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Märkte > TSMC beherrscht den Markt

Taiwan überholt Indien: Wie ein Chipfabrikant das kleine Land zur Börsenmacht macht

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Che-chia Wei, TSMC-Chef, und NVIDIA-Gründer Jensen Huang sitzen nebeneinander in roten Polohemden und lachen in die Kamera. Wei zeigt einen Daumen hoch, Huang ein Herzzeichen.
Che-chia Wei, TSMC-Chef, und NVIDIA-Lenker Jensen Huang beim jährlichen Sports Day von TSMC im November 2025. TSMC macht rund 42 Prozent des taiwanesischen Leitindex aus und hat Indien soeben als fünftgrößten Aktienmarkt der Welt überholt. (Foto: picture alliance / REUTERS | Ann Wang)

Taiwan hat Indien als fünftgrößten Aktienmarkt der Welt überholt. Treiber ist die TSMC-Aktie, die 42 Prozent des Leitindex ausmacht. Was hinter dem Aufstieg steckt und wie Anleger partizipieren können.

NVIDIA macht 8,5 Prozent des S&P 500 aus, dem meistgekauften Aktienindex der Welt. Viele Anleger finden das schon beunruhigend genug. Dabei wirkt diese Zahl geradezu bescheiden verglichen mit dem, was gerade in Taiwan passiert. Dort macht ein einziges Unternehmen, nämlich Taiwan Semiconductor Manufacturing, kurz TSMC, rund 42 Prozent des gesamten Leitindex aus. Das ist kein Klumpenrisiko mehr. Das ist ein Ein-Aktien-Index mit Beiwerk. Und genau dieser konzentrierte Markt hat Indien soeben als fünftgrößten Aktienmarkt der Welt überholt.

Fünftgrößter Aktienmarkt der Welt: Taiwan schiebt sich vor Indien

Die Börsenwoche hat mit einem Tabellenwechsel begonnen. Im Länderranking der größten Aktienmärkte der Welt hat sich Taiwan mit einer Marktkapitalisierung von 4,95 Billionen US-Dollar knapp vor Indien mit 4,92 Billionen geschoben. Taiwan, kaum größer als Baden-Württemberg, ist damit der fünftgrößte Aktienmarkt der Welt, hinter den USA mit fast 78 Billionen, Festlandchina mit rund 15,6 Billionen, Japan mit 8,7 Billionen und Hongkong mit 7,3 Billionen US-Dollar. Zum Vergleich: Deutschland liegt mit knapp über 3 Billionen US-Dollar auf Platz 12.

Leitindex des Inselstaates ist der Taiwan Stock Exchange Capitalization Weighted Stock Index (TAIEX). Dieser hat im bisherigen Jahresverlauf 2026 mehr als 50 Prozent zugelegt und dabei immer wieder neue Rekorde erreicht. Erst zu Beginn dieser Woche wurde ein neuer Höchststand markiert. Maßgeblichen Anteil daran hat die TSMC-Aktie, die seit Jahresbeginn 49 Prozent zugelegt hat und als Schwergewicht die Entwicklung des gesamten taiwanesischen Aktienmarktes prägt. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beträgt inzwischen über 2 Billionen US-Dollar. Und der Kurs ist seit längerem im Aufwärtstrend – aus gutem Grund.

Marktführer ohne Alternative im globalen Chipzeitalter

TSMC dominiert den weltweiten Halbleitermarkt und ist der größte Chiphersteller der Welt. Als Pionier der reinen Auftragsfertigung für Chipentwickler ist der Konzern aus der globalen Produktionskette nicht mehr wegzudenken. Den stärksten Rückenwind liefert derzeit der KI-Boom, und TSMC gehört zu dessen größten Profiteuren. Wer KI betreiben will, braucht Rechenleistung, und an TSMC führt dabei kein Weg vorbei. Die Chips von NVIDIA, AMD, Broadcom, Qualcomm und Apple, über 500 Kunden weltweit, lassen ihre modernsten Halbleiter in den Fertigungsstätten von TSMC herstellen. Der globale Marktanteil liegt bei rund 67 Prozent. Diese marktbeherrschende Stellung und die damit verbundenen Wachstumsaussichten sind die treibende Kraft hinter der Aktie und damit hinter dem gesamten taiwanesischen Aktienmarkt.

