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Dax40: Die fünf spannendsten Aufstiegskandidaten

(Foto: Sartorius)



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Im September wird Deutschlands Leitindex um zehn Unternehmen erweitert. Um welche genau, ist noch nicht entschieden. Der Kreis der Anwärter aus dem MDax aber ist eng. Fünf davon bieten noch attraktives Kurspotenzial.

Der Aufstieg in den DAX verleiht Flügel. Aktien von Unternehmen, die als mögliche Kandidaten für Deutschlands höchste Börsenliga gehandelt werden, performen im Vorfeld oft überdurchschnittlich. Durch den möglichen Wechsel in einen „höheren“ und bekannteren Index, setzen Investoren häufig auf den Zugewinn an internationaler Aufmerksamkeit, sowie die Aufnahme der betreffenden Titel in eine Reihe von ETFs, die dann ihre Zusammensetzung anpassen müssen. So bildet ein Dax-Indexfonds ab September plötzlich zehn Werte mehr ab. Diese müssen in die ETF-Portfolios zugekauft werden. Auch in aktiv gemanagte Fonds, die sich auf Deutschlands Dax-Konzerne konzentrieren, kommt bei einer sich verändernden Indexzusammensetzung Bewegung.

Ein ums andere Mal entstehen deshalb heiße Kurswetten, bevor klar ist, wer nun tatsächlich den Aufstieg schafft. Im Anschluss wird dann allerdings auch häufig wieder abverkauft. Vor allem für kurzfristig orientierte Anleger ist das ein spannenden Spiel, das in diesem Jahr so intensiv werden dürfte, wie nie zuvor. Und auch für langfristig orientierte Anleger kann es sich lohnen, insofern sie sich auf Unternehmen konzentrieren, die auch fundamental überzeugen – mit starken Zahlen, Bilanzen und Wachstumsaussichten. Und deren Aktienkurse noch vergleichsweise viel Raum zur Entfaltung bieten. Fünf Aktien aus dem MDax kommen da aktuell besonders vielversprechend daher.

1. Airbus (Market Cap: 88 Milliarden Euro)

Airbus gilt als Kandidat Nummer Eins, wenn es darum geht, wer im September den Sprung in Deutschlands Leitindex schafft. Der inzwischen größten Flugzeugbauer der Welt kommt auf eine Marktkapitalisierung von 88 Milliarden Euro und schlägt diesbezüglich sogar die Mehrheit der aktuellen Dax-Mitglieder. Der Aufstieg scheint damit überfällig. Airbus hat die Coronapandemie, wie auch Konkurrent Boeing und viele Airlines hart getroffen. Der Aktienkurs verlor zwischenzeitlich rund zwei Drittel an Wert. Noch immer ist der Kurs (112,28 Euro) ein ganzes Stück weit von seinem Rekordhoch von vor Krise bei 139 Euro entfernt.

Inzwischen aber erholt sich der Sektor. Die Airlines werden optimistischer mit Blick auf steigende Fluggastzahlen im Sommer. Die Auftragsbücher bei Airbus sind voll. Die anhaltende Schwächephase von Konkurrent Boeing spielt den Europäern zusätzlich in die Karten. Zu guter Letzt könnte Airbus auch von den weltweiten Bemühungen um mehr Klimaschutz profitieren. Mit einem Horizont von 15 Jahren sei der Flugzeugbauer ein klarer Profiteur angesichts des Handlungsbedarfs unter den Fluggesellschaften, die ihre Flotten verjüngen müssten, schrieb JPMorgan-Analyst David Perry in einer Studie. Sein Kursziel beließ der Experte bei 138 Euro,  also nahe am Rekordhoch.

Dass die Airbus-Aktien zurück in alte Höhen klettert, wird damit immer wahrscheinlicher. Der Trend im Chartbild stimmt, die Aufholbewegung ist in vollem Gange. Die Dax-Mitgliedschaft könnte im September zur Kirsche auf der Torte werden.

2. Zalando (Market Cap: 14,5 Milliarden Euro)

Die „Schrei-vor-Glück“-Werbekampagne, die Zalando einst bekannt machte, liegt inzwischen eine ganze Weile zurück. An der Börse hingegen trifft der Slogan aktuell zu, wie nie zuvor. Zalando ist als Online-Modehändler ein Pandemie-Gewinner. Der Aktienkurs der Berliner hat sich von März 2020 an mehr als verdreifacht. Umsatz und Gewinn steigen rasant. Im ersten Quartal stieg zudem die wichtige Kundenzahl auf fast 42 Millionen – sechs Millionen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der langfristige Trend ist intakt. Onlineshopping dürfte auch nach der Pandemie beliebt bleiben und beliebter werden.

Vor kurzem wurde überdies die strategische Koopreation mit der Kosmetikkette Sephora bekannt. „Ein wichtiger Schritt“, urteilt Bader Bank-Analyst Volker Bosse. Für Zalando eröffne sich so die Chance, die Markenwahrnehmung bei Schönheitsprodukten auf ein „neues Niveau“ zu heben. Sein Kursziel beließ Bosse bei 122 Euro. Das entspricht bei dem derzeitigen Kurs von knapp hundert Euro einem Aufwärtspotenzial von gut zwanzig Prozent. Mit einem KGV von über 100 ist die Zalando-Aktie allerdings sehr hoch bewertet. Womöglich bietet es sich an, auf den nächsten Rücksetzer zu warten. Die Mischung aus möglichem Dax-Aufstieg und erstklassigen Wachstumsaussichten aber klingt verlockend.

