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Schott hat bei Glas den Durchblick


Dabei kommt das über 125 Jahre alte Unternehmen eigentlich nicht aus der Stadt am Rhein. Gegründet wurde Schott 1884 in Jena, wo es bis 1945 als Jenaer Glaswerk Schott firmierte. Erst 1952 wurde Mainz der neue Sitz des Hauptwerks. Der Umzug war nötig geworden, weil das Stammwerk in Jena 1948 enteignet und in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt worden war. Immerhin  musste man nicht bei null anfangen. Bereits 1945 hatten US-Streitkräfte die Geschäftsleitung und Fachleute in den Westen Deutschlands gebracht.  

Im Nachkriegsdeutschland entwickelte sich Schott rasant. Schon 1954 wurde die erste ausländische Produktionsgesellschaft in Brasilien gegründet, der eine rasche Expansion in weitere Staaten folgte. Heute ist der Konzern in 42 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. Als echter Global Player haben die Mainzer im Geschäftsjahr 2009/10 rund  77% ihres Umsatzes von 2,85 Mrd. Euro außerhalb Deutschlands erzielt und nur 6.400 der 17.500 Mitarbeiter arbeiten an deutschen Standorten. Zuletzt konnte der Konzern damit ein Betriebsergebnis (EBIT) von 263 Mio. Euro vorweisen.    

Seinen Erfolg verdankt Schott einer hochwertigen Palette von Produkten. Zunächst mit Glastechnik für Mikroskope und Fernrohre gestartet, produziert das Unternehmen heute Materialen und Komponenten für so unterschiedliche Bereiche wie Hausgeräte, Automobil- und Luftfahrtindustrie, Medizintechnik, Kosmetik und Rüstung. Dazu kommen Produkte zum Schutz empfindlicher Elektronik sowie Spezialglasröhren und pharmazeutische Verpackungen. Vom Boom der erneuerbaren Energien profitieren die Mainzer mit Lösungen zur besseren Nutzung der Sonnenenergie. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Glasprodukte. Mittlerweile gehören zum Angebot auch Erzeugnisse aus dem Kunststoff Polymer.

Entwicklungen von Schott finden sich in einer Vielzahl von Produkten, die in fast jedem Haushalt vorkommen. Am bekanntesten sind wahrscheinlich die Ceran-Kochfelder. Mit der 1973 entwickelten Technologie haben die Mainzer einen Standard für Küchen weltweit gesetzt. Andere Innovationen sind Amiran, ein entspiegeltes Glas, das beispielsweise in Schaufensterverglasungen eingesetzt wird, und Pyran, ein Brandschutzglas. Bei faseroptischen Komponenten für Licht- und Bildleiter, einem weiteren technologischen Meilenstein, ist das Unternehmen seit 1964 aktiv. Die Hintergrundbeleuchtung von Displays, die dank Handy und Smartphone eine immer größere Rolle spielt, wird durch Backlighting-Glasröhren ermöglicht.   

Weitere Anwendungsgebiete von Schott-Produkten sind Lösungen für die Kabinen- und Sitzbeleuchtung in Flugzeugen sowie LED-Komponenten für die Innen- und Außenbeleuchtung  von Kraftfahrzeugen. Sogar bei der Eroberung des Mondes hat das Unternehmen mitgemischt. Dank optischer Gläser von Schott konnte die Apollo-11-Mission die berühmten Bilder von der ersten Mondlandung  aufnehmen.  

Stark in der Forschung

Die vielen Innovationen verdankt der Konzern intensiver Forschung und Entwicklung. Das Otto-Schott-Forschungszentrum in Mainz bündelt die Kompetenzen und hält Verbindungen zu Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen in aller Welt. Ständig wird nach neuen Lösungen gesucht und an der Weiterentwicklung bestehender Produkte gearbeitet. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Umweltverträglichkeit. So kommen die Ceran-Kochflächen seit 2002 ohne giftige Schwermetallzusätze aus. Die Entwicklungen finden auch außerhalb der Wirtschaft Anerkennung. 2008 wurden die Solarreceiver der Firma für den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten als eine von drei herausragenden  Innovationen nominiert.

12.12.2011 | 00:00

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