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Paulaner wächst im schrumpfenden Biermarkt: Das Rezept des Spezi-Booms

| Redaktion Börse am Sonntag | Lesezeit: 4 Min.

Mehrere Paulaner Spezi Flaschen in einem blauen Getränkekasten, die Etiketten mit dem orangefarbenen Paulaner Spezi Logo gut sichtbar.
Paulaner Spezi Flaschen im Kühlregal. Die Paulaner Brauerei steigerte ihren Umsatz 2025 um rund 7 Prozent, das Auslandsgeschäft legte sogar um 9 Prozent zu. (Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON)

Paulaner Spezi boomt in deutschen Städten, der Biermarkt schrumpft. Was steckt hinter dem Wachstum der Schörghuber Gruppe?

Wer dieser Tage in einer deutschen Großstadt ein Café oder eine Bar betritt, stößt immer öfter auf dasselbe Bild: Ein orangefarbenes Glas mit dem Paulaner-Schriftzug, gefüllt mit Spezi. Das Getränk, lange ein bayerisches Lokalphänomen, ist in städtischen Milieus weit über München hinaus angekommen. Dahinter steckt ein Münchner Familienkonzern, der kaum jemand kennt und der gerade in einem schrumpfenden Markt wächst.

Wachstum im schrumpfenden Markt: Was steckt hinter den Zahlen?

Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist seit Jahrzehnten rückläufig, und auch global zeigt die Kurve zuletzt nach unten. Wer in diesem Umfeld wächst, muss irgendetwas richtig machen. Die Paulaner Brauerei, Teil der Münchner Schörghuber Gruppe, hat ihren Umsatz 2025 um rund 7 Prozent gesteigert, im Inland wie im Ausland, bei Bier wie bei Softdrinks. Das Auslandsgeschäft legte sogar um 9 Prozent zu. In China, einem der schwierigsten Biermärkte der Welt, kletterte der Absatz um fast 24 Prozent.

Bier, Lachs und Immobilien: Warum Schörghuber bewusst streut

Schörghuber ist ein Münchner Familienunternehmen, 1954 gegründet, heute in dritter Generation von Florian Schörghuber geführt. Mit einem Jahresumsatz von 1,79 Milliarden Euro und einer Bilanzsumme von knapp 4,9 Milliarden Euro ist es ein größerer Mittelständler. Das Geschäft verteilt sich auf fünf Felder: Immobilienentwicklung, Immobilienbestand, Getränke, Hotels und Seafood. Eine Kombination, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, näher betrachtet jedoch eine klare strategische Logik hat, nämlich eine Streuung über Branchen, deren Geschäftsentwicklung von jeweils unterschiedlichen Faktoren abhängt.

Die Paulaner Brauerei, das bekannteste Gesicht des Konzerns, wird als Joint Venture mit Heineken geführt. Schörghuber hält 70 Prozent und konsolidiert den Anteil nach der Equity-Methode. Das bedeutet: Im ausgewiesenen Konzernumsatz taucht Paulaner nicht vollständig auf, obwohl die Brauerei nach Angaben des Unternehmens der größte Wachstumstreiber der gesamten Gruppe ist.

Warum Paulaner Spezi vom Lokalgetränk zum Exportprodukt wird

Dass Paulaner in einem schrumpfenden Markt zulegt, ist bemerkenswert, aber auch gut begründbar. Die Brauerei ist in über 80 internationalen Märkten aktiv und hat sich in den vergangenen Jahren konsequent auf Premium- und Spezialsegmente konzentriert, also auf Bereiche, die auch dann wachsen, wenn der Gesamtmarkt stagniert. Besonders fallen die Softdrinks ins Auge: Paulaner Spezi erlebt seit einigen Jahren einen Popularitätsschub in Deutschland, getragen von einem breiteren Trend weg vom Alkohol, vor allem bei jüngeren Konsumenten. Was lange als bayerisches Lokalgetränk galt, ist inzwischen in städtischen Milieus weit über München hinaus angekommen. Das Unternehmen setzt bewusst auf dieses Momentum und nutzt es: Für 2026 ist der Markteintritt von Paulaner Spezi in Italien, Frankreich, Spanien und der Schweiz geplant. Die Internationalisierungsstrategie basiert damit auf dem Erfolg im Heimatmarkt.

Fisch aus Chile, Zölle aus Washington

Weniger bekannt als Paulaner, aber ebenfalls ein Wachstumsträger ist Ventisqueros, die chilenische Lachszucht der Schörghuber Gruppe. Das Unternehmen steigerte seinen Umsatz 2025 um rund 9 Prozent, angetrieben vor allem vom US-Markt, wo der Umsatz um 30 Prozent auf rund 122 Millionen US-Dollar zulegte. Allerdings machten sich die US-Zölle im Gewinn bemerkbar: Die Mehraufwendungen durch die amerikanische Zollpolitik belasteten das Ergebnis der gesamten Gruppe nach Unternehmensangaben im zweistelligen Millionenbereich. 

Immobilienflaute in München, Markteintritt in London

Während das internationale Geschäft wächst, zeigt die Immobilienseite ein differenzierteres Bild. Die Entwicklungssparte, die Bayerische Hausbau Development, hatte 2025 ein schwieriges Jahr. Umsatz und Ertrag waren rückläufig, was das Konzernergebnis spürbar beeinflusst hat. Der Immobilienentwicklungsmarkt in Deutschland steckt nach wie vor in einer strukturellen Schwächephase, geprägt von hohen Baukosten, gestiegenen Zinsen und schwacher Nachfrage. Schörghuber ist davon nicht ausgenommen. Im Frühjahr 2026 startete immerhin der erste Bauabschnitt des Projekts Parkside Lerchenauer Feld in München mit 165 von geplanten 550 Wohnungen.

Die Bayerische Hausbau Real Estate, der Bestandshalter der Gruppe, hat unterdessen einen neuen strategischen Schritt vollzogen: Anfang 2026 wurde der Erwerb eines Gewerbeobjekts in London abgeschlossen, der erste Markteintritt des Unternehmens in die britische Hauptstadt. Das markiert für eine bislang stark auf den Münchner Markt fokussierte Gesellschaft den Einstieg in eine breitere europäische Ausrichtung.

Auch die Hotelsparte Arabella Hospitality richtet den Blick nach außen: Mit einem ersten Managementvertrag auf Ibiza steigt die Gruppe ins Hotelmanagement für Dritte ein, also den Betrieb von Hotels unter fremdem Namen, und will künftig vor allem in Spanien und Italien wachsen.

Paulaner wächst, die Immobilien schwächeln: Die Streuung gleicht es aus

Was bleibt unter dem Strich? Die Gesamtzahlen für 2025 sind ordentlich, aber nicht spektakulär. Der Umsatz stieg bereinigt um Sondereffekte um 4 Prozent, das EBITDA um knapp 2 Prozent. Die Eigenkapitalquote blieb mit 47,4 Prozent auf hohem Niveau, was auf eine konservative Finanzierungsstruktur hindeutet. Das Investitionsvolumen von rund 211 Millionen Euro lag annähernd auf dem Niveau des Vorjahres, auch das ein Zeichen für Kontinuität.

Was die Bilanz vor allem zeigt: Die Diversifizierung zahlt sich aus. Während die Immobilienentwicklung schwächelt, wachsen Paulaner und Ventisqueros.

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