Wachstumsfirmen wie OpenAI und Replit. OpenAI machte am 30. September rund 30 Prozent des Fondsvermögens aus. Der Redstone Global Venture ELTIF bündelt Beteiligungen an über 200 europäischen Start-ups aus mehreren Redstone-Fonds.
Wer in spätere Unternehmensphasen investieren will, findet Private-Equity-Fonds von Partners Group und Hamilton Lane.
Ob sich diese Anlagen für Sie eignen, klären vier Fragen:
- Was fehlt in Ihrem Depot? Ihr Welt-ETF ist ein gutes Basisinvestment, hält aber nur Firmen, die bereits an der Börse gelistet sind.
- Wer managt Ihr Geld? Bei Investitionen in Private Markets ist die Qualität des Managements entscheidend.
- Wie diversifiziert ist der Fonds? Entscheiden Sie, welches Risiko Sie tragen möchten. Ein fokussierter Themenfonds kann mehr schwanken als ein breiter Dachfonds.
- Wie sieht Ihr Anlagehorizont aus? Private Markets eignen sich nur für Kapital, das langfristig gebunden bleiben kann.
Die großen Unternehmen der KI-Ära drängen an die Börse. Das Wachstum davor verpassen Indexanleger, weil ein wachsender Teil der Wirtschaft längst vor dem Börsengang finanziert wird.
Kapitalanlagen bergen Risiken. Der Wert einer Anlage kann steigen oder fallen. Es kann zum Verlust des eingesetzten Kapitals bis hin zum Totalverlust kommen.
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