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iglo - Klassiker aus der Tiefkühltruhe


2002 wurde der Werbe-Seemann zwar in Rente geschickt, zumindest was TV-Spots angeht, doch für die Markteinführung einer neuen Fischstäbchen-Variante durfte der weißbärtige Seemann kürzlich noch einmal in einem Fernsehspot die Anker lichten. Die Fischstäbchen, die auf Käpt’n iglos Schiff serviert wurden, sind echte Klassiker im üppigen Tiefkühlangebot des Unternehmens iglo. Weitere Kultprodukte mit langer Tradition auf deutschen Tellern: Das 1969 auf den Markt gebrachte Schlemmerfilet sowie Rahmspinat, den es seit 1961 gibt und für den Verona Feldbusch eine Zeit lang in der Werbung den Kochlöffel schwang. Wem es in der Küche an Zeit, Lust oder Talent fehlt, den kann der Griff in die Tiefkühltruhe vor dem Verhungern retten. Fischfilets, Meeresfrüchte, Fleisch, Geflügel, Pasta, Gemüse, komplette Fertigmenüs und vieles mehr lassen so schnell keine Langeweile aufkommen und gelingen meistens sogar völlig talentfreien Koch-Versagern. Denn die Flut an Kochshows im Fernsehen macht noch lange nicht jeden zum Sternekoch. Und im Alltag fehlt vielen die Zeit, um Fisch, Obst oder Gemüse frisch auf dem Markt zu kaufen. Bewusste, ausgewogene Ernährung muss deswegen aber trotzdem nicht auf der Strecke bleiben: iglo bemüht sich darum, gegen das ungesunde Image von Tiefkühlware anzukämpfen und betont die hohe Qualität der Produkte, die schonende Zubereitung und den Verzicht auf Farb- und Aromastoffe. Auch auf nachhaltige Landwirtschaft und bestandserhaltende Fischerei wird bei iglo geachtet.

Neue Mannschaft am Ruder

iglo ist Teil von Birds Eye iglo Group. Das Unternehmen versorgt insgesamt elf europäische Länder mit Tiefkühlkost und ist in Großbritannien und Irland unter dem Namen Birds Eye bekannt. Die deutsche Hauptverwaltung befindet sich in Hamburg, daneben existieren Werke im münsterländischen Reken und in Bremerhaven, wo neben anderen Fischprodukten auch die berühmten Fischstäbchen hergestellt werden. Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück in die 1930er-Jahre, als der britisch-niederländische Unilever-Konzern über die deutschen Firmen Solo Feinfrost und Nordsee mit der Produktion von tiefgekühlten Lebensmitteln begann. 1961 erfolgte die Umbenennung von Solo Feinfrost in iglo, weil man unter diesem Markennamen schon in den Niederlanden bekannt war. Iglo ist niederländisch und steht für Iglu, die Schneehütte. Zwei Jahre später kam es zur Fusion mit der Speiseeis- Firma Langnese, ebenfalls ein Unilever-Unternehmen. Die Firma hieß nun Langnese-iglo GmbH und wurde 2005 Bestandteil der Unilever Deutschland GmbH. Doch schon ein Jahr später war Unilever wegen nicht erreichter Renditeziele und der wachsenden Konkurrenz der preiswerteren Handelsmarken der Appetit an Fischstäbchen und anderen Kultprodukten vergangen: Käpt’n iglo wurde von Bord geschickt. Der Bereich Tiefkühlkost wurde ausgegliedert, anschließend wurde iglo sowie die britische Marke Birds Eye für 1,725 Mrd. Euro an den Finanzinvestor Permira verkauft. Ziel der neuen iglo-Eigentümer war es, den Umsatz der Firmengruppe innerhalb der kommenden Jahre von etwa 1,2 Mrd. Euro auf bis zu 2 Mrd. Euro zu steigern. Unter anderem wurde der Marke eine Verjüngungskur verordnet. Permira bediente übrigens das Klischee der gefräßigen „Heuschrecke“, als die Private-Equity- Gesellschaft nach dem Einstieg bei HUGO BOSS im Jahr 2007 eine üppige Sonderdividende forderte. Bei iglo zügelte Permira allerdings offenbar den Appetit. So blieb die Zahl der Beschäftigten in Deutschland nahezu konstant. Dank etlicher neuer Produkte mit Betonung des Gesundheitsaspekts konnte iglo das Revier in deutschen Tiefkühltruhen behaupten. Bei Gemüse und Fisch ist das Unternehmen nach eigenen Angaben führend auf dem deutschen Markt.

 

03.11.2009 | 00:00

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