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Geldanlage > Finanzen & Vorsorge

Kinderdepots 2026: Mit ETFs und Zinseszins früh Vermögen für Kinder aufbauen

| Oliver Götz | Lesezeit: 4 Min.

3 Sparschweine
(Foto: shtterstock/ki)

Schon kleine ETF-Sparpläne können Kindern sechsstellige Vermögen sichern – inklusive attraktiver Steuervorteile.

von Oliver Götz
 
Eltern sein, das ist ein Mega-Investment. Zeitlich wie finanziell – sie werden es wissen, wenn sie selbst welche großziehen oder bereits großgezogen haben. Dafür ist die Rendite, die vielen glücklichen Momente vom Beobachten der ersten, unbeholfenen Gehversuche über das stolze Tragen der Schultüte bis hin zum Abschluss der Ausbildung oder der Universität, unbezahlbar. Es lohnt sich – trotz manch durchgemachter Nacht. Darin dürften die meisten Mütter und Väter einig sein. Was sich auch lohnt – und zuhauf in all dem Erziehungstrubel links liegen gelassen wird: Geld für seine Kinder investieren.

Schon kleine Beträge, die von Geburt an regelmäßig zurückgelegt und dabei speziell auf den eigenen Nachwuchs angelegt werden, können später einmal das Studium finanzieren, die erste Miete, den Grundstückskauf fürs Eigenheim – oder sonst wo zur Anschubfinanzierung im Erwachsenen-Dasein werden.
 

Zinseszins als Renditetreiber

Der Zinseszins kommt voll zur Entfaltung, wenn er bereits ab dem ersten Lebensjahr wirken darf. „Schon 50 Euro im Monat wachsen bei einer Rendite von 7,5 Prozent per annum – wie sie der MSCI AC World seit 1970 im Schnitt erzielt hat – nach 18 Jahren auf über 22.000 Euro an“, sagt ­Christian W. Röhl, Chief Economist beim Online-Broker Scalable Capital, im Gespräch mit der BÖRSE am Sonntag. Wer in der Lage ist, mehr Geld beiseitezulegen, für den verstärkt sich der Effekt. Legen Eltern beispielsweise monatlich das Kindergeld, welches aktuell bei 259 Euro liegt, zu genannter Durchschnittsrendite an, kommen mit Volljährigkeit des Kindes schon 117.700 Euro zusammen. 61.750 Euro davon entfallen allein auf den Zinseszins. Freilich, niemand kann die durchschnittliche Rendite der kommenden 18 Jahre vorhersehen. Der Blick in die vergangenen Jahrzehnte aber zeigt, was liegen gelassen hat, wer zwar gespart, aber nicht investiert hat. „Automatisierte Sparpläne in weltweit gestreute ETFs sind ein guter Weg, bereits frühzeitig eine Finanz-Routine zu etablieren, die dem Nachwuchs langfristig zugutekommt“, heißt es beim Neobroker Trade Republic.

Noch immer nutzen Eltern hierzulande einer Umfrage des Finanzberaters Visual Vest zufolge zu 35 Prozent das Sparbuch – es folgt das Tagesgeldkonto und gerade einmal ein Viertel setzt auf ETFs, 15 Prozent auf spezielle Fonds für Kinder.
 
Allein bei Trade Republic wurden in 1,5 Jahren hunderttausende Junior-Depots eröffnet
Börsenlegende André Kostolany schrieb einst ein Buch mit dem Titel „Die Kunst über Geld nachzudenken“. Ein Aufruf sich mit der Vielzahl von Möglichkeiten zu beschäftigen, Geld, das man im Zweifel hart erarbeitet hat, im Anschluss für sich arbeiten zu lassen. Oder eben bereits für seine Kinder. Daran gemessen hat das Sparschwein ausgedient.

Sogar die Bundesregierung hat das erkannt. Noch in diesem Jahr könnte die seit langem diskutierte Frühstartrente rückwirkend zum 1. Januar in Kraft treten. Dabei soll jedes Kind, das in Deutschland eine Bildungseinrichtung besucht und zwischen sechs und 17 Jahre alt ist, vom Staat 10 Euro pro Monat für ein Altersvorsorgedepot bekommen. ­Eltern können die Einlage erhöhen, wenn sie mögen. Ebenso die Kinder selbst, wenn sie das ­18. Lebens­jahr erreicht haben. Die Erträge bleiben steuerfrei bis zum Zeitpunkt der Auszahlung, die mit Renten­eintritt erfolgen soll.

