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Rimowa: Treue Reisebegleiter



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Paul Morszeck, der 1898 das Unternehmen gründete, baute seine ersten Koffer zunächst noch aus Holz. Die Herausforderung dabei war, mithilfe einer Leichtbauweise das Gewicht trotz dieses Werkstoffs möglichst gering zu halten. Die Flugzeugindustrie half schließlich weiter: Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Flugzeuge als Verkehrsmittel populär, und die wurden zunehmend aus Aluminium gebaut, einem leichten, aber dehnbaren Metall.

Richard Morszeck, Pauls Sohn, erkannte die Vorteile dieses Materials und kam 1937 auf die Idee, daraus den ersten Überseekoffer herzustellen. Gerade Vielflieger wie Piloten und Flugbegleiter oder Geschäftsreisende wussten die matt silbrig schimmernden Gepäckstücke zu schätzen, weil sie unverwüstlich, aber gleichzeitig sehr leicht waren, und gerade beim Fliegen zählt das Gewicht. Ab 1950 kamen die Koffer mit der typischen Rillenstruktur auf den Markt. Die Riffelung sollte für noch mehr Stabilität sorgen. Der Name der Firma geht ebenfalls auf das Konto des Sohnes des Unternehmensgründers: Richard Morszeck Warenzeichen oder kurz Rimowa.

Paul Morszecks Enkel Dieter leitet das Unternehmen seit 1972 in der dritten Generation. Auch er zeichnet sich durch clevere Ideen aus. Da er selbst gern fotografiert, kam er auf die Idee, wasserdichte Koffer für Film- und Fotoausrüstungen herzustellen, um die teuren und empfindlichen Geräte vor Wasser, Luftfeuchtigkeit und extremen Temperaturen geschützt transportieren und aufbewahren zu können. Seit dem Jahr 2000 produziert Rimowa zusätzlich Koffer und Reisegepäck aus Polykarbonat. Auch an der Entwicklung dieser Innovation war der Chef beteiligt. Polykarbonat ist ein hochwertiger Kunststoff, der so robust und stoßfest ist, dass daraus sogar Motorradhelme hergestellt werden. Gleichzeitig ist er sogar noch leichter als Aluminium. Auf das Konto von Dieter Morszeck geht darüber hinaus die Erfindung eines patentierten Rollensystems, bei dem der Koffer auf vier Doppel-Lenkrollen fährt. So verursachen selbst schwere Koffer keine Rückenschmerzen mehr und umkippen können sich auch nicht so leicht. Sogar der große US-Kofferhersteller Samsonite erwarb für das System eine Lizenz.

Vom Rhein in alle Welt

Auch wenn seine Koffer in aller Welt unterwegs sind, gilt Dieter Morszeck als seiner Heimat Köln sehr verbunden, was sich nicht nur darin zeigt, dass seine Firma regelmäßig eine große Karnevalssause ausrichtet und die Fußballer des 1. FC Köln ihre Trikots in Rimowa-Koffern verstauen. Denn produziert wird zwar auch in Kanada, Tschechien und Brasilien, vor allem aber in Köln, und zwar zum größten Teil in Handarbeit. Denn der Qualitätsanspruch ist hoch. Zusammen mit dem markanten Design hat das natürlich seinen Preis: Rimowa-Koffer sind keine Billigprodukte, sondern spielen in der Luxusliga mit. Für Unternehmen wie Porsche oder Lufthansa stellt Rimowa spezielle Editionen her und in Metropolen wie München oder Hongkong werden die Koffer im edlen Ambiente der Flagship-Stores standesgemäß präsentiert.

Im Kölner Geschäft findet sich noch ein Koffermuseum mit weit gereisten Modellen aus der 113-jährigen Firmengeschichte. Auch reichlich Prominenz aus Sport und Showbiz zieht mit Koffern, Trolleys oder Beauty Cases aus Köln um die Welt, wie zum Beispiel Mario Adorf oder Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock, was zum exklusiven Image der Marke ebenfalls beiträgt. Dank der Luxus-Positionierung konnte die Firma sogar im Krisenjahr 2009 den Umsatz auf 86 Mio. Euro steigern.

17.01.2011 | 00:00

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