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ETFs & Fonds > Goldman warnt

S&P-500-ETFs: Wer damit streut, wettet trotzdem konzentriert

| Redaktion Börse am Sonntag | Lesezeit: 4 Min.

Computermonitor mit S&P-500-Kursanzeige, Candlestick-Chart in Grün und Rot sowie Kursdaten auf dunklem Hintergrund.
S&P-500-Kursanzeige auf einem Computermonitor mit Candlestick-Chart. Technologieaktien haben im bisherigen Jahresverlauf 2026 rund 85 Prozent des gesamten Indexgewinns erzeugt. (Foto: Shutterstock)

ETFs gelten als Inbegriff der Diversifikation. Doch Goldman Sachs zeigt: Wer heute einen ETF auf den S&P 500 kauft, investiert zu 41 Prozent in die zehn größten Titel und konzentriert damit sein Risiko auf einen einzigen Trend.

Wer streut, der schläft ruhiger. Das ist das Versprechen des ETF-Gedankens, und es ist nicht falsch. Wer einen breit gestreuten Indexfonds auf den S&P 500 kauft, investiert in 500 Unternehmen. Kein Klumpenrisiko, kein Einzeltiteldrama, kein Stockpicking. So weit, so beruhigend. Nur stimmt das Bild nicht mehr ganz. Denn wer heute einen S&P-500-ETF kauft, erwirbt zu gut 41 Prozent die zehn größten Unternehmen im Index. Und ein einziges davon, NVIDIA, macht allein über 8 Prozent aus. Das ist keine Streuung mehr. Das ist eine konzentrierte Spekulation auf einen großen Trend. Goldman Sachs hat diese Entwicklung in Zahlen gefasst, die man sich genauer anschauen sollte.

Eine Rally, die auf wenigen Schultern ruht

Der S&P 500 hat im bisherigen Jahresverlauf 2026 rund 10 Prozent zugelegt. Klingt nach einer breiten Marktrally. Ist es aber nicht. Laut Goldman Sachs haben allein die Technologieaktien 85 Prozent dieses Kursgewinns erzeugt. Der S&P 500 ohne Technologie liegt in diesem Jahr gerade einmal 3 Prozent im Plus. NVIDIA hat dabei 20 Prozent zum gesamten Indexgewinn beigetragen.

Goldman-Stratege Ben Snider beschreibt den Markt daher als zunehmend von einem einzigen Thema beherrscht: künstliche Intelligenz. KI-Enthusiasmus und Momentum-Trading hätten sich eng miteinander verzahnt. Das sogenannte Momentum-Faktor-Modell der Bank, das misst, wie stark kurz- bis mittelfristige Kursgewinner weiter bevorzugt werden, ist in den vergangenen drei Monaten um 25 Prozent gestiegen. Die Bank stuft das als einen der schärfsten Anstiege ein, die je gemessen wurden.

Wie viel KI-Risiko steckt im S&P-500-ETF?

Für ETF-Anleger stellt sich damit eine Frage, die sich sonst eher Stockpicker stellen: Wie viel KI-Risiko steckt eigentlich im Depot? Wer einen marktgewichteten S&P-500-ETF hält, ist in diesem Marktumfeld de facto ein KI-Investor, ob gewollt oder nicht. Das Gewicht von NVIDIA, Microsoft, Meta Platforms, Alphabet und den übrigen Tech-Schwergewichten hat in den vergangenen Jahren so stark zugenommen, dass ein klassischer Indexfonds längst kein neutrales Markt-Exposure mehr liefert, sondern ein gebündeltes Engagement in einem einzigen Megatrend.

Das wäre kein Problem, solange dieser Trend intakt bleibt. Doch Goldman weist auf ein historisches Muster hin, das Anleger kennen sollten. Ähnliche Phasen enger Marktführerschaft und rasanter Momentum-Gewinne gab es bereits in den Jahren 1998, 1999, 2015 und 2021. In allen Fällen folgten erhöhte Volatilität und schwächere Gesamtmarktrenditen. Das ist kein Naturgesetz, aber ein Muster, das man nicht ignorieren sollte.