3. Symrise (Market Cap 12,8 Milliarden Euro)

Zuletzt wegen eines Hackerangriffs, der die gesamte Produktion lahm legte, in den Schlagzeilen, beginnen bei Symrise allmählich wieder die positiven Nachrichten zu überwiegen. Der Duft- und Aromahersteller aus Nördlingen steigert Umsatz und Gewinn seit Jahren und hob zuletzt die Dividende das elfte Mal in Folge an. 2020 kletterten die Einnahmen um 3,3 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro. Das Ebitda stieg um 5,8 Prozent auf 742 Millionen Euro. Der Aktienkurs befindet sich seit 2009 in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Der Kurseinbruch 2020 und die dran anschließende schleppende Erholung, sind inzwischen wett gemacht. Mit 117,50 Euro notiert der Kurs nahe seinem Rekordhoch aus dem September 2020 (118,00 Euro). Die Bewertung ist damit aber bereits hoch. Das KGV liegt bei 45.

Die Wachstumsaussichten allerdings sind gut. Zwar könnten kurzfristig steigende Grundstoffpreise das Ergebnis drücken, langfristig aber ist Symrise in einer Nische tätig, die immer mehr an Bedeutung gewinnt und gleichzeitig defensiven Charakter aufweist. Parfüms, Kosmetikartikel, Lebensmittel, Getränke, Nahrungsergänzungsmittel – all das unterliegt keinen starken Nachfrageschwankungen. Und in vielen dieser Produkte stecken Aromen und Duftstoffe von Symrise. Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram sprach dazu im Rahmen der jüngsten Quartalszahlenveröffentlichung von einem „seht guten“ Jahresstart. Für JPMorgan-Analystin Celine Pannuti sei überdies „noch Nachholpotenzial zur Aktie des Schweizer Wettbewerbers Givaudan“, vorhanden. Nicht zuletzt könnte auch der Aufstieg in den Dax noch einmal Schwung geben, so Pannuti weiter.

4. HelloFresh (Market Cap 10,8 Milliarden Euro)

Auch der Berliner Kochboxenversender HelloFresh ist einer heißer Kandidat für einen Dax-Aufstieg. Die Pandemie hat den Trend hin zum Lebensmitteleinkauf im Internet stark beschleunigt, mit seinem besonderen Konzept der für ein bestimmtes Gericht zusammengestellten Kochbox trifft HelloFresh den Nerv vieler Menschen, vor allem in den Großstädten. Allein im ersten Quartal 2021 wurden 29,3 Millionen Kochboxen mit einem durchschnittlichen Bestellwert von 49,30 Euro ausgeliefert, schreibt die HypoVereinsbank. „Das sind doppelt so viele Bestellungen wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres“, rechnet die Bank vor.

Von den insgesamt 7,28 Millionen aktiven Kunden, die HelloFresh Ende März 2021 zählte, wohnt dazu die Hälfte in den USA. Damit ist das Unternehmen um CEO Christian Ries in einem wichtigen Wachstumsmarkt für Online-Bestellungen von Lebensmitteln gut vertreten und nicht allein vom oft konservativen deutschen Markt abhängig. Die Aktie macht das besonders interessant, auch wenn sie bereits stark gelaufen und hoch bewertet ist. „Sollte HelloFresh tatsächlich den Sprung in die oberste Börsenliga schaffen, dürfte es dort wohl  zu den schwankungsanfälligeren Titeln gehören“, schätze die HypoVereinsbank. Im laufenden Jahr rechnet HelloFresh allerdings mit einem Umsatzplus von 35 bis 45 Prozent. Das ist eine Ansage.

5. Sartorius (Market Cap 10,8 Milliarden Euro)

Ein spannender Dax-Kandidat wäre auch der Laborausstatter Sartorius. In der Pandemie hat die Aktie, die schon vorher gut gelaufen war, noch einmal einen Gang nach oben geschaltet. Auf Dreijahressicht steht der Kurs nun mit fast 250 Prozent im Plus. Zuletzt wurden die Titel aber nach Höchstständen bei 464 Euro abverkauft. Bei einem für 2021 erwarteten KGV von 73, lässt sich da zwar noch nicht von einer günstigen Einstiegschance sprechen, bei den starken Wachstumsaussichten der Göttinger werden Rücksetzer aber grundsätzlich schnell zur Kaufgelegenheit. Im ersten Quartal des laufenden Jahres stiegen die Umsätze von Sartorius um 62 Prozent. Mit einer operativen Ertragsmarge von 33,3 Prozent zähle das Unternehmen außerdem zu den rentabelsten deutschen Börsengesellschaften, analysiert die HypoVereinsbank. Ebenso hob Sartorius die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr an.

Es bleibt allerdings abzuwarten, inwieweit der positive Trend auch nach Ablaufen der Coronapandemie anhält. Ein vielversprechender Dax-Kandidat ist Sartorius allemal – und hätte sich einen Aufstieg nach einem Kursplus von über 5.000 Prozent in den vergangenen zehn Jahren auch redlich verdient.

OG

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23.06.2021 | 14:24

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