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Fünf Börsensuperstars aus dem deutschen Mittelstand

Der Hauptsitz von Sartorius in Göttingen: Der Laborausrüster profitiert von der Corona-Pandemie. (Foto: Sartorius)



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Im Zuge der Corona-Pandemie kamen 2020 selbst gestandene Großkonzerne ins Straucheln. Eine handvoll ausgewählter Familienunternehmen und Hidden Champions hingegen trotzte dem Virus und zauberte auf dem Parkett.

Das Börsenjahr 2020 war nichts für Mitschwimmer. Nach dem Corona-Tsunami, der die Kurse im März zunächst branchen- und länderübergreifend auf Tauchstation schickte, sortierten die Märkte rigoros. Wer nicht die richtige Krisenausrüstung an Bord hatte, ging entweder baden oder gleich ganz unter. Ob nun selbst- oder unverschuldet. So brutal kann es zugehen auf dem Börsenozean, wenn ein Sturm losbricht.

Das Börsenjahr 2020 wurde damit zu einem mit so vielen gleichzeitigen Gewinnern und Verlierern wie selten zuvor. Es gab nämlich auch solche, die die Regatta ihres Lebens fuhren und deren Segel, prall vom Rückenwind, den Kurs in Richtung Rekord setzten und sich in die Hände euphorischer Investoren treiben ließen.

Unter diesen Pandemie-Gewinnern finden sich in Deutschland auffallend viele Familienunternehmen und Mittelständler, die mit ihrer Technologieführerschaft in unterschiedlichsten Segmenten offenbar das Zeug dazu hatten, erhobenen Hauptes durch die Krise zu manövrieren.

Sartorius: Kursplus von über 6.000 Prozent in zehn Jahren

Die Aktie des Laborausrüster Sartorius beispielsweise hat in diesem Jahr fast 90 Prozent an Wert gewonnen und ist von 192 Euro auf 364 Euro gestiegen. Zwischenzeitlich kosteten die Titel sogar mehr als 400 Euro. Die vor dem Hintergrund der Coronakrise sprunghaft angestiegene Nachfrage nach Laborkapazitäten lässt grüßen. Die Göttinger stellen sowohl Prozesstechnologie bereit, wie auch diverse Laborinstrumente her. Die Konzentration liegt auf der Biotech-, Pharma-, und Nahrungsmittelindustrie. Für Sartorius läuft es schon seit Jahren exzellent an der Börse. Auf Zehnjahressicht steht ein sagenhaftes Plus von über 6.000 Prozent zu Buche. Entsprechend hoch ist die Aktie inzwischen auch bewertet. Das erwartete KGV für 2020 liegt bei über 100. Manch Analyst mahnt daher zur Vorsicht. Die jüngsten Quartalszahlen und Prognosen bestätigten aber einmal mehr eindrucksvoll den Lauf des Unternehmens um CEO Joachim Kreuzberg. Für das Gesamtjahr rechnen die Hessen mit einem Umsatzwachstum von bis zu 26 Prozent. Der Jahresumsatz 2019 lag bei rund 1,8 Milliarden Euro.

Hornbach profitiert vom Baumarkt-Boom

Unvergessen bleiben die langen Schlangen vor diversen deutschen Baumärkten während der ersten Corona-Welle, als diese noch nicht vom Lockdown betroffen waren. Heimwerkeln war schon vor der Pandemie in, doch die verordnete Langeweile trieb die Lust darauf auf neue Hochs. Es verwundert daher wenig, dass es die Aktie eines Baumarkts ist, die unter den mittelständischen Börsensuperstars 2020 landet. Mit einem Kursplus von rund 60 Prozent gehörten die Hornbach-Anteilsscheine in diesem Jahr zu den beliebtesten im SDax. Zwischenzeitlich kostete eine Aktie der Baumarktkette stolze 46 Euro. Anschließend konsolidierten die Papiere auf rund 35 Euro. Mit einem KGV von 14 wirkt die Bewertung im Vergleich zu den Sartorius-Aktien human. Der Blick auf diese Kennzahl allein aber täuscht, da Hornbach langfristig betrachtet auch deutlich weniger Wachstumspotenzial aufweist. Für dieses Jahr rechnen die Bornheimer aber immerhin mit einem Umsatzwachstum von bis zu 17 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte die Hornbach Baumarkt Gruppe einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Insgesamt betreibt das von Erich Harsch geführte Unternehmen 161 Bau- und Gartenmärkte in neun europäischen Ländern.

