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Unternehmen > Möglicher Zusammenschluss mit US-Tochter

Telekom vor Mega-Deal?

| Redaktion Börse am Sonntag

Telekom-Chef Höttges.
Plant Telekom-Chef Timotheus Höttges den Mega-Deal? (Foto: Picture Alliance / Panama Pictures / Christoph Hardt)

Die Deutsche Telekom prüft offenbar den vollständigen Zusammenschluss mit T-Mobile US. Es würde wohl die größte öffentliche Fusion der Börsengeschichte.

Die Deutsche Telekom denkt offenbar über einen historischen Schritt nach: Laut Medienberichten prüft der Bonner Konzern eine vollständige Fusion mit seiner US-Mobilfunktochter T-Mobile US. Im Raum steht die Gründung einer neuen Holdinggesellschaft, die sowohl den Aktionären der Telekom als auch denen von T-Mobile US ein Aktientausch-Angebot machen könnte. Ziel wäre ein einheitlicher transatlantischer Telekommunikationskonzern mit Börsennotierung in den USA und Europa.

Sollte es dazu kommen, wäre dies die größte öffentliche M&A-Transaktion aller Zeiten – größer sogar als die historische Übernahme von Mannesmann durch Vodafone Anfang der 2000er-Jahre. Analysten schätzen den kombinierten Börsenwert auf rund 300 bis 400 Milliarden Dollar.

Warum T-Mobile US so wichtig ist

Dass ein solcher Schritt überhaupt diskutiert wird, zeigt vor allem eines: T-Mobile US ist längst das wertvollste Asset der Telekom.

Die US-Tochter hat sich in den vergangenen Jahren zum Wachstumsmotor des Konzerns entwickelt. Mit rund 140 Millionen Mobilfunkkunden ist T-Mobile US inzwischen der zweitgrößte Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten. Spätestens seit der Sprint-Übernahme 2020 und dem massiven Ausbau des 5G-Geschäfts hat sich das Unternehmen operativ deutlich stärker entwickelt als viele europäische Wettbewerber.

Die Deutsche Telekom hält bereits rund 53 Prozent an T-Mobile US und hatte in den vergangenen Jahren ihre Beteiligung systematisch ausgebaut. Ein vollständiger Zusammenschluss wäre damit der logische nächste Schritt – zumindest strategisch.

Was sich die Telekom davon verspricht

Ein Zusammenschluss könnte mehrere Vorteile bringen.

Zum einen leidet die Telekom seit Jahren unter einem Bewertungsabschlag an der Börse. Obwohl das US-Geschäft einen erheblichen Teil des operativen Erfolgs liefert, wird der DAX-Konzern deutlich niedriger bewertet als seine US-Tochter. Eine neue Holdingstruktur könnte diesen Abschlag reduzieren.

Zum anderen würde ein solcher Konzern zum größten Mobilfunkanbieter der Welt nach Marktkapitalisierung aufsteigen – noch vor China Mobile. Das würde nicht nur die Kapitalmarktwahrnehmung verändern, sondern auch strategisch neue Spielräume für Investitionen und Übernahmen schaffen.

Zudem könnte eine vereinfachte Konzernstruktur die Steuerung des Geschäfts erleichtern und Synergien auf Holding-Ebene schaffen.

Deutsche Telekom-Aktie

Warum Anleger trotzdem skeptisch reagieren

An der Börse kam die Nachricht zunächst nicht gut an. Die Aktie der Deutsche Telekom verlor zeitweise mehr als 4 Prozent und fiel auf rund 27,50 Euro, während auch T-Mobile US unter Druck geriet.

Der Grund: Noch gibt es deutlich mehr Fragen als Antworten.

Ein solcher Deal wäre politisch und regulatorisch hochsensibel. Sowohl die US-Regierung als auch die Bundesregierung müssten zustimmen. Der deutsche Staat hält gemeinsam mit der KfW noch immer knapp 30 Prozent an der Telekom – politische Interessen spielen also zwangsläufig eine Rolle.

Hinzu kommt: Analysten sehen den Deal nicht automatisch positiv. Bernstein Research etwa hält eine solche Transaktion eher für nachteilig für Aktionäre von T-Mobile US, da unklar sei, wie die Bewertungsrelation ausfallen würde.

Was für die Aktie spricht:

  • stabiles Kerngeschäft mit hoher Dividendenqualität
  • stark wachsendes US-Geschäft über T-Mobile US
  • mögliche Auflösung des Bewertungsabschlags
  • strategische Stärkung durch einen globalen Telekom-Champion

Was dagegen spricht:

  • hoher regulatorischer und politischer Unsicherheitsfaktor
  • komplexe Struktur eines möglichen Deals
  • mögliche Verwässerungseffekte
  • kurzfristig negative Marktreaktion und Unsicherheit

Fazit

Ein vollständiger Zusammenschluss zwischen Deutsche Telekom und T-Mobile US wäre ein Paukenschlag für die internationale Telekombranche. Strategisch ergibt der Schritt durchaus Sinn: Die US-Tochter ist längst der wichtigste Wachstumstreiber, und eine Holdingstruktur könnte den Konzern kapitalmarktseitig neu aufstellen.

Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Politische Hürden, regulatorische Fragen und die Interessen großer Anteilseigner machen den Deal hochkomplex.

Für Anleger bleibt die Aktie damit spannend – aber vorerst vor allem eines: ein Fall für starke Nerven.

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