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So reagiert die Börse auf Krieg

Kauf per Zuruf: Händler an der Minneapolis Grain Exchange Minnesota im September 1939. (Bild: Shutterstock / Everett Collection)



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In Kriegszeiten fallen die Kurse. Denn Aktienmärkte sind ein Gradmesser politischer Unsicherheit. Ein Blick in die Geschichte zeigt aber auch: Schon vor dem Frieden geht es aufwärts.

Immer wieder haben Kriege Wirtschaft und Börse erschüttert. Immer wieder haben sich Wirtschaft und Börse davon erholt. Das zeigt ein exemplarischer Blick auf den Dow Jones Industrial Average. Der rutschte mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wenig überraschend in einen Abwärtstrend. Als die Nazis 1940 Frankreich überfielen, verlor der Index innerhalb von zwei Wochen über 17 Prozent. Das war seither bis heute der stärkste Kursverlust des Dow Jones infolge von kriegerischen Auseinandersetzungen. Zwischen 1939 und 1941 gab der US-Index insgesamt um 26 Prozent nach.

Noch weit vor Kriegsende begann sich das Barometer aber wieder zu erholen, als sich abzeichnete, dass Nazi-Deutschland diesen Krieg verlieren würde. Nach sechs Jahren Krieg stand der Dow Jones am Ende sogar höher als zuvor. Das galt natürlich nicht für deutsche Aktien, die zu diesem Zeitpunkt rund 90 Prozent ihres Werts verloren hatten.

Ähnlich stark wie bei Hitlers Einmarsch in Frankreich, krachte der Dow Jones auch nach den Anschlägen des 11. September 2001 nach unten. Innerhalb von fünf Tagen verlor das Barometer damals 16 Prozent. Der Abverkauf währte allerdings deutlich kürzer. Schon acht Wochen später stand der Index höher als vor den Al Quaida–Anschlägen.

Ebenfalls starke Einbrüche gab es im Korea-Krieg 1950 (-12 Prozent in 20 Tagen), nach der Bombardierung von Kambodscha während des Vietnamkriegs ( -15 Prozent in 30 Tagen), und der irakischen Invasion in Kuwait 1990 (-13 Prozent in 20 Tagen).

Die geringe Anzahl der Tage zeigt, dass es sich hierbei um sehr kurze Einbrüche gehandelt hat, die in der Folge schnell wieder ausgemerzt wurden. Langfristig hat sich nicht nur die US-Börse, sondern auch der Weltmarkt immer wieder von Kriegen erholt.

Wie schnell und deutlich die Erholung vonstatten ging, hatte in der Vergangenheit viel mit der Verfassung der Märkte im Vorfeld zu tun. Der vorangehende Trend hat so gut wie immer auch den Kursverlauf infolge eines Kriegs bestimmt. So fielen der Korea-Krieg von 1950-1953 genauso wie der in Kuwait 1999 in bullische Aktienmarktphasen, weshalb es nach der ersten Unsicherheit im Nachhinein wieder schnell bergauf ging. Mit Ende des Korea-Kriegs stand der Dow Jones beispielsweise 1953 mit knapp vier Prozent im Minus. In den drei Jahren danach macht er jedoch insgesamt einen Satz um 78 Prozent nach oben. Auch auf den Golfkrieg folgte eine neunjährige Hausse. Der Dow Jones konnte sich in seinem Wert vervierfachen.

Anders verhielt es sich bei den beiden Weltkriegen. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs hatten die Bären bereits das Ruder am Markt übernommen. Von 1912 bis 1914 hatte der Dow Jones 38 Prozent verloren. 1918 stand der Kurs dann sogar niedriger als im Jahr 1912. Auch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es Anzeichen einer Marktkorrektur. Mit dem Ausbruch des Krieges vermengte sich das zu einer länger anhaltenden Baisse.

Mit Blick auf den russischen Krieg gegen die Ukraine bleiben damit aus historischer Sicht zwei zentrale Erkenntnisse. Bislang hat auf die ganz lange Sicht immer profitiert, wer in solchen Phasen ruhig geblieben ist und geduldig auf das Kriegsende gewartet hat. Gleichzeitig gab es am Beispiel des Dow Jones immer dann längere Abwärtstrends, wenn sich ein solcher schon vor der kriegerischen Auseinandersetzung angedeutet hatte. Das macht die aktuelle Situation zu einer gefährlichen. Die hohe Inflation, die angekündigten Zinserhöhungen der Fed und die aufgrund der Coronapandemie vorherrschenden Lieferengpässe hatten schon vor dem russischen Einmarsch in das Nachbarland die Märkte unter Druck gesetzt. Besonders im Technologiebereich gab es teils crashartige Verluste. Zumindest mittelfristig könnte es also erst einmal weiter rau zu gehen an den Börsen.

Oliver Götz

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23.03.2022 | 09:58

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