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Aufstieg in den DAX – Covestro jetzt Anlegers Liebling?

(Bild: Covestro)


Am 19. März setzt die Deutsche Börse ihre Indizes mal wieder neu zusammen. Teils ergeben sich deutliche Veränderungen, vor allem der Covestro-Aufstieg in den Dax sorgt für Aufsehen. Die letzten Jahreszahlen des Kunststoff-Konzerns waren hervorragend, der Ausblick für 2018 mindestens gut, und der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang 2015 mehr als verdreifacht. Unter Analysten gelten weitere Kursgewinne als wahrscheinlich.

Die Covestro-Aktie schafft den Sprung in Deutschlands Leitindex! Und das deutlich früher als gedacht. Wie die Deutsche Börse zu Wochenbeginn bekannt gab, wird der Anteilsschein der Leverkusener ab dem 19. März im Dax gelistet sein. Die ProSieben.Sat1-Aktie dagegen muss den Gang in den MDax antreten. Analysten hatten ursprünglich erst für kommenden September mit einer DAX-Notierung von Covestro gerechnet.

Nun aber kommt sie schon im Frühjahr, und ein Blick auf die jüngste Kursentwicklung zeigt: Anleger freut’s. Im Zuge eines nach dem abermaligen Kursrutsch an den beiden ersten Handelstagen im März zum Beginn der Woche wieder freundlicheren Gesamtmarktes sprang der Kurs des Papiers zwischenzeitlich um knapp sechs Prozent auf 90,98 Euro in die Höhe. Damit gehörte die Covestro-Aktie klar zu den Gewinnern im MDax und holte einen großen Teil ihrer vorherigen Verluste wieder auf. Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit übrigens. Denn schon nach dem ersten größeren Kursbeben Mitte Februar, war es das Covestro-Papier gewesen, das sich vergleichsweise schnell erholt und sogar sein im Januar aufgestelltes Rekordhoch bei 95 Euro nur knapp verpasst hatte. So hat die Aktie bei beiden Crashs eine resolute Gegenbewegung gezeigt. Es scheint, als wäre ein Covestro-Anteilsschein derzeit eine äußert beliebte Anlageidee am Markt. Ja, beinahe wirkt es so, als würden die Käufer Schlange stehen und zugreifen, sobald sich der Kurs eine Schwäche erlaubt.

Besonders verwunderlich wäre das nicht. Schließlich hat der Chemie-Konzern bislang eine äußerst erfolgreiche Performance aufs Börsenparkett gezaubert. Als der Pharma-Riese Bayer damals seine Kunststoff-Sparte eigenständig werden ließ und an die Börse brachte, waren die Anteilsscheine 26,20 Euro wert. Nun, nicht einmal drei Jahre später, kosten sie über 90 Euro.

Marktkonstellation spricht für Covestro

Dass es an der Börse für die Leverkusener so hervorragend läuft, liegt zunächst einmal vor allem und ganz einfach an einer sehr guten Geschäftsentwicklung. Mitte Februar gab Covestro die Zahlen für 2017 bekannt und überraschte nicht nur Analysten positiv. Die Umsätze nämlich stiegen um 19 Prozent auf 14,1 Milliarden Euro, der Gewinn kletterte unterm Strich sogar um 168 Prozent auf zwei Milliarden Euro in die Höhe. Hier kam dem Konzern allerdings auch ein Einmaleffekt im Zuge der US-Steuerreform zu Gute. Doch selbst das Ebitda, sprich das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, stieg um 70 Prozent auf insgesamt 3,4 Milliarden Euro. Vor allem im Bereich der Hart- und Weichschäume für die Automobilindustrie und die Baubranche  lief es gut. Und auch im Sektor der harten Kunststoffe konnte man deutliche Zuwächse verzeichnen. „Gegenüber dem ersten Jahr als eigenständiges Unternehmen haben wir noch einmal klar zugelegt und gezeigt, dass unser Erfolg nachhaltig ist“,  freute sich Covestro-Chef Patrick Thomas.

