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Droht Facebook die Zerschlagung?


Der Börsenkurs von Facebook ist an der Wall Street heftig eingebrochen. Grund dafür sind Berichte über kartellrechtliche Ermittlung und Untersuchungen zu Datenschutzpraktiken. In den USA werden Forderungen nach Aufspaltungen großer Internetkonzerne immer lauter. Wegen des Aktienabverkaufs bei Facebook, Alphabet, Amazon und Apple lösten sich 132,9 Mrd. Euro Milliarden an Börsenwert kurzerhand in Luft auf. Steht die Facebook-Aktie kurz vor einer tiefen Talfahrt? 

Nun ist es amtlich: Die US-Handelsaufsicht prüft Wettbewerbsverstöße von Facebook. Medienberichte, wonach das Soziale Netzwerk Ziel von Ermittlungen in den USA ist, drücken den Aktienkurs der Kalifornier deutlich nach unten. So haben die Anteilsscheine von Facebook den Montagshandel in New York 7,5 Prozent tiefer beendet. Derzeit ist das Papier für rund 150 Euro zu haben. Investoren befürchten, dass die Geschäfte der Konzerne durch regulatorische Maßnahmen eingeschränkt werden könnten. Neben Facebook geraten auch Amazon, Google und Apple ins Visier der Aufsichtsbehörden.

Die Handelsaufsicht Federal Trade Commission (FTC) ermittelt gegen das von Mark Zuckerberg geführte Unternehmen bereits seit einem Jahr wegen möglicher Verstöße gegen die Privatsphäre von Nutzern. Das soziale Netzwerk missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, rechtfertigen Bundesanwälte in New York die Ermittlungen. Über zehn Jahre habe der Konzern private Daten an zahlreiche Endgeräthersteller weitergeben. Betroffen sind insbesondere Smartphone-Hersteller – aber auch Amazon, Apple, Microsoft und Sony. Insgesamt sollen es mehr als 150 Unternehmen sein. Dass neben den Datenschutzpraktiken nun auch kartellrechtliche Fragen untersucht werden, ist offenbar formaler Natur. Für Wettbewerbsfragen war bisher noch das Justizministerium zuständig, nicht die FTC. Beide staatlichen Stellen haben ihre Zuständigkeiten jetzt neu geordnet. Konkret heißt das: Die FTC soll bei Untersuchungen gegen Facebook und Amazon federführend sein, das Justizministerium bei der Google-Mutter Alphabet und Apple. Noch ist unklar, wie die Behörden vorgehen und welche Geschäftspraktiken genau untersucht werden. Klar ist aber, dass Anleger die Klärung der Zuständigkeiten als Angriff auf die Geschäftsmodelle verstehen. Regulatorische Eingriffe bis hin zu einer Aufspaltung der Konzerne wären im Bereich des Möglichen, meint Justin Post, Analyst bei der Bank of America. Auch ehemalige Insider aus dem Silicon Valley warnen vor erschaffenen Monstern – so auch Chris Hughes. Der Facebook-Mitgründer spricht sich für eine Zerschlagung des Social-Media-Riesen aus: Mindestens sollten Instagram und WhatsApp ausgelagert werden, sagt Hughes, und warnt vor der enormen Macht von Zuckerberg.

Die Dominanz der Tech-Riesen wird zum Politikum

Zum Facebook-Konzern gehören die Social Media Plattformen Facebook und Instagram, der Facebook-Messenger und der Nachrichtendienst WhatsApp. Zusammengenommen greifen auf diese Dienste monatlich rund 5,4 Milliarden Nutzer zurück. Alle anderen Konkurrenten wie Snapchat, Twitter und WeChat erreichen gerade einmal die Hälfte der Nutzerzahlen. Diese Größenordnungen sind den amerikanischen Republikaner und Demokraten suspekt. „Eine kleine Zahl von marktbeherrschenden, unregulierten Plattformen hat eine außergewöhnliche Macht über Online-Handel, -Kommunikation und -Information“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der beiden Parteien diese Woche. Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Dominanz der Tech-Giganten nun zum Politikum werde: „Wenn das Justizministerium die Untersuchung einleitet, wird das auch die Kritiker von Facebook, Amazon und anderen Tech-Giganten stärken, und damit wird sich die Rhetorik während der Wahl 2020 aufheizen“, prognostiziert Justin Post von Merril Lynch. Nachrichten zu möglichen Beschränkungen drückten in Zukunft „immer wieder auf die Stimmung von Investoren“, so Analystin Heather Bellini von Goldman Sachs.

Einigen Politikern und Verbraucherschützern ist die marktbeherrschende Stellung von Facebook und deren Datenschutzpraktiken schon lange ein Dorn im Auge. Experten sahen bisher wenig Gefahr, dass der seit Monaten anhaltende Aufwärtstrend der Aktie wegen des steigenden Drucks der Behörden ernsthaft gefährdet wäre. Das könnte sich nun ändern. Sollten die Untersuchungen der FTC ernste Konsequenzen, nämlich eine Zerschlagung des Konzerns, haben, könnte Facebook große Probleme bekommen.

Florian Spichalsky

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06.06.2019 | 13:03

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