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Coronavirus beflügelt Anbieter von Homeoffice-Software

Bilder, die sich derzeit unfreiwillig häufen: Teambesprechung am Bildschirm. (Foto: s4visuals / Shuttertock.com)


Bedingt durch die Ausbreitung von Covid-19 wird für immer mehr Arbeitnehmer das eigene Zuhause zum Büro. Spezialisierte Softwareanbieter wie Teamviewer verzeichnen massive Nutzerzuwächse. Langfristig könnte sich das auszahlen. Auch, da das Home-Office schon vorher im Trend lag.

Irgendwer profitiert immer. Selbst in Zeiten wie diesen, da ein Virus die Weltwirtschaft ins Chaos zu stürzen droht. Nach anfänglicher Zurückhaltung hat das Ende Februar zu einer ersten Panik an den Märkten geführt. Der S&P 500 verlor innerhalb von einer Woche 14 Prozent an Wert, sank von 3.344 auf 2.877 Punkte. Inzwischen hat sich der US-Index leicht erholt, notiert wieder bei 3.130 Zählern. Der Dax, der im gleichen Zeitraum ebenfalls 14 Prozent an Wert einbüßte und zwischenzeitlich auf unter 11.800 Punkte absackte, kam bislang nicht wieder auf die Beine. Deutschlands leitendes Börsenbarometer steht weiter nur bei 11.868 Punkten. Das erst Mitte Februar aufgestellt Rekordhoch von 13.787 Punkten ist in weite Ferne gerückt.

Dagegen liest sich die Kursentwicklung des US-amerikanischen Videokommunikationsanbieters Zoom fast schon paradiesisch. In der letzten Februarwoche, während also global die Kurse fielen, ging es für die Aktie des Softwareunternehmens in der Spitze um mehr als zwölf Prozent nach oben. Seit Jahresbeginn hat sich ein Plus von 61 Prozent summiert. Die Gründe liegen auf der Hand. Die Ausbreitung des Coronavirus zwingt Unternehmen dazu, Mitarbeiter ins Homeoffice auszulagern. Software, die es fürs mobile Büro braucht, wird stärker nachgefragt. Konferiert werden will ja beispielsweise weiter, nur eben nicht mehr gemeinsam an einem Tisch, sondern getrennt voneinander am Bildschirm.

Zoom gewinnt in zwei Monate mehr Nutzer als im gesamten Jahr 2019

In den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres hat Zoom entsprechend mehr Nutzer gewonnen, als im gesamten vergangenen Jahr. Das liegt auch an einem klugen Schachzug. Ähnlich vieler Konkurrenten hat Zoom seine Bezahlschranken aufgeweicht. Im kalifornischen San Jose, wo Zoom seinen Sitz hat, weiß man seine Chance zu nutzen. Statt kurzfristig mehr Geld zu verdienen, setzt man lieber auf die Erschließung neuer Kundengruppen. Wohl wissend, dass nun der perfekte Zeitpunkt gekommen sein könnte, um Arbeitgebern wie Arbeitnehmern das Homeoffice noch schmackhafter zu machen, als es ja ohnehin schon ist. Das Arbeiten von Zuhause ist mit Blick auf die moderne Arbeitswelt einer der großen Megatrends. Das langfristige Potenzial für Anbieter von hilfreicher Software für das Büro in den eigenen vier Wänden war also schon vor der Corona-Pandemie riesig. Nun aber ergibt sich früher als gedacht die Möglichkeit, einer großen Zahl an Kunden die Vorteile seiner Programme näherzubringen.

„Ich glaube nicht, dass es vorübergehend ist“, gab sich Zoom-Chef Eric Yang unter der Woche in einer Telefonkonferenz optimistisch. „Wir sind im Markt für die Zukunft der Kommunikation.“ Inzwischen, zitiert ihn das Handelsblatt weiter, gebe es Unternehmen, die überhaupt keine physischen Büros mehr hätten.

Teamviewer: 40 Prozent Plus seit dem Börsengang

Davon profitiert auch das deutsche Unternehmen Teamviewer, das erst im vergangenen Jahr den Sprung an die Börse wagte und seither im MDax gelistet ist. Die Göppinger sind vor allem für ihre Screen-Sharing-Software bekannt, durch die eine Art Fernwartung von PCs möglich ist. Auch bei den Deutschen ist die Nachfrage seit dem Corona-Ausbruch sprunghaft angestiegen. Teamviewer zählt zum Beispiel mehr als dreimal so viele Verbindungen nach China wie zuvor üblich. Das schlägt sich im Aktienkurs nieder. In der letzten Februarwoche erkletterte sich das Teamviewer-Papier ein Plus von knapp 20 Prozent. Phänomenal, angesichts der dramatischen Verunsicherung, die die Märkte im gleichen Zeitraum heimsuchte. Bei 35,69 Euro markierte die Aktie ein neues Rekordhoch. Insgesamt stehen die Teamviewer-Anteilsscheine seit dem Börsengang nun schon mit fast 40 Prozent im Plus.

Ein weiterer Profiteur der derzeitigen Lage ist die Firma Webex, eine Tochter des US-Konzerns Cisco.   Ähnlich Zoom bietet das Unternehmen unter anderem Software für Videocalls an. Seit dem Corona-Ausbruch war in China ein Anstieg des Datenverkehrs um das 22-fache festzustellen. Dazu, schreibt das Handelsblatt, sei in allen Ländern, die vom Coronavirus betroffen seien, die Zahl der Anmeldungen um den Faktor sieben gestiegen. Mutterkonzern Cisco hilft das an der Börse wenig. Im Vergleich zu den restlichen Aktivitäten ist die Bedeutung von Webex viel zu gering. Entsprechend ging es zuletzt deutlich bergab für die Aktie der US-Amerikaner. Ausgehend von Mitte März sank der Kurs von knapp 50 auf zirka 40 US-Dollar. Ein Minus von 20 Prozent.

Es sind also tatsächlich nur wenige, ausgewählte Aktien, die sich den Sorgen um das Coronavirus entziehen können oder sie gar für sich nutzen können. Aber es gibt sie. Und sie lassen sich auch problemlos aus dem Home-Office heraus kaufen.

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05.03.2020 | 16:44

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