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BASF-Aktie: Warum Anleger auf die Zukunft schauen sollten

BASF in der Ergebniskrise. Doch der Blick in die Zukunft macht Mut. (Foto: Thorsten Frisch / shutterstock.com)


Chemiegigant BASF brechen  im neuen Jahr weiter die Gewinne weg. Die Aktie fällt um acht Prozent. Analysten jedoch werden optimistischer, denn Vorstandschef Martin Brudermüller hält an den Jahreszielen fest und sieht seinen Konzern in einer „ausgezeichneten Startposition“.

Ein besonders ermutigendes Bild gibt der größte Chemiekonzern der Welt derzeit nicht ab. Weder an der Börse, noch mit Blick aufs reale Geschäft. So ging im vergangenen Jahr nicht nur der Gewinn um satte 20 Prozent zurück, auch der Kurs der eigenen Aktie gab mit einem Minus von 34 Prozent kräftig nach. Mit dem Start ins neue Jahr begann der immerhin damit sich zu erholen, stieg von rund 60 auf bis zu 74,50 Euro an. Dann jedoch veröffentlichten sie bei BASF am Freitag der vergangenen Woche die Zahlen zum ersten Quartal. Und damit einen erneuten Gewinnrückgang von 24 Prozent in drei Monaten. Die Aktie drehte auf ihrem Chartbild wieder gen Süden ab und verlor fast elf Prozent an Wert. 66,70 Euro kostet das BASF-Papier damit für den Moment. Auf Dreijahressicht stehen die Anteilsscheine des Chemieriesen mit drei Prozent im Minus, auf Fünfjahressicht mit 20 Prozent. Das Rekordhoch aus dem Januar 2018 bei knapp 98 Euro liegt in weiter Ferne. Ein gelungener Start ins neue Jahr sieht wahrlich anders aus. Vor allem auch, da sich der Dax in Top-Form präsentiert und 2019 bereits mit über 16 Prozent im Plus liegt. Und auf Fünfjahressicht mit einer Wertsteigerung von 27 Prozent ohnehin deutlich besser performt hat, als das BASF-Papier.

Preisverfall bei Grundprodukten

Ähnlich wie den eigenen Konkurrenten, setzt den Ludwigshafenern ein schwaches Geschäft mit ihren Grundprodukten zu. So verringerte sich das Ebit der Kunststoff-Sparte, intern „Materials“ genannt, im ersten Quartal des laufenden Jahres um 60 Prozent auf nur noch 321 Millionen Euro. Der Chemicals-Bereich musste Gewinneinbußen in Höhe von rund 30 Prozent auf 300 Millionen Euro hinnehmen. Vor allem der Preisverfall, zuvorderst bei Polyurethan-Kunststoffen, lässt die Margen sinken. Hinzu kommt die sich abschwächende Konjunktur, die wiederum den Automobilsektor und seine Zulieferer belastet, zu denen auch die großen Chemiefirmen gehören. Und auch der weiterhin vor sich hin schwelende Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt aufs Ergebnis, da viele Kunden versuchen die Entwicklungen abzuwarten und damit vorsichtiger einkaufen. Insgesamt verschlechterte sich das Betriebsergebnis trotz positiver Währungseinflüsse um 22 Prozent auf 1,76 Milliarden Euro. Vor Sondereinflüssen ging es sogar um die bereits erwähnten 24 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro nach unten. Der Nettogewinn gab um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro nach. Der operative Cashflow verschlechterte sich um rund 75 Prozent auf 373 Millionen Euro, der Free Cash-Flow lag mit 368 Millionen Euro im Minus. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres stand er noch mit 600 Millionen Euro im Plus. Die Nettoverschuldung stieg so insgesamt an, auf 19,4 Milliarden Euro.

