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Schwellenländer nicht aus den Augen verlieren!

Markus Weis, GSAM (Bild: GSAM)

Thailand: in mancher Hinsicht erstrebenswert (Bild: Fotolia / Siamphoto)


Nach einem turbulenten letzten Jahr stehen Investoren auch in 2016 wieder vor politischen Entscheidungen und ungelösten geopolitischen Herausforderungen. Die Märkte sind unter dem Eindruck des niedrigen Ölpreises sowie der schwächelnden Schwellenländer, insbesondere Chinas, sehr volatil ins neue Jahr gestartet. Wann lohnt der Einstieg?

Von Markus Weis

Nach der Abkühlung im vergangenen Jahr bleibt nun abzuwarten, ob das globale Wirtschaftswachstum in 2016 wieder leicht steigen wird, wie es zu Beginn des Jahres noch erwartet worden war. Die Zentralbanken werden jedenfalls weiter an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten: Die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan könnten infolge der unter den Zielwerten liegenden Inflationsraten die Zinsen in der zweiten Jahreshälfte weiter senken. Auch bei der amerikanischen Zentralbank Fed wird man sich die nächsten Schritte nach der Zinswende Ende des vergangenen Jahres genau überlegen. In China bleibt eine erneute Abwertung des Yuan wahrscheinlich.

Die niedrigen Renditen werden auch dieses Jahr die Märkte weiter prägen. Aktien bleiben trotz der Kursschwankungen zum Jahresauftakt unsere erste Wahl, da sie auf lange Sicht besser abschneiden werden als andere Anlageklassen. Eine Renditeentwicklung prognostizieren zu wollen, käme allerdings dem Versuch einer weltweiten Wettervorhersage gleich. Trotz der erwarteten geringeren Renditen und des eher trägen Makroumfelds bieten bestimmte Einzeltitel durchaus ein differenziertes Outperformance-Potential gegenüber dem breiten Marktdurchschnitt.

In Europa sind für uns besonders jene Unternehmen von Interesse, die stärker von der Erholung am europäischen Markt abhängen und weniger von den Emerging Markets. Europäische Aktien könnten davon profitieren, dass am heimischen Markt das Gewinnwachstum erneut aufholt. Das wäre bereits bei einer nur mäßigen Zunahme des Wirtschaftswachstums möglich. Zwar steht die wirtschaftliche Erholung in der Eurozone noch am Anfang, doch die Bilanzen europäischer Unternehmen sind kerngesund und der M&A-Bereich entwickelt sich weiterhin gut. Uns ist jedoch bewusst, dass immer noch über 30 Prozent der europäischen Unternehmen ihre Umsätze in den Schwellenländern erzielen.

Bei den Emerging Markets hängt die makroökonomische Entwicklung sowohl von heimischen Faktoren als auch von externen Einflüssen ab. Dazu zählen derzeit vor allem das sich verlangsamende Wachstum Chinas sowie der niedrige Ölpreis. Doch nicht für alle Schwellenländer sind die niedrigen Ölpreise negativ. Ölimporteure wie Indien und Korea profitieren enorm, während Brasilien und Russland unter Druck geraten sind.

Auch wenn nicht für alle Schwellenländer die Aussichten derzeit so positiv sind, bleiben wir dennoch in den Emerging Markets investiert, denn auch hier bieten sich  überzeugende Anlagechancen. Investoren können sich gerade jetzt in den Schwellenländern gut für jenen Zeitpunkt positionieren, an dem die dortigen Aktienmärkte wieder an Fahrt gewinnen. Und dies passiert für gewöhnlich, noch bevor sich das wirtschaftliche Umfeld erholt.

Markus Weis ist Leiter Drittvertrieb für Deutschland & Österreich bei Goldman Sachs Asset Management.

23.02.2016 | 11:26

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