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So gewinnen Deutschland und Europa

| Björn Hartmann

Nicola Beer, Vizepräsidentin Europäische Investitionsbank auf dem Frankfurt Finance & Future Summit.
Nicola Beer, Vizepräsidentin Europäische Investitionsbank, spricht während des Closing-Impulses „Blick nach vorne. So gewinnt Deutschland für Europa“ beim Frankfurt Finance & Future Summit 2026 im Kap Europa in Frankfurt am Main. (Foto: WMG)

Ist Europa weltweit abgehängt? Nicola Beer, Vizepräsidentin der Europäischen Investitionsbank, erklärt auf dem Frankfurt Finance & Future Summit drei Gründe, warum die EU zuversichtlich sein sollte.

Überall hakt es, die USA und China ziehen Europa und Deutschland davon, es fehlen Geld, Ideen, mehr Tempo? Typische Klagen, die derzeit oft zu hören sind. Zuversicht sei keine Leittugend in Deutschland, sagt Nicola Beer auf dem Frankfurt Finance & Future Summit der Weimer Media Group. Die Vizepräsidentin der Europäische Investitionsbank (EIB). Aber gerade wer Probleme erkenne, sollte auch Möglichkeiten sehen, wie sie gelöst werden könnten. Sie formulierte drei gute Gründe warum Deutschland und Europa zuversichtlich für die Zukunft sein können.

1. Europa ist technologisch stärker als gedacht

Europa sei reich an Zukunftstechnologien, sagt Beer. „Wir sind Weltspitze bei Anlagen für die Chipproduktion, Robotik, Quantentechnologie. Wir haben eine starke industrielle Basis, eine lebhafte Start-up-Szene.“ Europa habe nur eine Problem, wenn aus guten Ideen große Unternehmen werden sollten. Dafür sei viel Geld nötig, wofür der Weg bisher über den Atlantik in die USA führe. „Wir erfinden, andere kaufen und verdienen Millionen oder gar Milliarden“, sagte Beer.

Europa steuert gegen, startete 2023 die European Tech Champions Initiative (ETCI), ein Dachfonds der EIB und der EU-Staaten, der mit staatlichem Geld privates Geld beschaffen und in aussichtsreiche Start-ups lenken sollte. 3,9 Milliarden Euro standen bereit. Gefördert wurden 15 Fonds, die jeweils mehr als eine Milliarde Euro in 50 Unternehmen steckten, darunter sind inzwischen 15 europäische Einhörner, Firmen mit einer Bewertung von umgerechnet mehr als einer Milliarde Dollar.

ETCI 2.0 startete gerade, mit 15 Milliarden Euro staatlichem Geld sollen 80 Milliarden Euro privates Kapital eingesammelt werden. Öffentliches Kapital sei immer noch nötig, sagt Beer. „Wir wollen Brücken bauen.“

2. Europa hat genug Geld

„Europa hat genug Kapital für die Zukunft“, sagt die EIB-Vizepräsidentin. „Wir müssen es nur besser mobilisieren.“ Allein 35 Billionen Euro lägen in Lebensversicherungen und auf Sparkonten. Das Geld lässt sich aber nicht automatisch in Investitionen umlenken. Denn: Die Kapitalmärkte sind fragmentiert, wie Beer sagt. Die Länder denken bei der Finanzierung von Unternehmen noch zu national.“ Von Binnenmarkt keine Spur. Die EIB versuche, die Fragmentierung zu überbrücken. Letztlich hilft aber nur der große Wurf: Die Kapitalmarktunion müsse kommen, sagt die EIB-Vizepräsidentin, damit ein italienisches Unternehmen sich in Frankreich finanzieren lassen könne oder ein deutsches in Polen.

3. Resilienz ist eine Zukunftsinvestition

Lange Jahre haben Europas Unternehmen versucht, Rohstoffe oder Vorprodukte möglichst günstig irgendwo auf der Welt zu kaufen. Energie etwa, Seltene Erden, pharmazeutische Produkte. Heute ist Europa deshalb sehr abhängig von anderen Ländern und Regionen. Das ist risikoreich und teuer, wenn Lieferketten gestört werden, etwa bei Rohstoffen. Die Situation bietet aber aus Beers Sicht auch Chancen.

„Wir können recyceln, ersetzen, neue Partnerwie Kanada oder Australien finden, selbst fördern“, sagt die EIB-Vizepräsidentin. So will das Unternehmen Vulcan Energy im Oberrheingraben aus Thermalwasser Lithium gewinnen, das für Batterien wichtig ist. Die EIB fördert das Projekt. Versorgungssicherheit lasse sich nicht nur staatlich finanzieren, sagt Beer, schließlich gehe es um die Lieferketten der Unternehmen. Privates Geld sei nötig. „Wer morgen eine sichere Lieferkette haben will, muss heute investieren.“ Denn Resilienz sei keine Frage der Krisenabwehr, sondern eine Investition in die Zukunft.

„Wir haben Chancen“, schließt Beer. „Es kommt auf uns alle an. Wir brauchen nur etwas mehr Mut.“

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