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Corona-Krise: Diese Unternehmen profitieren

Wettlauf gegen die Zeit: Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einem wirksamen Impfstoff gegen Covid-19.


Die Folgen des Corona-Virus sind jetzt schon desaströs. In vielen Bereichen sinkt die Nachfrage, Lieferketten reißen. Unzählige Unternehmen beantragen Kurzarbeit, Volkswagen stoppt die Produktion, Tui beantragt sogar Staatshilfe. Doch nicht alle Unternehmen leiden unter der Krise – es gibt sogar Gewinner.

Freitag ist vorerst die letzte Schicht. Der Autobauer Volkwagen stoppt wegen der Corona-Krise seine Produktion in den meisten Werken in Deutschland und Europa. Für 2020 wagt Konzernchef Herbert Diess keine Prognose mehr und warnt: „Die Corona-Pandemie stellt uns vor unbekannte operative und finanzielle Herausforderungen.“ Auch für Touristik-Unternehmen und Fluggesellschaften sind die Folgen des Corona-Virus dramatisch. So streichen Airlines weltweit ihre Flugpläne zusammen, Tui setzt den größten Teil des Reisebetriebs bis auf Weiteres aus und muss nun zur Überbrückung Staatshilfe beantragen. Es gehe um Staatsgarantien, bis der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen werden könne. „Wir ergreifen einschneidende Kostenmaßnahmen, um die Auswirkungen auf unser Ergebnis abzumildern“, teilte Tui mit. Doch es gibt auch wirtschaftliche Profiteure der Krise, die ihre Produktion gerade jetzt kräftig steigern:

Desinfektionsmittelhersteller

Die Aktienkurse von Desinfektionsmittelherstellern – darunter Reckitt Benckiser (Sagrotan), Paul Hartmann (Sterilium) und Clorox (das US-Pendant zu Sagrotan) – zogen in den vergangenen Wochen stark an, bevor sie ab dem 9. März 2020, dem Tag des Börsencrashs, mit auf Talfahrt geschickt wurden. Reckitt Benckiser vermelden voll ausgelastete Werke. Auch Paul Hartmann mit Sitz in Heidenheim fährt Sonderschichten. „Die Nachfrage nach Masken oder Desinfektionsprodukten ist in den vergangenen Wochen stark gestiegen“, so Philipp Hellmich, Sprecher des Unternehmens. Die Mittel sind so stark nachgefragt, dass sie fast flächendeckend ausverkauft sind. Das Hartmann-Tochterunternehmen Bode Chemie in Hamburg produziert das Desinfektionsmittel Sterillium, das in Krankenhäusern und Arztpraxen zur Desinfektion der Hände genutzt wird. Bei Bode werde nun auch am Wochenende gearbeitet. Wie stark das Umsatzplus der Desinfektionsmittelhersteller sein wird, ist noch unklar.

Hersteller von Schutzbekleidung und Beatmungsgeräten

Atemschutzmasken sind kaum noch erhältlich. Neben Desinfektionsmitteln kommt es zu Lieferengpässen. Das liegt nicht nur an der starken Nachfrage, sondern auch daran, dass viele der Produkte in China gefertigt werden. Ein großer Profiteur dieser Krise ist Drägerwerk. Der Medizintechnikkonzern hat von der Bundesregierung einen Großauftrag über 10.000 neue Beatmungsgeräte erhalten. Außerdem soll das Unternehmen Schutzausrüstungen für Krankenhaus-Personal liefern. "Das ist der größte Auftrag, den wir je hatten", sagte ein Sprecher. Man werde das ganze Jahr brauchen, um ihn abzuarbeiten und dafür die Produktionskapazität ausweiten. Kurzzeitig schoss die Aktie um satte 68 Prozent in die Höhe. Derzeit sind die Papiere für rund 78 Euro zu haben. Mit Bekanntwerden des Großauftrages stürzten sich Anleger auf die Aktie. Doch berechtigte Zweifel an der Nachhaltigkeit bleiben. Auch der weltweit führende Hersteller von Schutzanzügen, Dupont, vermeldet eine gigantische Nachfrage. Der Aktienwert des kleinen kanadischen Schutzkleidungsherstellers Alpha Pro Tech vervierfachte sich innerhalb weniger Tage, bevor er am Crash-Montag wieder absackte. Derzeit kostet der Anteilsschein 11,60 Euro.

Pharma und Biotech

Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einem wirksamen Impfstoff. Denn auch davon hängt ab, wie stark sich das Virus ausbreiten kann. Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) nennt auf seiner Webseite insgesamt 16 Projekte und neun Unternehmen, die an einem Impfstoff forschen. Drei der Unternehmen, CureVac aus Deutschland sowie Inovio und Moderna aus den USA, würden finanziell durch die Allianz CEPI unterstützt. Doch, weil die Entwicklung eines Impfstoffes wahrscheinlich noch mehrere Monate dauern wird, werden auch Medikamente gegen den Virus erprobt. Das Biotechunternehmen Gilead Sciences aus den USA testet den Wirkstoff Remdesivir, das japanische Unternehmen Takeda will aus dem Blut von Covid-19-Geheilten ein ganz neues Medikament entwickeln. Beide Titel sind vor dem Crash-Montag rasant angestiegen. Sollte ein Unternehmen ein wirksames Medikament gegen das Virus entwickeln, könnte der Aktienkurs durch die Decke schießen. Die Kurse der Pharma- und Biotechfirmen, die solche Forschungsrennen verlieren, fallen hingegen oft rapide.

Videodienste und Onlinehändler

In diesen Tagen sind immer mehr Menschen an ihr Zuhause gebunden. Sogenannte „Stay at home stocks“ erleben ihre Hochkonjunktur. Damit sind jene Unternehmen gemeint, die von den Homeoffice-Regelungen, Quarantänen und Ausgangssperren profitieren. Der Streaminganbieter Netflix gehört ebenso dazu wie der Remote-Konferenzdienst Zoom, der deutsche Screen-Sharing-Dienst Teamviewer oder die Teamkommunikations-App Slack. Unklar ist, wie sich die Krise generell auf Onlinehändler auswirkt. Zwar wurden im Internet spezielle Produkte wie Desinfektionsmittel und Atemmasken – teilweise zu horrenden Preisen – verstärkt nachgefragt, doch dafür gingen die Nachfragen nach anderen Gütern punktuell zurück. Kurzum: Ob Menschen in Quarantäne zu mehr Onlineshopping abseits von Corona-Prävention neigen, wird sich zeigen. Sollte Deutschland – ähnlich wie in Italien – eine Ausgangssperre anordnen, könnte der Onlinehandel stark profitieren. Neben den Supermarktfilialen freuen sich Online-Lieferdienste für Lebensmittel jetzt schon über eine hohe Nachfrage – obwohl sie bisher nicht von der breiten Masse genutzt werden. Das könnte sich ändern: In Berlin berichten Kunden, dass die Termine der Lieferservices von Edeka und Rewe über Wochen ausgebucht sind. Auch der Berliner Essenslieferanten Delivery Hero ist gefragt wie nie, die Aktie legte zwischen Mitte Dezember und Mitte Februar rund 64 Prozent zu.

BAS

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17.03.2020 | 16:08

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