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Koziol: Design aus dem Odenwald


Bunt, fröhlich, formschön und trotzdem praktisch – Koziol-Produkte verschönern den Haushalt oder bringen Farbe in den Büroalltag. Das reicht vom Teelicht und Schlüsselanhänger über die Salatschüssel, den Papierkorb und den Büroklammerhalter bis hin zu Deckenlampe und Wanduhr. Sogar ein Vogelfutterhaus ist zu haben. Alle Produkte sind aus Kunststoff und werden nur in Deutschland hergestellt, angefangen bei der Idee über den Bau der ersten Modelle bis hin zur Produktion und dem Versand. Die Produkte sollen dennoch erschwinglich bleiben, auch wenn beispielsweise ein Zahnputzbecher von Koziol teurer ist als ein Billigprodukt aus dem Drogeriemarkt. Bei den Entwürfen arbeitet das Unternehmen aus dem Odenwald mit Designern von München über London und Mailand bis New York zusammen. Wichtig ist, dass die Produkte für gute Laune sorgen, originell sind und sich beim Berühren gut anfühlen. Bereits mehrfach wurde das Design von Koziol mit wichtigen internationalen Preisen ausgezeichnet. Nicht nur Aussehen und Funktionalität zählen. Es wird auch darauf geachtet, dass Materialien, Farben und Herstellverfahren höchsten Umweltstandards genügen und natürliche Ressourcen möglichst geschont werden. Dazu gehört unter anderem, dass sogenannte thermoplastische Kunststoffe verwendet werden. Nach Unternehmensangaben entstehen bei diesem Material weder beim Herstellen noch beim Benutzen oder Entsorgen Schäden für Menschen oder Umwelt und es kann wiederverwertet werden. Neben Haushaltsgeschäften und Kaufhäusern oder über das Internet werden Koziol-Produkte seit 2009 in der „Glücksfabrik“ am Firmenstandort in Erbach verkauft. Außerdem lädt hier ein Museum dazu ein, sich mit der Geschichte der Design-Schmiede und ihrer Produkte zu befassen.

Vom Elfenbein zum Kunststoff

Diese begann im Jahr 1927, als Bernhard Koziol eine Elfenbeinschnitzerei in Erbach eröffnete. Die südhessische Stadt gilt als das deutsche Zentrum der Elfenbeinkunst. Hier produzierte Bernhard Koziol Schmuck und Tierfiguren aus Elfenbein. Die Verarbeitung des „weißen Goldes“ unterlag damals noch nicht den heutigen strengen Auflagen. Ab 1935 machten es Spritzgießmaschinen möglich, Schmuck und andere Gegenstände aus Kunststoff zu gießen. Dieser war preiswert und ermöglichte es, Artikel industriell zu fertigen. Und so stellte Koziol auf Kunststoffprodukte wie Souvenirs und Haushaltsartikel um. Beliebt sind bis heute zum Beispiel die Traumkugeln: kleine, mit Wasser gefüllte Kugeln mit Miniaturlandschaften oder Figuren, auf die beim Schütteln Kunstschnee herabrieselt. Bis in die 1970er-Jahre wurde auch viel Schmuck aus Kunststoff produziert. Daneben stellte Koziol auch Devotionalien wie Weihwasserbecken oder Madonnenfiguren her, ebenso wie Dekoartikel für zu Hause, die den jeweiligen Zeitgeist widerspiegelten. In den 1980er-Jahren übernahmen die beiden Söhne des Gründers die Leitung des Unternehmens und überarbeiteten das Sortiment. Der Fokus wurde auf ansprechende, fröhliche Haushalts-, Wohn- und Büroaccessoires gelegt. Nach dem Tod von Bernhard Koziol jun. 1998 leiten heute Stephan Koziol und Thorsten Muntermann das Unternehmen. Unterdessen bietet Koziol auch Werbemittel an sowie im Bereich Professional auch Produkte, mit denen Messebauer, Dekorateure und Innenarchitekten Läden und Schaufenster, Restaurants oder Events gestalten können. Die Firma exportiert in über 50 Länder, der Exportanteil liegt bei 70%. Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. März 2011 endete, erzielte Koziol ein zweistelliges Umsatzplus. Den Angaben zufolge war es das umsatzstärkste Geschäftsjahr seit der Gründung des Unternehmens.

03.08.2011 | 00:00

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