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Statistiker von JPMorgan: Korrektur in finalen Zügen

(Foto: orhan akkurt / Shutterstock)




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Ein Mix aus Risikofaktoren setzt die Märkte spürbar unter Druck. Im Tech-Bereich und besonders bei den Corona-Krisengewinnern wachsen sich anfängliche Konsolidierungswellen zu einem handfesten Crash aus. Doch der zuletzt rasante Abverkauf könnte gerade noch rechtzeitig einen Boden finden.

Zum Beginn der Woche sah es für einen kurzen Moment nach Panik aus. Nach einigen Tagen des Abverkaufs bei Tech-Werten drehte am Montag auch der Gesamtmarkt deutlich nach unten ab. Der Dax verlor zwischenzeitlich mehr als vier Prozent und auch in den USA verkauften Anleger fleißig Aktien. Einzelne Papiere gingen beinah schon in den freien Fall über. Nach über 20 Prozent Kursverlust am Handelstag zuvor, rauschte die Netflix-Aktie um weitere zehn Prozent nach unten und kostete weniger als vor Beginn der Corona-Pandemie. Die Aktien vieler Krisengewinner stürzten regelrecht in die Tiefe. Teamviewer oder die Auto1 Group verloren zweistellig. Endgültig schienen nun die Spekulationsblasen zu platzen, die sich im Zuge der Pandemie bei einigen Tech-Aktien aufgetan hatten.

Doch dann plötzlich die Wende. Kurz vor Börsenschluss holten die US-Indizes ihr Verluste gänzlich auf und drehten sogar noch ins Plus. Offenbar war eine Schwelle überschritten, die die Schnäppchenjäger kurzerhand wieder auf den Plan rief. Die Frage ist, was das nun bedeutet. War das eine kurzfristige Gegenbewegung? Oder könnte das bei einer Rückschau in ein paar Tagen der Beginn einer Bodenbildung gewesen sein?

Die Aktienbörsen stehen aktuell schließlich auf wackligem Parkett. Selten wurde eine Korrektur von Anlegern wohl so gern angenommen, wie diese. Ende des vergangenen Jahres standen die Kurse einzelner Tech-Aktien so hoch, dass ein Einstieg fundamental kaum noch zu rechtfertigen war. Nun eröffnen sich das erste Mal seit Beginn der Pandemie echte Einstiegschancen, weil viele aussichtsreiche Aktien die Hälfte oder mehr als die Hälfte ihres Werts verloren haben. Selbst die großen Tech-Konzerne wie Alphabet oder Microsoft sind ein gutes Stück von ihren Höchstkursen zurückgekommen.

Aber wann ist der richtige Zeitpunkt? Ist eine Halbierung des Kurses der Netflix-Aktie eine Übertreibung? Oder war er einfach im Vorfeld viel zu weit nach oben getrieben worden? Erleben wir gerade eine überfallartige Korrektur oder braut sich da ein Markt-Crash zusammen? Es mangelt neben den möglichen Zinserhöhungen, die besonders die Tech-Werte treffen, ja auch nicht an sonstigen Risikofaktoren, wie ein drohender Krieg in der Ukraine, neue harte Corona-Lockdowns in China, die die Lieferketten noch mehr durcheinander wirbeln würden als ohnehin schon, und natürlich die Inflation.

Die Angst vor steigenden Zinsen ist übertrieben

Das ruft aktuell auch eine Menge Crash-Propheten auf den Plan. Kein Tag vergeht ohne Horrornachricht. Am Markt sorgt das für große Unsicherheit, gerade bei den vielen Privatanlegern, die in der Pandemie erstmals Aktien gekauft haben. Was ist günstig, was ist teuer? Während der verrückten Rallys der vergangene fast zwei Jahre, ist man sich da nicht mehr so sicher.
Marko Kolanovic, Statistiker bei JPMorgan, beruhigt. Die Korrektur sei nun in ihrem „Endstadium“. Sein zentrales Argument: Die Angst vor steigenden Zinsen ist übertrieben. In einem Paper schrieb Kolanovic am Montag, dass die aktuelle Baisse nicht mit den Erwartungen von JPMorgan übereinstimmt, was die Verringerung von Engpässen in den Lieferketten, die wahrscheinlich dynamische Wirtschaftserholung und eine starke Ertragssaison angeht.

Auch die Inflationsrisiken sieht Kolanovic an den Märkten übereingepreist. „Während einige befürchten, dass steigende Einkaufspreise die Margen schmälern, gehen wir davon aus, dass die Margen dank der insgesamt steigenden Preise stabil bleiben und einer möglichen Lohninflation trotzen“, so Kolanovic.

Anlegerstimmung auf dem Tiefpunkt macht Mut


Einige technische Indikatoren wiesen zudem auf einen überverkauften Markt hin. Er gehe deshalb davon aus, dass „wir uns in der Endphase dieser Korrektur befinden könnten“. Dafür könnte auch die miese Stimmung unter Anlegern sprechen, die so schlecht es ist wie lange nicht.  Erhebungen des AAII Investor Sentiment Survey nach stand sie vergangene Woche auf einem Zehnjahres-Tief. Der viel beachtete Fear and Greed-Index von CNN steht auf fear. Getreu Warren Buffetts Mantra „Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind“, wäre nun also wohl Zeit zum Einstieg.

OG

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25.01.2022 | 16:34

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