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Märkte > IPO Night

Auf der IPO Night finden Mut und Kapital zusammen

| Oliver Götz

Die Gewinner auf der IPO Night-Bühne im Städel, Frankfurt.
Auf der IPO Night in Frankfurt würdigte Europas Hochfinanz herausragende Erfolge am Kapitalmarkt. TKMS wurde in der Kategorie "herausragender Börsengang" ausgzeichnet, RWE gewann in der Kategorie "herausragende Eigenkapitalfinanzierung", Neura Robotics überzeugte die Jury in der Kategorie "herausragende private Finanzierungsrunde". (Foto: WMG)

Eine milliardenschwere Finanzierungsrunde, eine Rekord-Kapitalerhöhung, ein fulminanter Börsengang: Neura Robotics, RWE und TKMS auf IPO Night geehrt.

Unternehmerische Zukunft entsteht nicht von allein. Sie braucht Ideen, den Mut, diese umzusetzen – und Kapital, das aus visionärem Weitblick erfolgsversprechende Strategien werden lässt. Besonders in einem wirtschaftlichen Umfeld, das Firmen mit multiplen Krisen konfrontiert und zu planvollen Entscheidungen zwingt, zeigt sich, wie entscheidend der Zugang zu den Finanzmärkten ist. Wer Investoren überzeugt, kann wachsen, Innovationen vorantreiben und zukunftstragende Weichen stellen. Wer sich dem Kapitalmarkt öffnet, gewinnt finanzielle Spielräume und eröffnet sich neue Perspektiven.

Diese Art des unternehmerischen Muts und Aufbruchs würdigte die IPO Night zum nun bereits vierten Mal per feierlichem Festakt im Städel, Frankfurts bedeutendstem Kunst-Museum. Wo sonst könnte die Kunst des Börsengangs gebührender gefeiert werden, als hier, am linken Mainufer, dem Finanz- und Bankenviertel direkt gegenüber.

Ein Börsengang wie ein Gemälde

„Was den großen Meistern dieses Hauses gelungen ist, verlangt auch ein Börsengang: eine klare Vision, solides Handwerk und den Mut, das eigene Werk der Öffentlichkeit zu zeigen“, beschrieb es Christiane Goetz-Weimer, Verlegerin der WEIMER MEDIA GROUP, in ihrer Rede zur Eröffnung der prominent besuchen Preisverleihung. „Ein Gemälde entfaltet seinen Wert im Auge des Betrachters, ein Unternehmen im Vertrauen der Aktionäre.“

Und so standen auf der IPO Night, die von der WEIMER MEDIA GROUP in Kooperation mit der Deutschen Börse veranstaltet wird, diejenigen im Mittelpunkt, die unternehmerische Chancen erkennen und den Kapitalmarkt als Motor für unternehmerischen Fortschritt nutzen – sei es durch einen gelungenen Börsengang, eine erfolgreiche Eigenkapitalfinanzierung oder eine beeindruckende private Finanzierungsrunde.

Mehr privates Kapital für Deutschland

TV-Moderatorin und Finanzexperten Corinna Wohlfeil, die durch den Abend führte, drückte es so aus: Während auf dem Investitionsgipfel in Berlin darüber diskutiert werde, wie mehr privates Kapital im Land mobilisiert werden könne, „sitzen hier und heute diejenigen, die bewiesen haben, dass wir es können“. Deutsche Börse-Chef Stephan Leithner nahm den Ball später auf. Er habe den Gipfel in der Hauptstadt natürlich mitverfolgt und ein wiederkehrendes Thema sei für ihn die Frage nach Analagemöglichkeiten gewesen. Insofern könne er all die globalen Investoren nur einladen, nächstes Jahr zur IPO Night zu kommen, „denn hier gibt es auf jeden Fall Top-Investitionsmöglichkeiten aus Deutschland“.

„Herausragender Börsengang“ von TKMS

TKMS zum Beispiel. Im Oktober 2025 spaltete sich der U-Boot-Bauer vom Mutterkonzern Thyssenkrupp ab und ging an die Frankfurter Börse. Der IPO geriet derart erfolgreich, dass die Sicherungssysteme der Börse mehrfach hätten eingreifen müssen, weil der Kurs so schnell gestiegen sei, erzählte Deutsche Bank-Chef Christian Sewing rückblickend in seiner Laudatio auf den Preisträger in der Kategorie „Herausragender Börsengang“. Die Aktie war mit 60 Euro gestartet und hatte im Tagesverlauf in der Spitze 107 Euro erreicht.

TKMS profitiert als Spezialist für konventionelle U-Boote, Schiffe sowie maritime Software- und Elektroniksysteme vom globalen Aufrüstungsbestreben. Mit Kanada haben die Kieler den größten U-Boot-Auftrag der Unternehmensgeschichte vereinbart. Es geht um bis zu zwölf jener Boote, die in bester Ausstattung 1,8 Milliarden Euro pro Stück kosten.

Raus aus der Schmuddelecke

Die Auszeichnung nahm CEO Oliver Burkhardt auf der IPO Night persönlich entgegen. Als Frankfurter Bub komme man sehr oft ins Städel, in der Jugend meist unfreiwillig, berichtete er, heute hingegen „mit großer Begeisterung“. Er sei sehr froh mit dem Team hier stehen zu dürfen. Burkhardt erinnerte er unter anderem an die Zeit, in der Unternehmen wie TKMS mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hatten und im gleichen Atemzug mit Glücksspiel und Prostitution genannt wurden.

