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Weltmacht im Schatten


Nach der verheerenden Finanzkrise 2008 stehen internationale Großbanken unter strikter Beobachtung. In ihren Schatten aber wachsen gigantische Finanzkonzerne, die der breiten Öffentlichkeit wenig bekannt sind. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock ist der wichtigste unter ihnen. 

Das Gebäude in New York City ist nicht besonders auffällig. „BlackRock“ – fast könnte man den Firmennamen übersehen. Und doch ist dies die Zentrale eines enorm mächtigen Unternehmens. BlackRock sammelt Unmengen von Kapital ein und legt dieses möglichst gewinnbringend global an. Aktionäre sind begeistert vom Erfolg des Finanzriesen: Wer vor zwei Jahren Aktien des schwarzen Felsen gekauft hat, kann sich heute über eine Verdoppelung des Kurses freuen.

Das Geschäft boomt. BlackRock ist inzwischen größer als Goldman Sachs, JP Morgan und die Deutsche Bank zusammen. Firmenchef Laurence D. Fink, der als einer der ersten mit  Hypotheken-Papieren handelte, gilt unter Insider als König der Wall Street. Der Gründer des Finanzgiganten verwaltet vier Billionen Dollar- zehnmal so viel wie der deutsche Bundeshaushalt. Großanleger und Pensionsfonds werden vom 1988 gegründeten Weltkonzern beraten. An zig Unternehmen wie beispielsweise der Ratingagenturen Standard & Poor’s  ist der „schwarze Fels“ beteiligt.

Auch in Deutschland ist der Einfluss des US-amerikanischen Vermögensverwalters enorm. In fast allen größeren Betrieben ist der Finanzgigant involviert, bei neun Dax-Unternehmen ist BlackRock sogar der größte Einzelaktionär. BlackRock ist jederzeit dazu in der Lage, Risiken wirtschaftlichen Handelns abzuschätzen. So verfügt das bestens in die Politik vernetzte Unternehmen, Laurence Fink telefoniert beispielsweise regelmäßig mit US-Finanzminister Tim Geithner und ist mit EZB-Chef Mario Draghi befreundet, über eines der weltgrößten Computersysteme namens Aladdin, welches binnen Millisekunden die ökonomischen Folgen eines Ereignisses ausrechnen kann. BlackRock verkauft diesen immensen Wettbewerbsvorteil als Dienstleistung an andere.

Das vergangene Quartal lief sehr erfreulich für den weltweit größten Vermögensverwalter. BlackRock profitierte dabei besonders von der Jahresendrally an den Aktienmärkten und konnte den Nettogewinn im vierten Quartal binnen Jahresfrist um 22 Prozent auf 841 Millionen Dollar steigern. Besonders gut entwickelten sich die Anleihefonds, da viele institutionelle Investoren ihre Aktiengewinne in diese steckten, um in ihren Portfolien die Waage zwischen Aktien und Festzinsprodukten halten zu können. In den drei Monaten  flossen 40,5 Milliarden Dollar in die von BlackRock verwalteten Fonds. Die Einnahmen erhöhten sich neun Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar. Dabei kamen dem Unternehmen auch erfolgsabhängige Gebühren zugute.  Vor allem Kleinanleger strömten im Schlussquartal 2013 in Scharen zum schwarzen Felsen und investierten in Aktien und Indexfonds. Die institutionellen Kunden hingegen nahmen Aktiengewinne mit und legten sie in Festzinsprodukte an. Darüber hinaus verringerte sie ihr Engagement in Indexfonds.

Hohe Erwartungen


In diesem Jahr erwartet BlackRock-Chairman und CEO Laurence Fink weitere Gewinne. So dürfte beispielsweise der Standard & Poor's 500-Index um weitere acht bis zehn Prozent steigen, obwohl er 2013 schon um sagenhafte 30 Prozent zulegen konnte. Auch rechne man sich „erhebliche Geldbewegungen beim Festzins in diesem Jahr“ aus, wie Fink betont. Aufgrund der derzeit wirtschaftlich erfreulichen Situation plant BlackRock eine Erhöhung der Dividende um 15 Prozent auf 1,93 US-Dollar. Die Auszahlung wird am Quartalsende im März fällig. Damit zahlt BlackRock auf das Jahr hochgerechnet nun 7,72 US-Dollar Gesamtdividende aus. Derzeit stecken rund 54 Prozent des von BlackRock verwalteten Vermögens in reinen Aktienfonds, 29 Prozent sind in Festzinsfonds investiert.

Kritiker warnen vor der enormen Macht des Konzerns, der 10.000 Menschen beschäftigt. BlackRock ist bei unzähligen Firmen rund um den Globus beteiligt und kann aufgrund seiner Finanzstärke weitreichende und grundlegende soziale sowie wirtschaftliche Veränderungen hervorrufen. Bewegungen von BlackRock können jederzeit internationale Märkte erschüttern und das globale Finanzsystem ins Wanken bringen. Dennoch betont CEO Fink: "Wie wir wiederholt gesagt haben, waren es nicht die größten Institute in der Vermögensverwaltung, die irgendwelche der ernsthaften Probleme verursacht haben".

Selbst Staaten sind mit dem Konzern verflochten. So half BlackRock der US-amerikanischen Regierung bei der Abwicklung von Pleitebanken nach der Finanzkrise 2008. Der Staat dankte es dem Finanzriesen mit durchaus dubiosen Aufträgen, für die es keine Ausschreibungen gab. Des Weiteren gerät der New Yorker Weltkonzern durch Beteiligungen an Unternehmen, die gegen Menschenrechte verstoßen und Umweltzerstörungen in Kauf nehmen, ins Kreuzfeuer der Kritik. Außerdem wird  BlackRock vorgeworfen, es unterstütze viele Firmen der Rüstungsindustrie. 16 Milliarden Dollar investiert der Finanzgigant alleine in die Drohnen-Industrie.

Finks Konzern ist unter anderem Anteilseigner eines Unternehmens namens Raytheon, das elektronische Waffensysteme an zahlreiche Armeen dieser Welt verkauft. Generell aber herrscht beim schwarzen Felsen völliges Schweigen über die Geschäftstätigkeiten, der Konzern ist wenig Transparent und sein Vorsitzender Laurence Fink meidet die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser. Durch intensive Lobbyarbeit gelingt es bisher, staatliche Beobachtung weitgehend abzuwenden.

wim

10.02.2014 | 15:01

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