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Märklin: Rückkehr auf die Erfolgsschiene?


Theodor Friedrich Wilhelm Märklin, von Haus aus gelernter Klempner, gründete die Firma Märklin 1859 im schwäbischen Göppingen. In seiner Werkstatt stellte er neben anderen Artikeln aus Blech auch Puppenhäuser und Einrichtungen dafür, wie beispielsweise Küchen, her. Seine Frau Caroline ging als weibliche Handlungsreisende auf Tour und verkaufte die Waren. Der Grundstein für den internationalen Erfolg der Spielzeugeisenbahn wurde allerdings 1891 gelegt, als die Firma auf der Leipziger Frühjahrsmesse eine Modelleisenbahn zeigte. Im Lauf der Zeit konzentrierte sich das Unternehmen immer stärker auf den Bau dieser Bahnen. Besonders beliebt waren Spielzeugund Modelleisenbahnen in den Jahren des Wirtschaftswunders nach dem 2. Weltkrieg. Märklin stieg damals zu einem Anbieter von internationalem Gewicht auf.

Aber mittlerweile haben Computer und Fernseher Einzug in die Kinderzimmer gehalten und Spielzeug-Klassiker, wie Eisenbahnen oder auch Puppen, weitgehend verdrängt. Märklin versuchte darauf zu reagieren, indem man erwachsene Eisenbahn- Fans mit Sammelleidenschaft ins Visier nahm. Dieser zahlungskräftigen Zielgruppe wird einiges geboten: Das Sortiment umfasst zahlreiche hochwertige Sammlermodelle, die mit viel Liebe zum Detail so originalgetreu wie möglich produziert werden, und zwar sowohl im Hinblick auf die Optik als auch auf die Technik. Soweit möglich, werden sogar Originalmaterialien verwendet. Ständig sorgen Neuheiten und Sondereditionen dafür, dass der Sammelleidenschaft nie der Nachschub ausgeht. Vor dem Hintergrund des umfangreichen Gesamtprogramms können Eisenbahn-Freunde über viele Jahre hinweg ihre Sammlungen aufbauen und immer wieder erweitern. Ehrensache, dass es natürlich auch ein Firmenmuseum gibt. Clubs und Kundenmagazine sollen darüber hinaus dafür sorgen, dass die Kunden der Marke Märklin möglichst treu bleiben. Wer Tipps zum Bau von Dioramen und komplexen Modulanlagen braucht oder sich mit Steuerungssystemen beschäftigen will, kann in Seminaren unter der Anleitung von Profis sein Wissen erweitern und mit anderen Gleichgesinnten ausgiebig fachsimpeln.

Nicht aufs Abstellgleis

Aber von schöner heiler Spielzeugwelt kann bei Märklin nicht unbedingt die Rede sein. In den 1990er-Jahren schrumpfte der Markt, 2004 rutschte die Firma in die Verlustzone. 2006 stand das Unternehmen schon einmal kurz vor der Insolvenz. Es gab Managementschwierigkeiten, Führungskräfte aus den Bereichen Entwicklung, Vertrieb und Finanzen verließen das Unternehmen, zudem kursierten Berichte über Qualitätsmängel und Lieferschwierigkeiten. Goldman Sachs und der Finanzinvestor Kingsbridge Capital übernahmen die Traditionsfirma, die bis dahin von den Erben Märklins geführt worden war. Doch trotz Sparmaßnahmen kam die Firma nicht aus den roten Zahlen: Aus einem Konzernverlust von 13,6 Mio. Euro im Jahr 2006 wurden ein Jahr später 16,6 Mio. Euro, 2008 weitete sich der Verlust auf 21 Mio. Euro aus. Auch sonst war für negative Schlagzeilen gesorgt, gleichgültig, ob es um Kreditlinien ging, die die Banken nicht verlängern wollten, um nicht gezahlte Mitarbeitergehälter oder um die Streichung von fast 400 Arbeitsplätzen. Doch inzwischen sieht Märklin Licht am Ende des Tunnels. Auf einer Gläubigerversammlung konnte Insolvenzverwalter Michael Pluta von sieben ernsthaft interessierten Investoren berichten, sodass die Traditionsfirma wohl nicht auf dem Abstellgleis enden dürfte. Für 100 Mio. Euro ist Märklin demnach zu haben. Doch zuerst soll die Firma auf Vordermann gebracht werden. Der Plan ist, den Verlust 2009 möglichst auf Null zu bringen. 120 Mio. Euro sollen umgesetzt werden. Im Jahr 2010 soll Märklin dann einen Gewinn von 2,5 Mio. Euro einfahren.

 

05.11.2009 | 00:00

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