Neben dem „Klassiker“ Bausparvertrag und Edelmetallinvestments übernehmen heutzutage aber bereits sogenannte Junior-Depots, die ebenfalls der Altersvorsorge dienen können, vor allem aber auch als Finanzspritze in früheren Tagen, da sie dem Nachwuchs schon mit 18 zur Verfügung stehen, nicht erst im fernen Ruhestand. Und es scheint so, als würde die Zurückhaltung der Deutschen in Sachen Aktienanlage damit weiter aufgebrochen. „Seit dem Start unseres Kinderdepots im Mai 2025 wurden bereits Hunderttausende Konten eröffnet, eine Resonanz, die unsere Erwartungen weit übertroffen hat“, frohlockt Trade Republic-Sprecherin Sophie Dietrich gegenüber BÖRSE am Sonntag. „Wir beobachten, dass Eltern das Thema Verantwortung für die ­finanzielle Zukunft ihrer Kinder immer früher und bewusster angehen möchten“, sagt Ökonom Röhl von Scalable Capital. „Viele beschäftigen sich nicht mehr nur mit klassischen Sparformen, sondern stellen grundlegende Fragen zur Vermögensbildung über lange Zeiträume hinweg, oft auch mit dem Ziel, den Kindern eine solide Basis für die eigene Altersvorsorge zu legen.“

Zahlreiche Banken, Vermögensverwalter und Broker bieten inzwischen spezielle Depots für den Nachwuchs an. Eröffnet werden diese von den Eltern, die treuhänderisch die Verwaltung übernehmen. Eigentümer sind aber die Kinder, auf deren Namen die Depots angelegt sind.
Hineingespart werden kann von vielen Seiten. „Es beteiligen sich zunehmend auch Großeltern, Paten oder Freunde direkt am digitalen Vermögensaufbau“, sagt Dietrich von Trade Republic.

Gestaltet werden können die Depots – abhängig vom jeweiligen Angebot der Bank oder des Brokers – nach gängigen Diversifikationskriterien. Anleihen, Einzelaktien, ETFs – die eigene Risikoneigung entscheidet, solange dem Kindeswohl Genüge getan wird. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Nicht zugelassen sind deshalb spekulative Anlageformen wie Futures, Hebelprodukte, CFDs.

ETFs als zentrales Element

Der Anlage über breit streuende ETFs kommt in jedem Fall eine zentrale Rolle zu, indem sie bequem monatlich zu besparen sind, womit Schwankungen am Markt weniger ins Gewicht fallen und sich am wahrscheinlichsten den genannten Durchschnittsrenditen genähert werden kann. Kinder hätten einen sehr langen Anlagehorizont und könnten kurzfristig Auf und Abs an der Börse gelassen aussitzen, meint Scalable Capital-Experte Röhl. „Perfekte Voraussetzungen, um mit einem ETF-Sparplan am globalen Wirtschaftswachstum teilzuhaben.“ Auch ­flatexDEGIRO bestätigt auf Anfrage: „Immer mehr Eltern greifen auf kostengünstige, breit gestreute ETFs zurück, um kontinuierlich Vermögen für Kinder aufzubauen.“

Dabei lockt nicht nur der Zinseszins, für den allein es keine spezielle Geldanlage im Namen des eigenen Kindes bräuchte, sondern auch eine, über 18 Jahre hinweg betrachtet, stolze Steuerersparnis.
 

13.000 Steuerfreibetrag – jedes Jahr

Jedes Kind – auch wenn es noch minderjährig ist – hat Anspruch auf einen eigenen Sparer-Pauschbetrag. Das bedeutet, dass Kapitalerträge bis zu 1.000 Euro pro Jahr steuerfrei bleiben, sofern beim Depotanbieter ein entsprechender Freistellungsauftrag hinterlegt wird.

Erzielt das Kind darüber hinaus keine weiteren Einkünfte, kann zusätzlich der reguläre Grundfreibetrag genutzt werden, der derzeit bei rund 12.000 Euro pro Jahr liegt. Um diesen Vorteil in Anspruch zu nehmen, müssen die Eltern beim Finanzamt eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung beantragen und sie anschließend bei der Bank oder dem Broker einreichen.

Die Steuerersparnis für die Eltern bedeutet gleichzeitig aber auch ein vollständiges Abtreten der Ansprüche auf das angelegte Geld. Es handelt sich dabei um Sondervermögen des Kindes. Sobald der Nachwuchs volljährig wird, geht es in dessen Verfügung über. Und auch zuvor darf aus Kinderdepots nicht einfach Geld für die eigenen Zwecke entnommen werden.

Wer diesen Nachteil nicht als Hindernis sieht, der kann mit einem Kinderdepot den Zinseszins voll ausschöpfen und eine Menge Steuern sparen. Besonders viele Online-Broker bieten zusätzliche Benefits an. Bei Scalable Capital beispielsweise werden bei vielen ETFs die Verwaltungsgebühren zurückerstattet, bei Trade Republic werden die laufenden Fondskosten ausgewählter Vanguard ETFs monatlich direkt in das Kinderdepot reinvestiert.          
 

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