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Diese Vorteile haben Anleihen

(Foto: Travis Wolf / Shutterstock)



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Niedrige Renditen sind nicht die ganze Wahrheit. Anleihen bergen noch immer zahlreiche Vorteile und Wertsteigerungspotenzial. Wer sie ganz außer Acht lässt, riskiert viel.

Von Jamil Baz, Head of Client Solutions and Analytics und Josh Davis, Portfoliomanager, PIMCO

Heutzutage mag es für manche Anleger verlockend sein, die Rolle von festverzinslichen Wertpapieren in Portfolios infrage zu stellen. Schließlich sind die realen Renditen gesunken, was geringere heutige Zinserträge und einen geringeren morgigen Kapitalzuwachs bedeuten könnte.

Allerdings geht es nicht nur um die Renditen. Denn trotz ihres niedrigen Niveaus sind Anleihen nach wie vor in der Lage, das Risiko breit aufgestellter Portfolios zu diversifizieren. Die Zinssätze könnten weiter zurückgehen und den Bewertungen Auftrieb verleihen. Ferner muten einige Segmente des Anleihenmarktes – vor allem Unternehmensanleihen – in unseren Augen unverändert attraktiv an, wenn man sie mit Aktien vergleicht.

Nach unserem Dafürhalten ist ein aktiver Verwaltungsstil nach wie vor der Schlüssel, um dieses Potenzial zu erschließen. Wie unsere Untersuchungen nahelegen, ist ein aktives Management bei festverzinslichen Wertpapieren zudem erfolgreicher als bei Aktien. Einen tieferen Einblick in unsere Einschätzungen gewährt unser Research-Paper „The Discreet Charm of Fixed Income“. Daraus gehen die folgenden wesentlichen Erkenntnisse hervor:
Anleihen können auch künftig ein wirksamer Diversifikator für breit aufgestellte Portfolios sein.

Obschon die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen seit mehreren Jahrzehnten gering ist, erzielten festverzinsliche Wertpapiere in nahezu allen Rezessionen seit 1952 eine positive Rendite – sogar in Zeiten, in denen Aktien und Anleihen eine positive Korrelation aufwiesen. Tatsächlich hängt die Beziehung zwischen diesen beiden Anlageklassen entscheidend vom Niveau der Marktbewertungen ab, wie wir letztes Jahr in unserem Beitrag „Stocks, Bonds, and Causality“ erläuterten, der im Journal of Portfolio Management erschien.

Die Fundamentaldaten von Zinspapieren bleiben im Großen und Ganzen unterstützend

Sie glauben, dass die Zinsen nicht noch weiter zurückgehen können? Diese Ansicht sollten Sie noch einmal überdenken. Denn Trends bezüglich Altersstruktur und Produktivität, zunehmende Ungleichheit, höhere Sparquoten und expansive Geldpolitik legen einen weiteren Rückgang der Renditen nahe. Auch wenn die Inflation ein langfristiges Risiko bleibt, haben niedrige Zinsen die Tendenz, noch weiter zu sinken. Im Zuge dessen steigt der Anreiz, Fremdkapital aufzunehmen, riskante Anlagen gewinnen oftmals an Wert, die Wirtschaft wird stärker vom Vermögenseffekt abhängig und Portfolios mit höherem Fremdkapitalanteil reagieren empfindlicher auf Zinsanstiege und anschließende Abverkäufe. Diese Dynamik spielte sich bereits in mehreren Bereichen ab – von den US-Aktienmärkten über chinesische und südeuropäische Immobilien bis hin zu australischen Industriemetallen (siehe Abbildung). Hinzu kommt, dass die Zentralbanken die Möglichkeit digitaler Währungen erwägen, so dass es in der Tat denkbar wäre (auch wenn dies nicht unser Hauptszenario ist), dass die Zinsen tief in den negativen Bereich vordringen.

Festzinsanlagen, insbesondere Unternehmensanleihen, sind nach wie vor attraktiv bewertet – verglichen mit Aktien, die nahe ihrer Rekordhochs liegen.


Zwar rangieren die Renditen von Staatsanleihen in allen G7-Ländern nahe ihren tiefsten Ständen aller Zeiten. Dennoch scheinen öffentliche Schuldverschreibungen im Verhältnis zu Aktien fair bis günstig bewertet, wenn man eine lange Zeitreihe betrachtet. Im Bereich der Unternehmensanleihen liegen die Spreads in vielen Fällen über dem historischen Durchschnitt. Für Anleger, die das zusätzliche Risiko tragen können, sind Privatfinanzierungen in unseren Augen besonders attraktiv. Sie stellen notierte Hochzinspapiere weiterhin in den Schatten – ein Trend, den die anhaltende Bankenregulierung unterstützen dürfte, die Anreize für eine umsichtige Kreditvergabe schafft. Was ironischerweise zur Folge hat, dass viele potenzielle Kreditnehmer keinen Zugang zu traditionellen Bankkreditlinien erhalten. Diese Lücke können umsichtige Anleger schließen. Selbstverständlich geht der Sprung von den öffentlichen zu den privaten Märkten mit einem höheren Liquiditätsrisiko einher. Gleichwohl legen Studien von PIMCO [i] und anderen nahe, dass die Anleger üblicherweise mit einer Mehrrendite von zwei bis vier Prozent dafür belohnt werden, ihr Kapital fünf bis zehn Jahre lang zu binden (obgleich es keine Garantien gibt und den Anlegern Verluste entstehen können).

Aktives Management ist der Schlüssel

Wie in unserer Abhandlung „Anleihen sind anders“ aus dem Jahr 2017 erörtert, ließ die Mehrheit der aktiv verwalteten US-Investmentfonds und börsengehandelten Indexfonds (ETFs) für Anleihenanlagen die durchschnittliche Wertentwicklung ihrer passiv verwalteten Konkurrenten nach Abzug der Gebühren in zwei von drei wichtigen Morningstar-Kategorien während der vorangegangenen zehn Jahre hinter sich.

Im Gegensatz dazu gelang es den meisten aktiv verwalteten Aktienstrategien in allen drei Kategorien nicht, die durchschnittliche Wertentwicklung ihrer passiv verwalteten Pendants zu übertreffen.

Ein Grund hierfür ist, dass Zentralbanken, Versicherungsgesellschaften und andere nichtwirtschaftliche Anleger – deren primäres Ziel nicht die Renditemaximierung ist – nahezu die Hälfte des 100 Billionen US-Dollar schweren weltweiten Anleihenmarktes ausmachen. Somit bleibt eine Chance auf Alpha für aktive Manager, die strukturelle Tendenzen wie Durationsverlängerung, Kurven-Steepener und Volatilitätsverkäufe umsetzen können. Darüber hinaus sind aktive Manager in der Lage, höher rentierliche Währungen und Wertpapiere, wie beispielsweise Hochzinsanleihen, Schwellenländeranleihen und Non-Agency-Hypotheken, einzubeziehen.

08.03.2021 | 10:43

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