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Fintechs: Mit diesem ETF sind Anleger dabei!

Fintechs machen den etablierten Finanzdienstleistern immer größere Konkurrenz. Per ETF können Anleger profitieren. (Foto: Jirsak / Shutterstock.com)



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Der Finanzsektor wandelt und digitalisiert sich immer schneller. Kaum wer zweifelt noch daran, dass die Branchenstars der Zukunft die Fintechs von heute sind. Ein ETF fasst sie zusammen. Und wird immer wertvoller.

Auf den ersten Blick verwirrt die Zusammensetzung des „Invesco KBW NASDAQ Fintech UCITS ETF“. Unter seinen größten Einzelpositionen finden sich unter anderem Novartis (7,0 Prozent), Ahold Delhaize und CNH Industrial mit jeweils 5,7 Prozent, Asbury Automotive (4,6 Prozent), Volkswagen (4,4 Prozent), die Münchner Rück und Roche (4,2 Prozent). Finanztechnologieunternehmen sucht man unter ihnen also vergebens. Die Sektorenverteilung führt die Pharmabranche mit 20,5 Prozent vor den Industrieunternehmen (19 Prozent) an. Dann erst folgt mit 14,7 Prozent der Finanzsektor, der jedoch auch nicht die klassischen Fintechs abdeckt. Mit 11,9 Prozent stehen die Basiskonsumgüter an vierter Stelle. Insgesamt verfügt der ETF übe 231 Einzelpositionen.

Grund für diesen zunächst irritierenden Aufbau ist die sogenannte „indirekte, swap-basierte Replikationsmethode“, die der ETF nutzt. Bildet der ETF bei physischer Replikation den Referenzindex 1:1 nach, fungiert er bei dieser Methode praktisch als Sicherheiten-Portfolio. Als Grundlage gilt eine für den Laien komplizierte Vereinbarung zwischen ETF-Anbieter und Swap-Kontrahent, beispielsweise eine Bank. Im Endeffekt passiert folgendes: Die Wertentwicklung des Sicherheiten-Portfolios, sprich die des ETF, wird gegen die Wertentwicklung des Referenzindex getauscht. Heißt: Für Anleger ist der Referenzindex entscheidend, nicht die Entwicklung des ETF-Aktienkorbes. Und damit auch nicht, aus welchen teils völlig Indexfremden Unternehmen er sich zusammensetzt.

Der Referenzindex

Für Anleger interessant, wird daher viel mehr der Blick auf den „KBW Nasdaq Financial Technology Total Return (Net) Index“. Der besteht mit 48 schon aus deutlich weniger Einzeltiteln und eben aus solchen, die erwartet, wer in einen Fintech-ETF investiert. Platz im Index finden grundsätzlich nur Unternehmen, deren technische Abläufe einer „fortgeschrittenen Digitalisierung und Automatisierung“ unterliegen, wie Lynxbroker-Experte Dirk Friczewsky schreibt. Das Geschäftsmodell sollte klar in Richtung vollelektrischer Umsätze gehen. Etwas konkreter müssten dazu alle im Index enthaltenen Aktien an der NYSE, NYSE American, NASDAQ oder CBOW Exchange gelistet sein und mindestens einen Börsenwert in Höhe von 500 Millionen US-Dollar aufweisen. Gleichzeitig darf das durchschnittliche Handelsvolumen die Anzahl von 150.000 Aktien nicht unterschreiten. Und der Kurs der jeweiligen Aktie muss innerhalb der jüngsten 30 Handelstage über zwei US-Dollar gelegen haben, sowie einen Streubesitz von mindestens 20 Prozent vorweisen. „Mit diesen Kriterien  sorgt man unter anderem für Liquidität und vermeidet vor allem die Aufnahme von Penny-Stocks“, erklärt Friczewsky.

Die Index-Gewichtung wird quartalsweise überprüft und gegebenenfalls neu angepasst. Unter den fünf größten Einzelpositionen finden sich On Deck Capital (2,7 Prozent), Cardtronics (2,6 Prozent), Western Union (2,5 Prozent), Bottomline Technologies (2,4 Prozent) und SS and C Technologies (2,3 Prozent) wieder. Für die Top-Five eines Index eher geringe Gewichtungen, was für eine breite Diversifizierung spricht. Allerdings nur die Einzelpositionen betreffend. Wie es ein Fintech-ETF schon nahelegt, gehören die meisten Unternehmen dem Finanzsektor (39,7 Prozent) und der Informationstechnologiebranche (50,5 Prozent) an. Eine Branchenabhängigkeit ist also gegeben, jedoch auch nicht überraschend. Problematischer erscheint da schon, dass über 95 Prozent der Unternehmen des Referenzindexes in den USA börsennotiert sind. Kanada folgt mit 2,1 Prozent auf Rang Zwei. Damit setzen Anleger also auf die Entwicklung von US-Fintechs, praktisch kaum auf die globale Entwicklung der Branche.

Demgegenüber dürften freilich auch US-Fintechs stark performen, sollte dies die gesamte Branche tun. Und danach sieht es aus. „In Zeiten niedriger bis nicht vorhandener Zinsen können FinTechs aufgrund ihrer nahezu komplett durchdigitalisierten Geschäftsvorgänge und nicht vorhandener teurer Infrastruktur ihre Vorteile gegenüber den Filialbanken deutlich ausspielen“, sieht Experte Friczewsky die Branche weiter im Aufschwung. Und fügt an: „Die schiere Masse der Fintechs stellt die Bankenwelt auf den Kopf.“

Mit Blick auf den ETF sieht er aber durchaus Risiken: Dieser eigne sich aufgrund seiner Beschaffenheit und Konzeption zum langfristigen Vermögensaufbau. „Zwar balancieren rund 50 Einzeltitel das Risiko recht gut aus, jedoch bleibt das Klumpenrisiko im Bereich des Sektors Finanzen ja dennoch vorhanden“, so Friczewski. Und natürlich bringt der in Dollar gehandelte ETF ein gewisses Währungsrisiko mit sich.

Bislang jedoch entwickelt sich der Kurs mehr als zufriedenstellend. Auf Jahressicht steht der ETF mit 30 Prozent im Plus. Seit Auflage im März 2017 ging es um 55 Prozent nach oben. Das liest sich schon weniger verwirrend, dafür umso vielversprechender.  

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13.12.2019 | 13:56

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