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Da ist Musik drin

(Bild: picture alliance / dpa | Markus Scholz)



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Ein Brief von Beethoven wurde für 275.000 Dollar versteigert – und so zu einem der teuersten Schriftstücke des berühmten Komponisten. Doch die anonyme Käuferin behält das Sammlerstück nicht selbst.

275.000 Dollar – für diese Summe kann man so einiges kaufen. Mehrere Autos, Designerklamotten für einen ganzen Kleiderschrank, sogar eine Wohnung gibt´s für diesen Betrag. Oder einen Brief von Beethoven, der für mehr als eine viertel Million versteigert wurde.

Das Auktionshaus „Heritage Auctions“ hatte so etwas noch nicht gesehen: Während der Wert des Briefes vor der Versteigerung auf 60.000 Dollar geschätzt wurde, bot eine anonyme Pianistin den vierfachen Betrag. Damit wurde er zu einem der teuersten Schriftstücke des Künstlers und ein echtes Highlight für das Auktionshaus. In der Beschreibung heißt es: Der Brief habe ein paar Knicke, kleine Flecken und verblasse an den Ecken etwas, aber im Großen und Ganzen sei dieser in einem guten Zustand.

Doch was steht drin im Liebhaberstück? In dem Brief fragt Beethoven einen Herrn von Baumann, ob er ihm die Noten eines Klaviertrios wiedergeben könne – er werde diese mit einer Violinsonate innerhalb kürzester Zeit zurücksenden. Das Anliegen eile.

Der weltweit bekannte klassische Komponist und seine Werke waren schon zu Lebzeiten sehr gefragt. Im Dezember 1770 geboren, wuchs er in einer Musikerfamilie auf. Nachdem Beethoven als Schüler Mozarts und Haydns in Wien weiter ausgebildet wurde, begann er nach kurzer Zeit selbst, Kompositionen zu veröffentlichen. Seine Werke spannen von der klassischen Epoche bis zur Romantik. Beethoven gelangte schnell an Berühmtheit, auch der Adel wurde auf ihn aufmerksam. Nach Haydns Tod im Jahr 1809 konnte sich Beethoven schließlich als Wiens angesehenster Komponist rühmen. Zu dieser Zeit hatte Beethoven bereits zu voller Gänze sein Gehör verloren. Das hinderte ihn dennoch nicht daran, weiter Musik zu komponieren. 18 Jahre später, 1827, verstarb der talentierte und bewunderte Künstler. Seine Musik lebt bis heute weiter.

Trotz seines Bekanntheitsgrades sprengen Beethovens Briefe, die man unter anderem bei „Sotheby´s“ ersteigern kann, normalerweise nicht den Rahmen. Die stolze Besitzerin ließ nach der Versteigerung verlauten, dass sie den Brief der New Yorker Musikhochschule, an der sie selbst studiert hatte, schenken wolle – sie wäre sich sicher, er sei wichtig für junge Menschen, „zu fühlen“. Zu dem Auktionshaus in Dallas meinte sie: „Beethoven war in meiner Kindheit meine Zuflucht“.

Die stolze Käuferin hatte bereits zuvor eine hohe Summe für ein bisschen Beethoven-Gefühl ausgegeben – für eine Locke des Komponisten. Haarreste verstorbener Künstler scheinen begehrt zu sein: 2019 wurde eine Strähne Beethovens bei „Sotheby´s“ für 35.000 Pfund, also umgerechnet etwa 39.000 Euro versteigert – davor war der Wert auf maximal 15.000 Pfund (17.000 Euro) geschätzt worden. Die Geschichte besagt, dass der Pianist und später enge Freund Beethovens Anton Halm eine vom Komponisten eigenhändig abgeschnittene Locke seiner Frau Maria schenken wollte. Doch wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Betrug: Maria hatte Ziegenhaare erhalten. Ein Scherz von Beethoven. Kurzerhand schnitt sich der Komponist eine weitere Locke ab – dieses Mal tatsächlich die eigene –, gab sie Halm und sagte: „Das sind meine Haare“. Doch nicht nur den Haaren des in Bonn geborenen Künstlers wird nachgeeifert: Auch Mozarts Locke wurde 2015 für ganze 50.000 Euro erzielt.

Solche Sammlerstücke werden schon lange nicht mehr zu realistischen Preisen verkauft. Der immaterielle Wert der jeweiligen Objekte liegt an erster Stelle. Ein allgemeiner Sammlerwert ist schwierig zu definieren. Wie sich die Preise bei Auktionen in den nächsten Jahren entwickeln werden, kann deshalb nicht vorhergesagt werden. Sammler müssen wissen, dass ein Wertezuwachs nicht garantiert werden kann. Werteschwankungen sind zudem schlecht vorhersehbar. Wer also ein Liebhaberstück ersteigern möchte, sollte Zeit für die Recherche der Materie einplanen – und seine 275.000 Dollar mit Bedacht ausgeben.

Annika Block

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30.09.2021 | 11:34

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