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Gaia X: Peter Altmaiers europäische Daten-Cloud soll mit Google, Amazon und Co. konkurrieren

Gaia X ist ein Prestigeprojekt von Wirtschaftsminister Altmaier. Die europäische Cloud soll es Unternehmen länderübergreifend ermöglichen, Daten zu speichern und zu verarbeiten.

Eine firmenübergreifende europäische Cloud geht mit zahlreichen Vorteilen einher. Sie ermöglicht es, Daten sicher zusammenzuführen und zeitnah zu verarbeiten.


Hinter der Bezeichnung Gaia X verbirgt sich eine neue Dateninfrastruktur, die Unternehmen mehr Sicherheit bietet. Auf dem Digitalgipfel im Oktober 2019 stellte der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier das Projekt vor. Das Ziel: Eine „leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa“ soll geschaffen werden.

Was steckt hinter dem Cloud-Netzwerk Gaia X?

Cloud-Computing ist zukunftsorientiert und vielversprechend, da es Datenströme verbindet und dementsprechend unternehmensinterne und –externe Prozesse vereinfachen kann. Das neue Netzwerk Gaia X soll europäischen Firmen dabei helfen, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig unterstützt die Datenanalyse die Forschung, sodass auf mehreren Ebenen positive Effekte entstehen sollen. Das ambitionierte Projekt für die neue Dateninfrastruktur Europas dient als Alternative zu den bisherigen Internet-Riesen aus den USA. Bereits vor der offiziellen Bekanntgabe des Netzwerkprojekts erhielt die Deutsche Presse-Agentur, kurz dpa, Informationen zu Gaia X. Neben den Grundsätzen der Cloud sind die möglichen Anwendungsbereiche vermerkt worden.

Allerdings fehlen bisher Antworten auf die praktischen Fragen wie den Bedarf an Software-Entwicklern, die Finanzierung und die Kosten. Obgleich diese Aspekte scheinbar noch nicht vollständig geklärt sind, ist eines nicht von der Hand zu weisen: Altmaiers Projekt soll schnell realisiert werden. Bereits im zweiten Quartal 2020 soll es erste Tests des technischen Konzepts geben. Der Live-Betrieb mit den ersten Anbietern und Anwendern ist für Ende 2020 geplant, wobei auch Frankreich hinter dem Riesen-Projekt steht. Dessen Ziel ist schnell erklärt. Die bisherigen Cloud-Angebote stammen von außereuropäischen Unternehmen, die über eine hohe Marktmacht verfügen und die skalierenden Cloud-Infrastrukturen dominieren. Bisherige europäische Lösungen gelten aktuell nur als Nischenprojekte.

Gaia X fungiert als Basis für ein offenes, digitales Ökosystem. Es hilft dabei, Firmen und deren Geschäftsmodelle nicht nur in Europa, sondern weltweit wettbewerbsfähig zu skalieren. Auf die Weise sichert das Projekt die Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Um es umzusetzen, braucht es eine zentrale Organisation, beispielsweise eine neu gegründete Europäische Genossenschaft. An dieser könnten sich interessierte Partner beteiligen, um das Cloud-Netzwerk weiterzuentwickeln und voranzutreiben. Die neue Cloud soll Unternehmen verschiedener Größen miteinander vernetzen und ist dementsprechend für Industriekonzerne über Mittelstandfirmen bis zum Start-up interessant.

Info:
Auch immer mehr deutsche Startups interessiere sich für das Cloud-Geschäft, wobei Fremdkapital aufgrund schnell wachsender Konkurrenz immer schwieriger zu generieren ist. Die Aufnahme eines Kredits nach gründlichem Vergleich von Kreditkonditionen ist daher gerade für den Start eine beliebte Alternative.

Was sagen Amazon, Google und Co. zu Gaia X?

Als neue Cloud steht Gaia X in Konkurrenz zu den etablierten Cloud-Diensten von:

•    Google,
•    Amazon oder
•    Microsoft.

Diese warten bereits mit einer effizienten Größe auf und können ihre Marktposition dank ausreichend Kapital und Entwicklungsstärke verteidigen. Zusätzlich geben Kritiker zu bedenken, dass US-Behörden auf die Daten in der Cloud zugreifen könnten – selbst wenn die Verschlüsselung einem Missbrauch weitgehend verhindern kann. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sieht Altmaiers Projekt als grundsätzlich guten Ansatz an. Als dringlicher empfinde er es jedoch, das Datenmonopol der amerikanischen Konzerne zu brechen.

Mehrere deutsche Unternehmen sind dagegen von der Idee überzeugt und beteiligen sich an dem Projekt, allen voran die Deutsche Telekom. Auch der deutsche Softwarekonzern SAP gehört zu den Befürwortern einer europäischen Cloud-Lösung. Weiterhin zeigten Vertreter von Siemens, Bosch und Festo starkes Interesse. Bei letzterem handelt es sich um einen Konzern, der sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert. Beispielsweise entwickelt das Unternehmen Greifer und Sensoren, die in Produktionshallen zum Einsatz kommen. Mit Gaia X wäre es möglich, diese Server und weitere Firmen zu vernetzen. Dementsprechend könnten gemeinsam große Datenmengen verarbeitet werden, um beispielsweise Roboter in der Werkhalle zu steuern.

Obgleich mehrere Unternehmen Gaia X befürworten, zeigen sich die Unternehmen, deren Beteiligung Altmaier bereits öffentlich machte, zurückhaltend. Ein Sprecher der Telekom erklärte, bisher sei es zu Vorgesprächen mit dem Wirtschaftsministerium gekommen. Die Sprecherin von IBM betonte, die Pläne für Gaia X und die Firmenbeteiligung würden erst später der Öffentlichkeit zugetragen werden. Auch Microsoft hält sich bedeckt. Bisher sei zu dem Projekt und seinem Aufbau noch zu wenig bekannt, um das Konzept bewerten zu können. Daher bleibt es unklar, ob sich der Konzernriese an dem Cloud-Netzwerk beteiligt.

Jedoch signalisierte Microsoft eine grundlegende Bereitschaft dazu. Der Sprecher des Unternehmens erklärte heute.de, dass Microsoft als Hyperscaler einen wesentlichen Beitrag zu Gaia X leisten könne. Ganz anders denkt der Branchenverband Bitkom vom Altmaiers Prestigeprojekt, an dem er Kritik äußerte. In der Wirtschaft gäbe es keinen Bedarf an einer europäischen Cloud. Lediglich die öffentliche Hand habe an dieser Infrastruktur Interesse.

Unabhängig von den beteiligten Unternehmen steht fest, dass Altmaier das Projekt mit einem Betrag von mehreren Millionen Euro fördern will. Der nächste Schritt besteht darin, eine Organisation für die Cloud zu gründen. Diese soll der Kern des europäischen Ökosystems sein.


30.10.2019 | 17:20

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