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Lebensart > Handelskonflikt wegen Grönland

Trumps Zollkrieg trifft Harley-Fans mitten ins Herz

| Oliver Stock

Harley-Davidson-Geschäft mit Logo an der Fassade in Paris.
Außenansicht eines Harley-Davidson-Stores in Paris. Steigende Zölle könnten den Verkauf von US-Motorrädern in Europa weiter verteuern. (Foto: Shutterstock)

Ein politischer Machtkampf um Grönland eskaliert zum Handelskrieg – und am Ende zahlen Motorradkäufer in Europa. Drohende Strafzölle könnten Harleys deutlich verteuern. Warum selbst treue Fans nervös werden.

Von Oliver Stock / Business Punk

Der Traum von Freiheit auf zwei Rädern beginnt manchmal mit einem Besuch beim Harley-Händler. Inzwischen endet er dort auch gleich wieder, und zwar beim Blick aufs Preisschild. Wer sich in Deutschland auf das neue Modell Street Glide setzen will, merkt schnell: Dieses Monster auf zwei chromblitzenden Rädern kostet inzwischen mehr als ein Mittelklassewagen. Über 50.000 Euro werden fällig. Und das liegt weniger an Chrom, Technik oder Image, sondern an einem politischen Dauerstreit zwischen Europa und den USA, der nun eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Mit Grönland ist ein geopolitischer Konflikt hinzugekommen, der den Zollstreit weiter anheizt – und Harley-Davidson mitten ins wirtschaftliche Getriebe trifft.

Geopolitik als Zolltreiber

Was vor Jahren als politisches Muskelspiel und diplomatisches Säbelrasseln begann, hat sich zu einem handfesten Handelsstreit entwickelt. US-Präsident Donald Trump hat im Konflikt um Grönland Strafzölle angekündigt, die Importe aus mehreren europäischen Ländern treffen sollen. Vorgesehen sind zunächst zehn Prozent ab Anfang Februar, später bis zu 25 Prozent ab Juni 2026. Betroffen wären unter anderem Waren aus Deutschland, Frankreich, Schweden und den Niederlanden. Die Zölle sind dabei nicht als wirtschaftliches Instrument gedacht, sondern als politisches Druckmittel im geopolitischen Ringen um Einfluss in der Arktis.

Europas Antwort auf US-Zölle

Die Europäische Union hat ihrerseits deutlich gemacht, dass sie diesem Treiben nicht tatenlos zusehen wird. Sollte es zu keiner Einigung kommen, könnten Gegenzölle auf US-Waren im Umfang von rund 93 Milliarden Euro greifen. Auf der Liste stehen Klassiker wie Bourbon und Jeans – aber auch Motorräder von Harley-Davidson. Spätestens dann würde der Handelsstreit für manchen Mann mit Midlife-Crisis im Endstadium direkt spürbar werden.

Belastungsprobe für Hersteller und Handel

Für Harley-Davidson ist diese Entwicklung besonders problematisch. Die Marke aus Milwaukee lebt vom Image, von Emotionen und von zahlungskräftigen Kunden. Gleichzeitig ist sie stark vom internationalen Handel abhängig. Schon in den vergangenen Jahren war der transatlantische Zollkonflikt ein Belastungsfaktor. Nachdem die USA Zölle auf europäischen Stahl und Aluminium eingeführt hatten, reagierte die EU mit Strafzöllen auf US-Produkte, darunter Motorräder. Diese Zusatzabgaben von offiziell bis zu 50 Prozent wurden zwar ausgesetzt, sind aber nie vollständig vom Tisch genommen worden. Sie wirken bis heute wie ein Damoklesschwert über der Preiskalkulation.

Nervosität in der Fangemeinde

Für Importeure und Händler in Deutschland bedeutet das vor allem eines: Vorsicht. In die Preise fließt nicht nur der aktuell gültige reguläre EU-Zollsatz von rund sechs Prozent ein, sondern auch das Risiko, dass Strafzölle kurzfristig wieder aktiviert werden. Das trifft auf einen Markt, der ohnehin unter Druck steht. Harley-Davidson verkaufte 2024 weltweit rund 148.000 Motorräder, deutlich weniger als in früheren Jahren. In Europa konnten die Absätze zwar zeitweise zulegen, allerdings vor allem durch Rabatte und Abverkaufsaktionen.

Auch in der Fangemeinde wächst die Nervosität. In Online-Foren wird offen darüber diskutiert, ob neue Harley-Modelle durch die Zollpolitik weiter verteuert werden. Die Frage, ob das „Mutterschiff“ diese Entwicklung langfristig verkraften kann, ist dort längst kein ironischer Kommentar mehr, sondern Ausdruck realer Sorge. Steigende Preise treffen selbst treue Kunden irgendwann an der Schmerzgrenze.

Ein Mythos unter Druck

So steht Harley-Davidson heute an einem kritischen Punkt. Die Marke hat Geschichte, Strahlkraft und eine treue Anhängerschaft. Doch zwischen politischem Zollpoker und wirtschaftlicher Realität droht der Mythos an Boden zu verlieren. Während in Davos, Brüssel und Washington über Handelsfragen verhandelt wird, zahlen am Ende die Kunden den Preis – ganz konkret im Showroom.

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