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Bei diesen Aktien greifen Insider jetzt zu

Deutschlands Konzernlenker kaufen am Aktienmarkt kräftig eigene Aktien zu. Die richtige Entscheidung? (Foto: TZIDO SUN / Shutterstock.com)


Was die Papiere der eigenen Konzerne anbelangt, zeigen sich Deutschlands Top-Manager aktuell so kauflustig wie zuletzt 2008. Weltweit erreicht das Verhältnis zwischen Aktienkäufen und Aktienverkäufen sogar den höchsten Wert seit 1999.

Seit 2002 müssen Vorstände und Aufsichtsräte in Deutschland ihre Aktiengeschäfte melden. Diese sogenannten Directors Dealings werden regelmäßig auf der Homepage der BaFin veröffentlicht. Vor allem jetzt, in Crash- und Krisenzeiten, lohnt ein Blick darauf. Schließlich müssen sie, die Unternehmenslenker höchstselbst, es doch eigentlich am besten wissen, wie es um ihre Firmen und Konzerne steht, ob die Börsen übertreiben oder nicht. Und offenbar sind sie im Schnitt so optimistisch wie lange nicht.

Im März haben Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder weltweit 4,5-mal mehr Aktien ihrer eigenen Unternehmen zugekauft, als sie verkauft haben. Ein solches Verhältnis gab es seit 1999 nicht mehr. Insgesamt haben sie der Nachrichtenagentur Bloomberg nach 86,6 Millionen Euro investiert, der höchste Wert seit 2015. In Europa waren es 20,6 Millionen Euro, immerhin so viel wie seit 2018 nicht mehr. „Allein in den fünf Handelstagen bis zum vergangenen Donnerstag gab es in Deutschland 175 Käufe von Vorständen und Aufsichtsräten bei Aktien der eigenen Unternehmen“, fasste Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, zusammen. Stotz erstellt für das Handelsblatt das Insiderbarometer. Weiter stellte er fest: „Damit liegen die wöchentlichen Käufe in etwa auf dem Niveau inmitten der Finanzkrise im Oktober 2008.“

BASF, Deutsche Post und Co. – Hier kauften CEOs und Vorstände zu

Für den bislang größten Zukauf im März zeichnet die Unternehmerfamilie Merckle verantwortlich, die über die Spohn Beteiligungs GmbH Heidelberg Cement-Aktien in Höhe von fast 25 Millionen Euro erwarb. Besonders aktiv war auch der Vorstandsvorsitzende des Gesundheitskonzerns Fresenius, Stephan Sturm. Gleich mehrmals kaufte er im März eigene Aktien zu. Insgesamt summierte sich ein Investitionsbetrag von 1,2 Millionen Euro. Auch die Vorstände Mats Henriksson und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Michael Diekmann stockten ihre Anteile auf. Beide investierten knapp 239.000 Euro.

Fresenius-Aktien besonders gefragt

Für Fresenius läuft es seit längerem nicht gut an der Börse, unter anderem da die Prognosen nach unten korrigiert werden mussten. Doch mit dem erneuten Kurssturz im Rahmen des Corona-Crashs war die Aktie zwischenzeitlich nur noch etwas über 24 Euro wert – extrem günstig. Inzwischen kostet das Papier wieder fast 33 Euro. Ausgehend vom Tiefpunkt ist das bereits ein Plus von fast 40 Prozent. Als Konzern im Gesundheitssektor, der für das laufende Jahr Umsätze in Höhe von 36 Milliarden Euro und einen Gewinn von rund zwei Milliarden Euro erwartet, bleibt da womöglich weiter eine Menge Aufwärtspotenzial. Das Unternehmen sei eine tragende Säule des Gesundheitssystems, sowohl in Deutschland als auch in Spanien, schrieb DZ-Bank-Analyst Sven Kürten. Im Falle einer weiteren Corona-Eskalation in beiden Ländern dürfte Fresenius größtmögliche finanzielle Unterstützung und Absicherung zukommen, so der Experte weiter.

Auch die Aktie der Deutschen Post ist den jüngsten Turbulenzen zum Opfer gefallen. Nicht nur Vorstandschef Frank Appel investierte daraufhin in den eigenen Konzern und kaufte am 16. und 18. März jeweils 5.000 Papiere, auch der Aufsichtsratsvorsitzende Nikolaus von Bomhard legte sich 15.000 Aktien der Deutschen Post ins Depot. Dafür berappte er immerhin 325.000 Euro.

Von seinem Konzern überzeugt ist auch Martin Brudermüller. Der Vorstandsvorsitzende von BASF hat am 9. März Anteile des Ludwigshafener Chemiekonzerns im Wert von 479.000 Euro erworben. Lanxess-CEO Matthias Zachert griff am 11. März zu und kaufte für rund 534.000 Euro Aktien des eigenen Unternehmens. Am gleichen Tag investierte Olaf Koch, Chef von Metro, 1.108.000 Euro in den Handelskonzern. Bjorn Gulden, CEO von Puma, kaufte für 505.000 Euro Aktien des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach. Die Liste ließe sich noch fortsetzen, wenn auch mit weniger bekannten Namen und kleineren Beträgen. Eigene Aktien zugekauft haben jedenfalls auch in Deutschland sehr viele Firmenlenker.

Was heißt das nun für Anleger?

Die Zuversicht der CEOs, Vorstände und Aufsichtsräte darf in jedem Fall optimistisch stimmen. Allerdings sagt sie wenig über den richtigen Einstiegszeitpunkt aus. Patrick Hable, geschäftsführender Gesellschafter von 2iQ Research, sagt: „Es wäre äußerst besorgniserregend, wenn sie jetzt verkaufen, zumal es in ihrer Natur liegt, zu kaufen, wenn ihre Aktien gefallen sind.“ Auch 2008 waren viele Konzernlenker früh eingestiegen, als die Kurse am Boden waren. Allerdings  ging es in der Folge um weitere 30 Prozent nach unten. Auf kurze Sicht können die Insiderkäufe also wenig Anhaltspunkte geben. Auf lange Sicht aber, deutet die Vielzahl an Investitionen schon daraufhin, dass in den Konzernzentralen dieser Welt nicht mit dem großen Kollaps gerechnet wird. Langfrist-Anleger sollten die Meldungen also in ihre Überlegungen miteinbeziehen.

OG

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24.03.2020 | 14:27

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