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DEAG: Klassik-Sparte im Rampenlicht


Der Konzertveranstalter DEAG Deutsche Entertainment AG hofft darauf, dass bekannte Namen, wie die britischen Rock-Urgesteine Deep Purple, die Pop-Punker Greenday, der Schlagerstar Howard Carpendale, die katalanische Sopran-Diva Montserrat Caballé oder der chinesische Pianist Lang Lang das Publikum in die Konzerthallen locken.

Für zahlreiche Größen aus Pop, Rock, Volksmusik und Klassik organisiert das Berliner Unternehmen Auftritte, Veranstaltungen und Tourneen. Unternehmensgründer Peter Schwenkow arbeitet seit vielen Jahren in der Kultur- und Konzertbranche und kennt sich damit bestens aus. 1978 gründete er zunächst eine eigene Konzertagentur, 1995 rief er schließlich die DEAG Deutsche Entertainment AG ins Leben, die seit 1998 an der Börse notiert und auch in England und der Schweiz aktiv ist. Mit DEAG Music gibt es inzwischen auch ein eigenes Plattenlabel, auf dem unter anderem der Soundtrack zum Horst-Schlämmer- Kinofilm veröffentlicht wurde – den Angaben zufolge mit nur drei Songs der kürzeste Soundtrack der Welt.

Aber auch der Violonist David Garrett veröffentlicht seine Werke auf DEAG Music. Der Geschäftsbereich Live Touring, zu dem diverse Tochtergesellschaften gehören, konzentriert sich auf Tourneen. Zum Segment Entertainment Services gehören sämtliche Dienstleistungen und Aktivitäten von regionalen Veranstaltern, unter anderem in Hamburg, München und Frankfurt. Zeitweise gehörten auch Musicals zum Repertoire von DEAG. Im Frühjahr 2000 wurden nämlich Teile des Musical-Veranstalters Stella übernommen, der Publikumserfolge wie Cats, Tanz der Vampire oder Starlight Express auf deutsche Bühnen brachte. Doch der Ausflug ins Musical-Fach wurde zum Drama: Stella war schon zum Zeitpunkt des DEAG-Einstiegs in Schwierigkeiten und hatte 1999 Insolvenz anmelden müssen. Doch die geplante Sanierung gelang nicht. Einige Produktionen zogen offenbar nicht genug Publikum ins Theater, was die Inszenierungen unprofitabel machte, zudem drängten auch Mitbewerber auf den Markt. Die Beteiligung stürzte DEAG in die roten Zahlen. Nach nur zwei Jahren fiel dann im Februar 2002 der letzte Vorhang für Stella bei DEAG: Die Berliner gaben den Ausstieg bekannt, nachdem die Stella-Tochter Broadway Musical Management (BMM) Insolvenz angemeldet hatte.

Applaus für Sony-Einstieg

Bei DEAG konzentrierte man sich nach dem Ausstieg wieder auf die eigentlichen Stärken. Vor allem das Engagement im als margenstark geltenden Klassik-Bereich wurde immer mehr ausgebaut. Das blieb sogar dem japanischen Konzern Sony nicht verborgen, der sich im Juli 2009 mit 49 Prozent an DEAGs Klassik-Tochter beteiligte. Das sorgte für großes Aufsehen. Nach Einschätzung von DEAG-Chef Schwenkow hat das Unternehmen das Potenzial, zum Marktführer bei Klassik-Veranstaltungen aufzusteigen. Auch der Aktienmarkt reagierte mit Applaus, da sich mit dem weltweit aktiven Entertainment-Riesen an der Seite DEAGs neue Wachstumsperspektiven eröffnen könnten.

Zudem wurde offenbar auch eine Turnaround-Chance gewittert. Das Jahr 2008 hatte DEAG nämlich kräftige Verluste beschert. Unprofitable Bereiche wurden verkauft, was zu einem Verlust vor Minderheiten in Höhe von 10,1 Mio. Euro führte, nach 2,5 Mio. im Vorjahr. Nach einem positiven Start ins Jahr 2009 setzte sich der positive Trend auch im zweiten Quartal fort, nicht zuletzt dank erfolgreicher Tourneen von Peter Maffay und David Garrett. Der Umsatz legte im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11,7% auf 57 Mio. Euro zu. Sowohl EBIT als auch EBITDA gingen zwar zurück, dennoch wurde die Prognose bekräftigt. Demnach will DEAG einen positiven Jahresüberschuss sowie ein operatives Ergebnis über Vorjahr erreichen. Highlights in der zweiten Jahreshälfte, wie neue Veröffentlichungen von David Garrett und die Abschiedstournee der Tanzshow Riverdance sollen dazu beitragen.

21.10.2009 | 00:00

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