Gewinnwachstum ja, aber nur an der Spitze

Dabei ist die aktuelle Situation nicht vollständig mit früheren Spekulationsblasen vergleichbar. Goldman betont ausdrücklich, dass die Rally diesmal durch steigende Gewinnerwartungen gestützt wird, nicht allein durch Bewertungsexpansion. Die Bottom-up-Konsensschätzungen für den Gewinn je Aktie des S&P 500 in den Jahren 2026 und 2027 sind in diesem Jahr jeweils um 8 Prozent nach oben revidiert worden. Das bedeutet, dass hinter den Kursen zumindest zum Teil echtes Gewinnwachstum steht.

Allerdings konzentrieren sich auch diese Gewinnrevisionen stark auf KI-Infrastrukturunternehmen und Energieproduzenten, die von höheren Investitionsausgaben und steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Klammert man diese beiden Gruppen aus, sind die Gewinnschätzungen für den restlichen S&P 500 im Jahr 2027 in diesem Jahr praktisch unverändert geblieben. Die Aufwärtsrevision ist also real, aber sehr fokussiert.

Defensive Sektoren als Gegengewicht zum KI-Momentum

Was folgt daraus für Anleger, die weiterhin auf ihren S&P-500-ETF setzen wollen? Goldman hat in seinem Bericht gleich mehrere Handlungsoptionen angesprochen. Der Bankenstratege hebt Basiskonsumgüter als den Sektor hervor, der am wenigsten mit dem KI-Handel korreliert. Gesundheit und Immobilien zeigen ebenfalls vergleichsweise geringe Überschneidungen mit dem KI-Trade. Wer also bereits ETFs auf diese Sektoren hält oder in Betracht zieht, könnte damit das Momentum-Risiko des Gesamtportfolios abschwächen.

Goldman hat außerdem ein sogenanntes „insensitive portfolio" veröffentlicht, also eine Auswahl von Aktien, die positive Gewinnrevisionen aufweisen, aber eine geringe Abhängigkeit vom KI-Trend und von Wachstumserwartungen zeigen. Darunter finden sich Namen wie Eli Lilly (Pharma), Reddit (Social Media), Newmont (Rohstoffe), Archer-Daniels-Midland (Agrarhandel) und Casey's General Stores (Einzelhandel). Das sind alles keine typischen Tech-Titel und ihr operatives Gewinnwachstum hängt nicht an den KI-Investitionszyklen. Für Anleger, die stark in Momentum-Titeln engagiert sind, empfiehlt Goldman zudem, einen Teil des Portfolios in niedrig bewertete, rückständige Aktien umzuschichten. Historisch haben diese Titel bei einem abrupten Stimmungsumschwung deutlich besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt.

Begrenztes Aufwärtspotenzial: Was Goldmans Kursziel verrät

Das Jahresziel der Bank für den S&P 500 liegt weiterhin bei 7.600 Punkten. Gemessen am aktuellen Niveau von 7.408 Punkten bedeutet das nur noch begrenztes Aufwärtspotenzial von weniger als 3 Prozent. Das ist wenig Spielraum für einen Markt, der so viel Vorschusslorbeeren verteilt hat.

Wer ETF-Anleger ist und glaubt, breit aufgestellt zu sein, sollte daher zumindest wissen, was im Paket steckt und welche Risiken damit verbunden sind. Ein marktgewichteter S&P-500-ETF ist in diesem Markt kein neutrales Instrument mehr, sondern ein Produkt mit klarer thematischer Schlagseite. Das ist keine Kritik am ETF-Gedanken. Es ist eine Beschreibung des Marktzustands. Und der wird sich früher oder später ändern. Die eigentliche Frage ist, wann und ob man dann darauf vorbereitet ist.

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