Agrarchemie stark

Analysten jedoch hatten die Zahlen in etwa so erwartet, in Teilen sogar Schlimmeres befürchtet. Im Gegensatz zu den Anlegern, die den Konzern spürbar abstraften, hoben einige von ihnen ihre Kursziele an. Laurence Alexander vom Analysehaus Jefferies beispielsweise von 64 auf 69 Euro. Seine Einstufung beließ er aber auf „Hold“. Berenberg-Analyst Sebastian Bray empfiehlt die BASF-Aktie dagegen zum Kauf und hob sein Kursziel von 72 auf 79 Euro an. Der Produktmix sei vorteilhafter geworden, schrieb Bray. In den drei Segmenten Industrielösungen, Ernährung und Pflege habe der Konzern die Schätzungen übertroffen. In der Industrielösungs-Sparte stieg der Betriebsgewinn deutlich um 64 Prozent auf 407 Millionen Euro. Stark lief es darüber hinaus im Bereich der Agrarchemie. Hier hat BASF 2018 die Aktivitäten von Bayer übernommen, die die Leverkusener im Zuge der Monsanto-Übernahme aus kartellrechtlichen Gründen hatten abgeben müssen. Ein profitabler Zukauf, wie es scheint. Der Umsatz in der Sparte stieg im ersten Quartal um 50 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn kletterte um 85 Prozent auf 772 Millionen Euro. Und das, obwohl der Absatz um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückging.

Und auch wenn neben diesen Lichtblicken ein Anstieg des Konzernumsatzes von drei Prozent auf 16,2 Milliarden Euro BASF weiter auf moderatem Wachstumskurs hält, müssen sie in Ludwigshafen bald mehr liefern, wenn sie nicht den Groll der Aktionäre auf sich ziehen wollen. Die BASF-Aktie war noch nie bekannt für ausufernde Kurssteigerungen, was auch daran lag, dass die Deutschen ihr Geschäftsmodell stets an einer längeren Perspektive auszurichten versuchten. Grundsolide wachsen, nicht über den eigenen Verhältnissen leben, das war schon immer das zentrale Mantra des Global Players und ist es auch noch heute. Und ist damit vor allem auch das, was Anlegern Mut machen sollte für die Zukunft. Bei BASF nämlich befindet man sich längst im Umbruch, sieht sich dabei momentan schlicht in einer Ergebniskrise, und blickt auffallend frohsinnig nach vorn. Ebenso, wie die Analysten: Der Ausblick sei intakt, schreibt Jefferies-Experte Alexander. Er rechne damit, dass die Anstrengungen von Martin Brudermüller ab Jahreshälfte zwei sichtbarer werden, sagt Deutsche Bank-Analyst Tom Jones. Das Management scheine Licht am Ende des Tunnels zu sehen, freut sich Gunter Zechmann von Bernstein Research.

Jahresziele unverändert, günstige Einstiegsgelegenheit

Heißt in den Worten von Vorstandschef Brudermüller selbst: „Wir werden 2019 als Jahr des Übergangs erfolgreich meistern und uns danach in einer ausgezeichneten Startposition für profitables und nachhaltiges Wachstum befinden.“ In Zahlen: 2019 mit einer leichten Steigerung des Betriebsergebnisses zwischen einem und zehn Prozent abschließen. Und den Umsatz ebenfalls leicht über das Vorjahresniveau von 62,7 Milliarden Euro hieven.

Klappt das und klappt dazu die Neuaufstellung – zu der neben Verkäufen der Pigment- und Bauchemiesparten und der bereits abgeschlossenen Fusion von Tochter Wintershall mit Rivale DEA, auch neue Zukäufe im Agrarsektor gehören könnten, sowie freilich einige grundlegende Spar- und Verschlankungsmaßnahmen, könnte die Aktie langfristig wieder Fahrt aufnehmen. Zudem versprechen die Spezialchemiesparten noch einiges an Ergebnispotenzial. Wer daran glaubt, hat jetzt eine günstige Einstiegschance. Das KGV der Aktie lag gemessen an den 2018er-Ergebnissen jüngst bei 11,8. Hinzu kommt eine ordentliche Dividende von 3,20 Euro je Papier. Das sind dann vielleicht doch ganz ermutigende Zahlen und Aussichten.  

Oliver Götz

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08.05.2019 | 18:44

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