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Bauunternehmer Ortwin Goldbeck auf Markengala für Lebenswerk ausgezeichnet

| Oliver Götz

Preisträger Ortwin Goldbeck mit Laudator Zinkann und Weimer Media Group-Verlegerin Goetz-Weimer
Reinhard Zinkann, Chef von Miele, Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin WEIMER MEDIA GROUP und Preisträger Ortwin Goldbeck auf der Markengala im TAJ Hessischer Hof (v.l.). (Foto: WMG)

Auf der Markengala in Frankfurt wird Ortwin Goldbeck für sein unternehmerisches Wirken geehrt. Miele-Chef Reinhard Zinkann hält die Laudatio auf einen bescheidenen Menschen mit einer genialen Idee.

Eine starke Marke, das ist mehr als ein Name, ein Logo oder ein erfolgreiches Produkt. Sie steht für eine Idee, für Haltung und für das Vertrauen, das Menschen in sie setzen. Manche Marken entstehen über Jahrzehnte, andere wachsen aus einer einzigen überzeugenden Vision. „Eine Marke ist ein Versprechen“, beschreibt es Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der gastgebenden Weimer Media Group in ihrer Rede zur Eröffnung der renommierten Gala. Eines, das über Jahre, manchmal Generationen hinweg, gehalten werden müsse. „So entsteht Vertrauen und Vertrauen ist wahrscheinlich das kostbarste Kapital in unserer volatilen Welt.“ Menschen würden nicht an Produkte glauben, so Goetz-Weimer weiter, „Menschen glauben an Marken.“

Markengala erstmals im TAJ Hessischer Hof: Treffpunkt für Inspiration

Hinter diesen Marken stehen so gut wie immer Persönlichkeiten, die etwas wagen, Bestehendes hinterfragen und ihre Visionen mit Beharrlichkeit in die Wirklichkeit übersetzen. Die Markengala bringt seit mehr als zwei Jahrzehnten diejenigen zusammen, die mit ihrem unternehmerischen Wirken, ihrer Kreativität und ihrem Gespür für gesellschaftliche Entwicklungen Maßstäbe setzen.

Hier begegnen sich Entscheider und Vordenker, etablierte Unternehmer und kreative Gestalter. Sie tauschen Ideen aus, knüpfen Kontakte und feiern jene, deren Leistungen über das Übliche hinausstrahlen. Die Markengala ist also weit mehr als eine bloße Preisverleihung. „Sie ist ein Treffpunkt für Inspiration, Austausch und Begegnung, ein Ort, an dem neue Ideen entstehen und Netzwerke wachsen“, schwärmt Goetz-Weimer.

In diesem Jahr fand die traditionsreiche Gala zum Abschluss des zweitägigen Frankfurt Finance & Future Summit erstmals im TAJ Hessischer Hof statt. Auch in neuem, exklusivem Rahmen, standen aber die Menschen im Mittelpunkt, die ihre Namen zu Marken gemacht haben – und deren Geschichten zeigen, wie aus einer Vision nachhaltiger Erfolg werden kann.

Living-Brand Award geht an Ortwin Goldbeck

Wie kaum einem Zweiten ist das dem Unternehmer Ortwin Goldbeck gelungen. Der Gründer des gleichnamigen Bauunternehmens wurde auf der Gala für seine Pionierleistung in der Bauwirtschaft und den Aufbau einer international erfolgreichen Marke als „Living Brand“ geehrt. Der Award würdigt Persönlichkeiten, die Marken mit globaler Strahlkraft geschaffen haben und deren Name untrennbar mit ihrem unternehmerischen Wirken verbunden ist. Zu den bisherigen Preisträgern gehörten unter anderem Thomas Gottschalk, Markus Lanz, Dieter Hallervorden, Philipp Lahm und Judith Williams.

Goldbeck habe das „Bauen neu gedacht und mit seiner Idee des industriellen Bauens ein europaweit erfolgreiches Unternehmen geschaffen“, hieß es in der Begründung der Jury. Der Unternehmer habe mit seiner Idee, Bauteile industriell vorzufertigen und individuell zu Gebäuden zusammenzufügen, die Bauwirtschaft revolutioniert und eine „Marke

geschaffen, die von Ostwestfalen in die Welt strahlt“. Ein internationaler Milliardenkonzern. Die Geschäftsführung liegt seit 2007 bei Goldbecks Söhnen Jörg-Uwe und Jan-Hendrik. Sie führen fort und entwickeln weiter, was der Vater einst praktisch aus dem Nichts erschaffen hat.

