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Krypto > CLARITY Act

Dieses Gesetz entscheidet über die Zukunft des Krypto-Markts

| Louis Blümlein

Bitcoins vor dem White House in Washington DC.
Der CLARITY-Act wird am Krypto-Markt sehnsüchtig erwartet. Kann die Politik eine Rally auslösen? (Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker)

Erhält die Krypto-Branche in den USA endlich regulatorische Klarheit? Die kommenden Monate werden wegweisend.

Der CLARITY Act bleibt eines der wichtigsten politischen Themen für die gesamte Krypto-Industrie. Kaum ein anderes Gesetz könnte die Rahmenbedingungen für Krypto-Unternehmen, Börsen, Stablecoin-Anbieter und DeFi-Projekte so stark verändern wie die geplante Regulierung in den USA. Ziel der Gesetzgebung ist es, die bisher oft unklare Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Rohstoffaufsicht CFTC neu zu regeln.

Für Unternehmen, Investoren und Börsen wäre dies ein bedeutender Schritt. Bislang herrscht in vielen Bereichen Unsicherheit darüber, welche digitalen Vermögenswerte als Wertpapier und welche als Rohstoff eingestuft werden. Diese Unsicherheit gilt seit Jahren als einer der größten Bremsfaktoren für die Entwicklung der Branche in den USA. 

Die gute Nachricht für die Krypto-Industrie ist, dass der Gesetzesentwurf inzwischen deutlich weiter fortgeschritten ist, als viele vermutlich gedacht hätten. Bereits im Juli 2025 wurde der CLARITY Act mit einer breiten parteiübergreifenden Mehrheit von 294 zu 134 Stimmen durch das Repräsentantenhaus verabschiedet. Im Mai 2026 stimmte zudem der Senatsausschuss für Banken mit 15 zu 9 Stimmen für die Weiterleitung des Gesetzes an den gesamten Senat. Damit befindet sich der CLARITY Act heute näher an einer Verabschiedung als jemals zuvor.

Stablecoins sorgten lange für politische Spannungen

Der Weg dahin verlief allerdings keineswegs reibungslos. Vor allem die Regulierung von Stablecoins entwickelte sich in den vergangenen Monaten zu einem der größten Streitpunkte innerhalb der Debatte. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob Krypto-Unternehmen und Börsen künftig Renditen auf Stablecoin-Einlagen anbieten dürfen. Insbesondere Vertreter des Bankensektors kritisierten entsprechende Modelle scharf. Sie sehen darin eine direkte Konkurrenz zu klassischen Einlagen- und Sparprodukten.

Zusätzlich gab es Diskussionen über Lizenzierungsanforderungen, Aufsichtsfragen und die Rolle verschiedener Regulierungsbehörden. Zeitweise führte die Unsicherheit sogar dazu, dass wichtige Branchenvertreter ihre Unterstützung für einzelne Teile des Gesetzes zurückzogen. Laut Cody Carbone, Chief Policy Officer der Krypto-Lobbyorganisation Digital Chamber, ist dieses Thema inzwischen jedoch weitgehend geklärt. Offenbar wurde bei den Stablecoin-Renditen ein Kompromiss gefunden. Krypto-Börsen dürften damit wohl nicht alle bisherigen Freiheiten behalten, gleichzeitig scheint ein vollständiges Verbot solcher Angebote vom Tisch zu sein.

Ein weiterer Kern des Gesetzes bleibt dabei unverändert: Die CFTC soll künftig die Aufsicht über digitale Rohstoffe übernehmen, während die SEC weiterhin für digitale Vermögenswerte zuständig bleibt, die als Wertpapiere eingestuft werden. Zugleich sollen klare Kriterien geschaffen werden, wann ein Netzwerk als ausreichend dezentral gilt und damit nicht mehr unter die klassischen Wertpapierregeln fällt. Diese Klarheit fordert die Branche bereits seit Jahren, um mehr Planungssicherheit für Unternehmen, Investoren und die weitere Entwicklung des Kryptosektors zu schaffen.

Das Zeitfenster für eine Verabschiedung wird kleiner

Ob der CLARITY Act tatsächlich noch 2026 verabschiedet wird, hängt nun maßgeblich vom politischen Kalender in Washington ab. Zwar finden die Midterm Elections erst im November statt, erfahrungsgemäß beginnt die politische Aufmerksamkeit jedoch bereits Monate zuvor zunehmend in Richtung Wahlkampf abzuwandern. Deshalb betrachten viele Analysten die kommenden Monate als entscheidende Phase für das Gesetz.

Sollte der Entwurf bis dahin nicht deutlich vorankommen, könnte sich der gesamte Prozess erneut verzögern. Zusätzlich besteht das Risiko, dass sich nach den Wahlen die politischen Mehrheitsverhältnisse verändern und einzelne Bestandteile des Gesetzes erneut verhandelt werden müssen.

Hinzu kommt, dass die Trump-Regierung die Regulierung digitaler Vermögenswerte zu einem ihrer wirtschaftspolitischen Schwerpunkte erklärt hat. Entsprechend groß ist derzeit der politische Druck, zumindest einen Teil der Krypto-Gesetzgebung noch vor den Midterms abzuschließen.

Welche Auswirkungen hätte das für Bitcoin und Krypto?

Eine Verabschiedung des CLARITY Act würde von vielen Marktteilnehmern als Meilenstein für die gesamte Branche angesehen werden. Vor allem institutionelle Investoren könnten von deutlich mehr Rechtssicherheit profitieren.

Auch für Börsen, Stablecoin-Anbieter und DeFi-Projekte würde ein klarer regulatorischer Rahmen die langfristige Planung erheblich erleichtern. Zudem könnten zahlreiche Streitigkeiten zwischen SEC und CFTC erstmals verbindlich geregelt werden.

Trotzdem sollte die Bedeutung des Gesetzes nicht überschätzt werden. Auch wenn eine Verabschiedung langfristig positive Auswirkungen auf die Branche haben dürfte, hängen die kurzfristigen Kursentwicklungen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen weiterhin von Faktoren wie Geldpolitik, Liquidität, geopolitischen Entwicklungen und der allgemeinen Risikobereitschaft der Anleger ab.

 

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