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Ifo-Prognose: deutlicher Dämpfer!

An den Werkbänken geht es nicht ganz so schnell vorwärts wie erwartet... (Bild: Porsche)


Das Münchner Ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für Deutschland deutlich heruntergesetzt. Für das laufende Jahr erwarten die Forscher nur noch 1,8 Prozent Wachstum; im Frühjahr 2018 hatten sie noch mit 2,6 Prozent gerechnet. Warum dieser Pessimismus?

 

Für das laufende Jahr haben die für ihre Exaktheit bekannten Prognostiker aus München um satte 30 Prozent zusammengestrichen. Doch damit nicht genug: Für das kommende Jahr sagen sie ebenfalls nur noch 1,8 Prozent voraus, zuvor waren es 2,1 Prozent. „Die Wirtschaft hat sich in den ersten Monaten des Jahres deutlich schlechter entwickelt als gedacht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist zurückgegangen und die weltwirtschaftlichen Risiken haben deutlich zugenommen“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Gleichwohl glauben wir, dass sich der deutsche Aufschwung fortsetzt, wenn auch nicht in demselben Tempo wie 2017.“

Doch das Prognosen-Minus von knapp einem Drittel illustriert harte Fakten. Am deutschen Konjunkturhimmel brauen sich derzeit kräftige Gewitterwolken zusammen. Immerhin soll die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken, und zwar von 2,5 Millionen im vergangenen Jahr auf 2,3 Millionen im laufenden und auf 2,2 Millionen im kommenden Jahr. In Prozent der Beschäftigten ausgedrückt sind das 5,7, dann 5,2 und schließlich 4,9 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte neue Rekorde erzielen von aktuell 44,3 Millionen auf über 44,8 Millionen in diesem auf 45,2 Millionen im kommenden Jahr steigen. Das ist angesichts der schrumpfenden Wachstumsprognosen ein gutes Signal.

Die privaten Konsumausgaben bleiben indes von den Fährnissen der weltweiten Wirtschaftsabkühlung – zum Beispiel durch Strafzinsen – nicht ganz unberührt. Sie werden 2018 nur um 1,3 Prozent steigen, aber im kommenden Jahr doch wieder um 1,8 Prozent, glaubt man den Ifo-Experten. Die Konsumausgaben des Staates steigen demnach um glatt ein Prozent in diesem und um 1,9 Prozent im kommenden Jahr. Und was donald trump kaum ohne hochgezogene Augenbrauen zur kenntnis nehmen wird: Die deutschen Exporte werden 2018 um glatt drei und 2019 um 4,1 Prozent steigen – daher wohl auch die günstige Prognose für den Beschäftigungsmarkt. Der Überschuss des Staates könnte bei 38 Milliarden Euro in diesem und bei 37,7 Milliarden im kommenden Jahr leigen. Und der viel kritisierte Überschuss der Leistungsbilanz wird sich für den Fall, dass die Prognosen eintreffen, auf 267 und 268 Milliarden Euro einpendeln.

Immerhin verringert sich damit der Überschuss in Relation zum Bruttoinlandsprodukt von 7,9 auf 7,6 Prozent. Ob das den US-Präsidenten beruhigt? Das ist ungewiss – vielleicht ist es aber auch nicht von entscheidender Bedeutung. Auch Ökonomen lernen schließlich, mit veränderten Gebräuchen in der Diplomatie zu leben. ifo/sig

20.06.2018 | 20:14

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