Der Kunststoff-Spezialist profitierte 2017 nicht zuletzt von einer äußerst günstigen Marktkonstellation. Zum einen lief der weltweite Konjunkturmotor mit hoher Drehzahl, zum anderen ließen Produktionsengpässe der Konkurrenz Nachfrager vermehrt bei dem DAX-Neuling einkaufen. Im laufenden Jahr allerdings dürften die Karten allmählich neu gemischt werden, weshalb Thomas für 2018 mit keiner weiteren Ergebnis-Steigerung rechnet. Doch schafft man es allein das Niveau des vergangenen Jahres zu halten, es wäre ein großer Erfolg. Citigroup-Analyst Andrew Benson ist einer von wenigen, der nicht daran glaubt. Er rät mit einem Kursziel von 80 Euro zu Gewinnmitnahmen. Er bezweifle, dass Covestro die Profitabilität von 2017 noch einmal erreichen könne. Die Kapazitäten am Markt dürften deutlich steigen und die Margen verwässern.

Die Analysten-Mehrheit jedoch geht von einer weiterhin starken Performance aus und hob ihre Kursziele noch einmal an. Die DZ Bank rechnet in Zukunft mit 122, das Analysehaus Kepler Cheuvreux mit 120 Euro. Auch JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi glaubt an den Kunststoff-Konzern. Die Aktie des DAX-Aufsteigers gehöre für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont zu den Top-Picks der Branche. Mit Blick auf Covestros Kernprodukte sei das Preisumfeld weiterhin und unverändert günstig.

Hat die Chemie-Aktie das Zeug zum Anlegerliebling?

Mit Blick auf die letzten Zahlen, Ja. Davon ausgehend kommt die Aktie derzeit nämlich auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zirka neun. Im Branchenvergleich ist das Covestro-Papier damit günstig bewertet. Zudem erhöhten die Chemie-Spezialisten für 2017 die Dividende um 63 Prozent auf 2,20 Euro. Damit liegt die Dividendenrendite bei ordentlichen 2,3 Prozent. Seit November kauft Covestro außerdem im größeren Stil eigene Aktien zurück. Bislang vier Millionen im Wert von knapp 350 Millionen Euro. Insgesamt will man bis Mitte 2019 zirka zehn Prozent des Grundkapitals im Wert von 1,5 Milliarden Euro halten. Des Weiteren dürfte der Aufstieg in den Dax für mehr Aufmerksamkeit, auch unter internationalen Investoren, sorgen.

Der realwirtschliche Ausblick zudem, gestaltet sich positiv. Covestro glaubt sich sowohl als Profiteur der weltweiten Fahrzeug-Elektrifizierung, wie auch der modernen Bauindustrie. Schon jetzt ist man außerdem Weltmarktführer bei der Herstellung von Polycarbonat und Polyurethan, beides zeitgleich die wichtigsten Geschäftsfelder für Covestro. Auf der Suche ist man weiterhin auch nach ergänzenden Übernahmekandidaten. Trifft man hier mit Bedacht kluge Entscheidungen für die Zukunft, könnte auch das den Aktienkurs in die Höhe treiben.

Covestro präsentiert sich als kerngesundes Unternehmen mit sehr guter Markpositionierung und nicht zuletzt genauso ertragsstark, wie Monsanto. Ob das bei dem Pharmakonzerne Bayer manch einen zum Nachdenken bringt? Im Zuge der 50 Milliarden Euro schweren Übernahme des US-Saatgutherstellers hat man sich dort nämlich von einem Großteil seiner Covestro-Anteile getrennt. Langfristig will man komplett aussteigen. Wenn das mal nicht nach hinten losgeht. Anlegern kann das egal sein, Covestro steht ohne Bayer so gut da, wie nie zuvor.

08.03.2018 | 20:28

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