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Brasiliens Börse nach Lula-Sieg im freien Fall

| Redaktion Börse am Sonntag

Lula da Silva bleibt Präsident von Brasilien.
Lula da Silva gewinnt überraschend die Stichwahl gegen Bolsonaro junior in Brasilien. An den Finanzmärkten löst das Schockwellen aus. (Foto: picture alliance / AP Photo/Natacha Pisarenko | Natacha Pisarenko)

Die Wiederwahl von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva löst an den Finanzmärkten Brasiliens einen historischen Ausverkauf aus. Aktien brechen ein, der Real verliert massiv an Wert und die Zinsen steigen.

Brasiliens Finanzmärkte haben am Montag mit heftigen Verlusten auf den Wahlausgang reagiert. Nachdem Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva die Präsidentschaftswahl gegen den rechtsgerichteten Herausforderer Flávio Bolsonaro gewonnen hatte, geriet der Leitindex Ibovespa massiv unter Druck. Zeitweise verlor das Börsenbarometer mehr als 15 Prozent. Die Börse in São Paulo unterbrach den Handel vorübergehend, nachdem ein automatischer Schutzmechanismus ausgelöst worden war.

Auch der brasilianische Real stürzte gegenüber dem US-Dollar zeitweise um mehr als zehn Prozent ab. Gleichzeitig zogen die Renditen am Anleihemarkt deutlich an. Das bedeutet: Der Staat muss für neue Schulden voraussichtlich höhere Zinsen bieten, während Unternehmen und Verbraucher mit steigenden Finanzierungskosten rechnen müssen.

Die Heftigkeit der Reaktion erklärt sich auch durch die Entwicklung der Wochen zuvor. Nach dem ersten Wahlgang hatten Investoren zunehmend auf einen politischen Kurswechsel gesetzt. Ein Sieg Bolsonaros galt an den Märkten als mögliche Grundlage für eine wirtschaftsfreundlichere Politik mit stärkerer Haushaltsdisziplin und Reformen. Aktienkurse waren gestiegen, der Real hatte sich erholt und Anleger hatten auf sinkende Zinsen spekuliert.

Mit Lulas Wiederwahl wurde diese Erwartung abrupt infrage gestellt. Viele Investoren korrigierten ihre Positionen gleichzeitig – ein Effekt, der die Kursbewegungen zusätzlich verstärkte. Der Ausverkauf ist deshalb nicht allein als Urteil über die künftige Wirtschaftspolitik zu verstehen, sondern auch als Rückabwicklung einer zuvor populären Börsenwette.

Schulden und Zinsen werden zum entscheidenden Risiko

Im Zentrum der Sorgen steht die Finanzpolitik. Brasilien muss hohe staatliche Verpflichtungen finanzieren und zugleich ausreichend Spielraum für Investitionen und Sozialprogramme bewahren. Die Staatsverschuldung liegt nach aktuellen Schätzungen bei mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. Anleger befürchten, dass zusätzliche Ausgaben ohne glaubwürdige Gegenfinanzierung den Schuldenberg weiter wachsen lassen könnten.

Das Problem reicht weit über den Aktienmarkt hinaus. Wenn Investoren höhere Risikoprämien verlangen, verteuert sich die Kreditaufnahme für den Staat. Höhere Zinsen können wiederum private Investitionen bremsen, den Konsum belasten und die wirtschaftliche Entwicklung abschwächen. Eine schwächere Währung verteuert zudem importierte Waren und kann den Inflationsdruck erhöhen. Damit könnte es für die Zentralbank schwieriger werden, die Leitzinsen zu senken.

Besonders empfindlich reagierten Aktien aus dem Einzelhandel und andere Unternehmen, deren Geschäft stark von der Kaufkraft und den Finanzierungskosten im Inland abhängt. Steigende Zinsen machen Kredite teurer und können die Nachfrage nach Konsumgütern dämpfen.

Exportorientierte Unternehmen könnten dagegen teilweise profitieren: Ein schwächerer Real erhöht bei Einnahmen in US-Dollar rechnerisch den Wert der Erlöse in Landeswährung. Das gilt allerdings nicht pauschal. Firmen mit hohen Importkosten oder Fremdwährungsschulden können durch die Abwertung ebenfalls unter Druck geraten.

OG

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