„Wir wollten immer beweisen, dass wir weder Hütchenspieler noch Zuhälter sind, sondern ehrliche Kaufleute, die in einer hohen Verantwortung für dieses Land Dinge herstellen, dass unser aller freiheitliches System weiter haltbar ist.“ Er sage dies nicht aus Bitterkeit so deutlich, sondern weil es manchmal „Motivation und Ansporn“ sei, den es brauche, „damit man so etwas zu Ende bringt.“

RWE schreibt Kapitalmarkt-Geschichte

RWE hat am Kapitalmarkt gar historisches zu Ende gebracht. Der Essener Energiekonzern wurde auf der IPO Night in der Kategorie „Herausragende Eigenkapitalfinanzierung“ ausgezeichnet. Mit rund vier Milliarden Euro Bruttoerlös geriet die Kapitalerhöhung aus dem Juni 2026 zur größten, die jemals in einem Accelerated Bookbuild-Offering in Deutschland durchgeführt wurde.

Diese Transaktion sei die beste Widerlegung der These, dass der deutsche Kapitalmarkt zu klein, zu langsam, zu vorsichtig sei, würdigte J.P.-Morgan-Deutschland-Chef Alexander Mayer den Erfolg in seiner Laudatio. Solche Transaktionen seien zudem das Ergebnis jahrelanger Arbeit an der Glaubwürdigkeit eines Unternehmens, die deutliche Überzeichnung des Angebots daher kein Zufall gewesen. „Sie haben nicht nur Kapital aufgenommen, sie haben Maßstäbe gesetzt“, schloss Mayer

„Kapitalmarkt kann Spaß machen“

Gunhild Grieve, CFO RWE Offshore Wind, die den Preis entgegen nahm, wollte sich nicht nur über den „Gewinn“ freuen. Die Auszeichnung zeige doch einfach, „dass Kapitalmarkt auch Spaß machen kann“. Normalerweise würden sich Unternehmen ja freuen, wenn über Eigenkapitalmaßnahmen nicht zu lange in der Presse berichtet werde, sagte Grieve. Nicht selten werden die schließlich aus der Not heraus geboren, weil es dringlich an Kapital mangelt. Nicht so bei RWE, das mit dem Geld die Mehrheit am Übertragungsnetzbetreiber Amprion übernehmen konnte. „Wir freuen uns, dass wir

über diese Transaktion hier lange reden werden und wir unsere Strategie damit gefestigt haben und neben den Windkraftanlagen jetzt auch in die Netze investieren, die unseren Wind dann dorthin transportieren, wo er gebraucht wird.“

Milliarden für deutsche Robotik-Hoffnung Neura

Fast täglich redet die Vorstandsvorsitzende des deutschen Startup-Verbands, Verena Pausder, derzeit über Neura Robotics. So jedenfalls erzählt es die Unternehmerin auf der IPO Night in ihrer Laudatio auf das Metzinger Start-up, das in der Kategorie „Herausragende private Finanzierungsrunde“ ausgezeichnet wurde.

Neura Robotics entwickelt seit 2019 kognitive Roboter, die sehen, hören, fühlen und lernen können und sammelte im Juni 2026 im Rahmen einer Serie-C-Finanzierung rund 1,2 Milliarden Euro ein, unter anderem von Amazon, Nvidia und Qualcomm. Hinzu kommt ein Auftragsbestand von in etwa einer Milliarde Euro. „Die Substanz, in die hier gerade investiert wird, sucht ihresgleichen“, lobte Pausder. „Lange hieß es, solche Unternehmen entstünden nur im Silicon Valley. Ihr seid der Beweis, dass wir das auch auf der schwäbischen Alb können.“

Neura Robotics als Börsenkandidat

Jens Fabrowsky, COO Neura Robotics, sprach nach Übergabe des Preises von „einer Ehre“. Er nehme diesen stellvertretend für Neura-Gründer David Reger und das gesamte Team entgegen. Der Erfolg von Neura zeige: „Auch in Europa lässt sich Deep Tech in dieser Größenordnung finanzieren.“ Kämen Kapital, Industrie und Technologie zusammen, dann entstünden „auch hier bei uns in Deutschland die Champions von morgen“.

Von Moderatorin Wohlfeil darauf angesprochen, wie lange es nun noch bis zum Börsengang sei, sagte Fabrowsky, dass er „schon die Hoffnung habe, noch einmal hier stehen zu dürfen“. Die Jury hatte in ihrer Begründung von einem „vielversprechenden künftigen Börsenkandidaten“ gesprochen. Man darf also gespannt sein.

IPO Night als Fixpunkt der Kapitalbranche

Es sind solche Geschichten des Gelingens, „die wir uns noch viel öfter erzählen sollten“, wie es Pausder einforderte. Die IPO Night würdigt sie und „bringt Menschen zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf dieselbe Frage schauen: Wie schaffen wir aus guten Ideen langfristig wirtschaftlichen Erfolg“, wie es Amundi-Deutschland-CEO Christian Pellis in seiner Keynote sagte. Die IPO Night also, so fasste es Verlegerin Goetz-Weimer zusammen, „als ein Fixpunkt für all jene, die Kapital bewegen und mit diesem Kapital Zukunft bauen.“

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