Indien verliert den Anschluss an den KI-Zyklus

Auf der anderen Seite steht Indien. Das Land ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt mit über 4 Billionen US-Dollar rund dreimal größer als Taiwan mit knapp 1 Billion US-Dollar, litt in den vergangenen Monaten aber unter Kapitalabflüssen ausländischer Investoren. Verstärkt wurde dieser Trend durch die Schwäche der Rupie, die Anlagen für ausländische Investoren zusätzlich unattraktiv macht. Entscheidender dürfte jedoch sein, dass Indien nicht als Hotspot der KI-Entwicklung wahrgenommen wird. Das Kapital fließt dorthin, wo der KI-Zyklus als Direktinvestition greifbar ist: nach Taiwan oder Südkorea, wo mit SK Hynix und Samsung weitere große Chiphersteller ansässig sind. Indiens Wirtschaft wächst zwar weiter und bleibt eine der dynamischsten der Welt, aber die indische Börse bietet kaum direkte Zugänge zur KI-Infrastruktur. Wer auf den KI-Boom setzen will, findet in Mumbai schlicht nicht das, was er sucht. Fondsmanagerin Yi Ping Liao von Franklin Templeton brachte es gegenüber Bloomberg auf den Punkt: Märkte ohne nennenswerte Exposition gegenüber Tech-Hardware würden zunehmend von Märkten wie Taiwan und Südkorea in den Schatten gestellt.

Neue Regulierung öffnet die Schleusen für Kapitalzuflüsse

Zum KI-getriebenen Kursanstieg kommt ein regulatorischer Rückenwind. Die taiwanesische Finanzaufsicht hat den Höchstanteil angehoben, den inländische Fonds in eine einzelne Aktie investieren dürfen. Fonds, die ausschließlich in taiwanesische Aktien investieren, können künftig bis zu 25 Prozent ihres Nettovermögens in einem einzigen Titel halten, sofern dessen Indexgewichtung über 10 Prozent liegt. Bisher lag die Grenze bei 10 Prozent. Aktuell erfüllt nur TSMC dieses Kriterium. JPMorgan schätzt, dass diese Regeländerung zusätzliche Zuflüsse von mehr als 6 Milliarden US-Dollar nach Taiwan auslösen könnte.

Wie Anleger mit Taiwan-ETFs partizipieren können

Anleger, die mit ETFs auf einen fortgesetzten Aufwärtstrend am taiwanesischen Aktienmarkt setzen möchten, stehen mehrere Produkte zur Verfügung. Das gemessen am verwalteten Fondsvermögen größte Produkt auf dem deutschen Markt ist der iShares MSCI Taiwan ETF (ISIN: IE00B0M63623). Er bildet den MSCI Taiwan 20/35 Index nach, der das Gewicht des größten Unternehmens auf 35 Prozent und das aller weiteren Unternehmen auf 20 Prozent begrenzt. Auch die zwei nächstgrößten Produkte, der Franklin FTSE Taiwan ETF (ISIN: IE000CM02H85) und der Xtrackers MSCI Taiwan ETF (ISIN: LU0292109187), basieren auf Indizes mit Kappungen. Die Gewichtung der TSMC-Aktie wird damit zwar begrenzt, mit Positionsgrößen von über 30 Prozent bleibt der Halbleiterhersteller jedoch das Maß aller Dinge und seine Kursentwicklung hat maßgeblichen Einfluss auf die ETF-Performance.

TSMC ist Zugpferd und Risikofaktor zugleich

Wer in Taiwan investiert, sollte sich über eines im Klaren sein: Dieses Engagement ist im Kern eine Wette auf TSMC und damit auf den anhaltenden KI-Investitionszyklus. Die geopolitische Lage des Inselstaats bildet den dauerhaften Risikorahmen. TSMC reagiert darauf mit dem Aufbau von Produktionsstätten in Arizona und im japanischen Kumamoto, was die Abhängigkeit von einem einzigen Standort langfristig reduziert.

Das Marktranking zeigt exemplarisch, wie konzentriert die globale Kapitalallokation im KI-Zeitalter geworden ist. Ein Inselstaat mit einem BIP von knapp einer Billion US-Dollar überholt die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt an der Börse. Nicht weil Indien schwächer geworden wäre, sondern weil ein einziges Unternehmen die Welt gerade an einem neuralgischen Punkt der Technologiegeschichte hält. Wer NVIDIA als Klumpenrisiko bei breit gestreuten US-Investments betrachtet, sollte die Rolle der TSMC-Aktie bei Anlagen in Taiwan erst recht im Blick behalten. Angesichts ihrer enormen Gewichtung ist sie nicht nur ein Zugpferd bei steigenden Kursen, sondern auch bei fallenden.

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