Zooplus – Geschäft mit Haustierbedarf verlagert sich ins Netz


Der Name des Internethändlers für Haustierbedarf fällt wohl kaum als erster, wenn es um Deutschlands Mittelstand geht. Er ist vielleicht auch nicht ganz das, was man sich hierzulande klassisch darunter vorstellt. Das digitale Zeitalter jedoch hat den Weg frei gemacht für den sogenannten Online-Mittelstand und da spielt Zooplus spätestens seit diesem Jahr ganz vorne mit. Der Aktienkurs der Münchner hat sich 2020 jedenfalls von 83 auf 163 Euro fast verdoppelt. Zweifelsohne gehört das Unternehmen um den Vorstandsvorsitzenden Cornelius Patt zu den großen deutschen Corona-Profiteuren. Der Trend hin zur Online-Bestellung von Haustierbedarf hatte sich aber wie in vielen anderen Branchen auch, schon lange vorher abgezeichnet. Entsprechend steht die Zooplus-Aktie auf Zehnjahressicht auch mit fast 600 Prozent im Plus. Mit einem KGV von 63 kommt das Papier inzwischen überbewertet daher, weshalb eine Mehrzahl der Analysten für einen Verkauf votiert. Zumindest in diesem Jahr ist Zooplus aber ein Börsenstar des deutschen Mittelstands und blickt mit einem prognostizierten Umsatz von 2,14 Milliarden Euro für 2021 auch optimistisch ins kommende Jahr. Das entspräche noch einmal einem Plus von 18 Prozent im Vergleich zu den für 2020 anvisierten Einnahmen von 1,81 Milliarden Euro.

Stratec – Diagnostik aus Deutschland gefragt

Auch Stratec gilt als Corona-Profiteur. 1979 gegründet, kommen die Birkenfelder inzwischen auf einen Jahresumsatz von rund 220 Millionen Euro. 2020 stehen nach neun Monaten bereits 179 Millionen Euro auf der Einnahmenseite. Ein Plus von 13 Prozent im Vorjahresvergleich. Noch mehr allerdings lohnt ein Blick auf den Gewinn, der unterm Strich um rund 49 Prozent auf 23,8 Millionen Euro kletterte. Die Geschäfte florieren. In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Stratecs Diagnostik-Produkten hoch. Zuletzt baute das Unternehmen, dass auch Biotechnologie-Firmen zu seinen Kunden zählt, seine Kapazitäten aus. Anleger honorierten dies bislang mit Zukäufen. Auf Jahressicht steht die Aktie mit über 70 Prozent im Plus. Mit einem KGV von 50 ist sie ähnlich vieler Corona-Gewinner-Papiere aktuell sehr hoch bewertet. Mit rund 110 Euro kostet sie aber inzwischen schon deutlich weniger, als noch zum Rekordhoch im Oktober bei 134,60 Euro. Ob nun überbewertet oder nicht – 2020 war für Stratec ein Börsenjahr zum Einrahmen.

Bechtle – IT-Dienstleister auf der Überholspur

Zum Schluss geht es vom SDax noch einmal zurück in den MDax. In Deutschlands Index für die mittelgroßen Werte, fällt neben der Perfomance von Sartorius auch die des IT-Dienstleisters Bechtle ins Auge. Mit einem Kursplus von rund 40 Prozent zählt die Aktie des Unternehmens zu den Top-Performern. Bechtle ist das größte IT-Systemhaus Deutschlands und profitiert entsprechend von der steigenden Nachfrage nach Dienstleistungen in dieser Branche. Neben Services vertreibt Bechtle auch diverse IT-Produkte und wartet IT-Infrastrukturen für Unternehmen. Jüngst machte die Firma mit der 100. Übernahme in ihrer Geschichte Schlagzeilen. Bechtle war schon vor der Corona-Pandemie auf Wachstumskurs, der Aktienkurs stieg über die vergangenen zehn Jahre um 1.100 Prozent. Während Konkurrent Cancom aus München die Krise deutlich zu spüren bekommt, scheinen die Neckarsulmer dazu bislang gut mit der Situation leben zu können. Ein Cocktail, der Anlegern gefällt, die die Aktie nach einer kleinen Durstrecke jüngst zurück in Richtung ihres Rekordhochs in Höhe von 180 Euro brachten. Das KGV ist mit 38 zwar auch nicht mehr niedrig, viele Analysten setzen aber auf die nach wie vor großen Wachstumschancen des mittelständischen Spezialisten.

Oliver Götz

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18.11.2020 | 17:05

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