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Eon gelingt ein starker Personalcoup

Katherina Reiche war Spitzenpolitikerin, Verbandschefin und mächtige Stimme der kommunalen Wirtschaft in Deutschland. Nun wirbt der Energieversorger Eon die Spitzenmangerin ab. Eine kluge Wahl des Energiekonzerns

BÖRSE am Sonntag

Katherina Reiche war Spitzenpolitikerin, Verbandschefin und mächtige Stimme der kommunalen Wirtschaft in Deutschland. Nun wirbt der Energieversorger Eon die Spitzenmangerin ab. Eine kluge Wahl des Energiekonzerns

Nach eigenen Angaben hat der Energiekonzern Eon Deutschlands mächtige Verbandslenkerin und frühere CDU-Politikerin Katherina Reiche als Spitzenmanagerin engagiert. „Wir können bestätigen, dass Katherina Reiche die Leitung einer der größten und wichtigsten operativen Einheiten bei Eon übernehmen wird“, erklärte das Unternehmen. Noch ist unklar, welche Funktion die derzeitige Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) übernehmen wird. Aus Branchenkreisen verlautete, Reiche übernehme nach der Zerschlagung der RWE-Tochter Innogy die Leitung der Netzsparte. Schon jetzt ist dieser Bereich mit einem operativen Gewinn (Ebit) von zuletzt rund 1,8 Milliarden Euro der größte Gewinnbringer des Konzerns. Details wollte eine Eon-Sprecherin noch nicht Preis geben.

Der Energieriese steckt inmitten eines tiefgreifenden Umbaus seines Geschäftsmodells. Mit Innogy wird Eon die ohnehin sehr erfolgreiche Netzsparte des Konzerns ausbauen und gleichzeitig zum größten Stromversorger und Betreiber von Energienetzen in Deutschland werden. Europaweit käme das Unternehmen auf mehr als 40 Millionen Kunden, in Deutschland wären es 14 Millionen. Für dieses Geschäft braucht es eine starke Führungskraft.
 
Katherina Reiche erfüllt diese Erwartung. Aus einer Unternehmerfamilie stammend ist Führungskraft quasi Teil ihrer DNA. Zuletzt hat sie sich als erfolgreiche Hauptgeschäftsführerin des VKU einen guten Namen gemacht - mit seinen 1500 Mitgliedsunternehmen, einem Gesamtumsatz von 110 Milliarden Euro und 245.000 Beschäftigten ist er einer der größten Wirtschaftsverbände in Deutschland .Und ein kritischer, politisch bunter Verband obendrein, den Reiche erst einmal so konsequent modernisierte und digitalisierte als blase plötzlich der Wind des Silicon Valley durch den VKU. Doch fragt man dieser Tage Sozialdemokraten der kommunalen Branche (und derer gibt es immer noch viele), dann sind sie beeindruckt von der ehemaligen CDU-Politikerin: „Sie kämpft wie eine Gewerkschafterin für uns“, heißt es achtungsvoll. „Reiche hat ordnungspolitische Überzeugungen wie eine FDP-Frau, sie hat das Kämpfertemperament einer Sozialdemokratin, das entwicklungspolitische Herz einer Grünen und die Verlässlichkeit einer CDUlerin“, heißt es im Führungskreis des VKU mit einigem Stolz. Sie wird als eine professionelle Managerin wahrgenommenem, die ihre Organisation mit 450 Mitarbeitern souverän führt.
 
Eon holt sich also eine organisationsstarke Managerin ins Haus - aber eben auch eine politisch vernetzte Multiplikatorin. Gerade im politisch so heiklen Feld der Energie- und Netzökonomie ist Reiche perfekt vertändelt, bis hinein ins Kanzleramt. Auch auf europäischer Ebene. Denn Reiche ist zugleich Präsidentin des CEEP, europäischer Arbeitgeberverband für öffentliche und halböffentliche Unternehmen mit seinen 25.000 Mitgliedern.
 
Die 46-Jährige Brandenburgerin war von 1998 bis 2015 Bundestagsabgeordnete – zunächst als stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, später als parlamentarische Staatssekretärin im Umwelt-, dann im Verkehrsministerium. Neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit sitzt Reiche seit 2002 im Vorstand der Europäischen Volkspartei (EVO). Außerdem engagierte sie sich als Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kohlekommission. Kurzum: Katherina Reiche überzeugt als Branchenexpertin und Führungspersönlichkeit. Dass die Energiewirtschaft vor drängenden Modernisierungsaufgaben steht, hat die überzeugte Europäerin früh erkannt. So gibt sie in ihrem bereits 2009 im CH. GOETZ-Verlag erschienen und viel rezipierten Buch „Energiegeladen“ Antworten auf die Frage: Wie sieht ein verlässlicher Energiemix für die Zukunft aus? Genau zehn Jahre später übernimmt die Energieexpertin einen wichtigen Chefposten beim Energieriesen Eon – ein Kreis schließt sich.