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Die Märkte schätzen den Kurs der EZB falsch ein

(Foto: telesniuk / Shutterstock)



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Klass Knot, Präsident der niederländischen Zentralbank und EZB-Ratsmitglied, sieht die Marktentwicklung der vergangenen beiden Wochen kritisch und warnt in einem Interview mit CNBC vor womöglich deutlicheren Zinserhöhungen als erwartet.

Viermal hat die EZB im vergangenen Jahr die Zinsen erhöht. Der Hauptrefinanzierungssatz liegt damit in der Eurozone bei 2,5 Prozent, der aus Sparersicht entscheidende Einlagenzins steht bei zwei Prozent. Ein erster Schritt gegen die hohen Inflationsraten ist damit getan und zeigt bereits Wirkung. Im Dezember sank die Teuerungsrate zum zweiten Mal infolge auf das Niveau von 9,2 Prozent.

Das ist zwar gemessen am Zwei-Prozent-Ziel der EZB immer noch viel zu hoch. Doch am Markt sorgte die positive Tendenz inklusive der Aussicht auf ein Ausbleiben der lange prognostizierten Rezession für gute Stimmung, die sich im neuen Jahr dann gleich in einer ausgeprägten Jahresanfangsrally an den Börsen niederschlug. Der Dax stiegt innerhalb der ersten Januarwochen um fast acht Prozent.

Die guten Neujahrsvorsätze der Anleger, teilt man in den EZB-Chefetagen allerdings weniger. Der Präsident der niederländischen Zentralbank Klass Knot hat in Davos vor zu viel Optimismus gewarnt.
Gegenüber dem US-Nachrichtenmagazin CNBC sagte er, dass er in den zurückgehenden Inflationsraten noch kein ermutigendes Signal erkennen könne. Es gebe noch keine Anzeichen für ein Nachlassen des Inflationsdrucks. Der Trend bei der Kerninflation habe noch nicht gedreht, mahnte Knot. Tatsächlich war die Kerninflation für die Eurozone im Dezember auf 5,2 Prozent gestiegen. Das deutet auf eine sich verfestigende Inflation hin. „Die Marktentwicklungen, die wir in den letzten zwei Wochen gesehen haben, sind aus meiner Perspektive deshalb nicht willkommen.“ Diese, so Knot weiter, deuteten nicht auf eine zeitnahe Rückkehr der Inflationsrate in Richtung zwei Prozent hin.

Die Marktteilnehmer sollten sich deshalb darauf einstellen, dass die EZB die Zinsen im gleichbleibenden Tempo über den Februar hinaus erhöhen werde, sagte Knot. Ein Zinsschritt der EZB um 0,5 Prozent im Februar wird erwartet, darüber hinaus gab es aber zuletzt Hoffnung, die Notenbanker würden das Tempo etwas drosseln. Knot allerdings macht in Davos klar: „Es wird nicht mit einer 0,5 Prozent-Erhöhung im Februar getan sein, so viel ist sicher.“

Auch Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau wies in Davos daraufhin, dass die EZB die Zügel nicht lockern werde. „Lassen Sie mich an die Worte von Präsidentin Lagarde auf der letzten Pressekonferenz im Dezember erinnern: Wir sollten erwarten, dass die Zinsen für einige Zeit in einem Tempo von 50 Basispunkten angehoben werden“, zitiert ihn die WirtschaftsWoche. „Diese Worte sind heute immer noch gültig.“

OG

20.01.2023 | 12:27

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