Aus 300.000 D-Mark Kredit werden über sechs Milliarden Euro Umsatz

Reinhard Zinkann, Geschäftsführer der Miele-Gruppe, wie Goldbeck einst in Ostwestfalen gegründet, blickte in seiner Laudatio zurück. Mit gerade einmal sieben Mitarbeitern sei Ortwin Goldbeck 1969 in die Selbstständigkeit gestartet, habe einen Kredit über 300.000 D-Mark aufgenommen, für damalige Verhältnisse eine riesige Summe, und habe sogar seine Frau als Bürgin installieren müssen. Die sei damals verbeamtete Lehrerin gewesen.

„Manchmal hat ein Beamtenstatus auch einen Vorteil“, scherzte Zinkann. „Wenn man heute sagt, hinter einem erfolgreichen Mann steht eine stolze und vielleicht noch viel erfolgreichere Frau, die ihn trägt, dann ist das leicht gesagt. Im Falle der Familie Goldbeck ist es Wahrheit und Vorbild.“ Heute, viele Jahrzehnte später, beschäftige Goldbeck 14.000 Mitarbeiter in 21 Ländern und setze mehr als sechs Milliarden Euro im Jahr um.

Zinkann würdigte Goldbeck als Unternehmer mit klarem Wertekanon. „Wir schreiben unsere Strategie mit Bleistift, aber unsere Werte mit Füller“, habe Goldbeck ihm einmal gesagt. „Ein wunderbares Bild.“ Strategien schließlich müssten sich verändern, wenn sich Märkte veränderten, neue Technologien entstünden. Dazu gehöre auch, dass Pläne einmal scheiterten, doch „die Werte, die bleiben“.

1984, schon früh in der Unternehmensgeschichte, führte Goldbeck beispielsweise eine Mitarbeiterbeteiligung ein. Darüber hinaus engagierte sich der Unternehmer in der Gesellschaft und in seiner Heimatregion. 2009 gründete Goldbeck gemeinsam mit seinen Söhnen die Goldbeck-Stiftung für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur, Bildung und soziale Projekte.

Mit diesem Engagement habe Goldbeck Möglichkeiten geschaffen, von denen Menschen weit über das Unternehmen hinaus profitierten. „Aber lieber Ortwin, man kann dich auszeichnen, so viel man will, das Wesentliche ist, dass du immer Mensch geblieben bist“, sagte Zinkann. Er nannte den 87-Jährigen einen „sympathischen, bescheidenen, leisen Menschen“.

Goldbeck: Unternehmerische Verantwortung endet nicht am Werktor

Es verwunderte daher nicht, dass Goldbeck in seiner Dankesrede zwar von einer „großen Ehre“ sprach, jedoch schnell versuchte seine Person aus dem Scheinwerferlicht zu holen. Er habe sicherlich eine Reihe von guten Ideen gehabt und die Kraft und den Mut, diese umzusetzen, sagte Goldbeck. Aber vor allem habe er „das große Glück gehabt, Menschen gefunden zu haben, die sich mit mir für die Sache, für die Aufgabe, begeistert haben“.

Vielleicht hat das gerade deshalb so gut funktioniert, weil Goldbeck „niemals Eigennutzen und Gewinnmaximierung als oberstes Ziel betrachtet“ hat. „Ich wollte, das unternehmerisches Handeln Sinn macht, Sinn für die Mitarbeiter, für die Menschen außerhalb des Unternehmens, für die Gesellschaft.“ Unternehmer hätten eine herausragende Stellung in der Gesellschaft und deshalb dürfe deren Verantwortung nicht am Werktor enden, appellierte Goldbeck. „Wir haben als Unternehmer eine Verpflichtung in der Gesellschaft und eine Verpflichtung für die Gesellschaft.“

Moderator Oliver Stock hatte zu Beginn der Gala auf eine größer werdende Lücke in Deutschland zwischen „dem, was wir sagen und dem, was wir tun“ hingewiesen und wie schön es sei, dass hier Menschen versammelt seien, die diese Lücke kleiner machten, die etwas riskierten und Haltung hätten. Ortwin Goldbeck, der sich, wie er noch erzählte, inzwischen an seine Position als jemand, der das unternehmerische Geschehen vom Spielfeldrand aus beobachtet, gewöhnt habe – wenn auch manchmal mit ein bisschen Herzklopfen – steht dafür ganz besonders.

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