Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Lebensart > Urlaubsziel

Warum jetzt alle nach Albanien reisen

| Vera König

Traumhaft: Der Strand in der Nähe von Lukove (Foto: Shutterstock)

Das Trendziel für den Urlaub in Europa heißt nicht mehr Italien, Spanien oder Kroatien, sondern Albanien. Das Land am Balkan wird unlängst als Urlaubsziel extrem gehypt. Wieso eigentlich?

Schon Pläne für den Herbsturlaub 25 oder den kommenden Sommer? Hm, wie wäre es denn mit Albanien? Das Land am Westbalkan ist derzeit Europas heißester Geheimtipp. War Montenegro mal das neue Kroatien, ist nun Albanien das neue Montenegro. Noch nicht teuer und total überlaufen, immer noch irgendwie ursprünglich und außerdem spannend zu entdecken, so hört man. Seit wenigen Jahren erlebt Albanien einen totalen Touristen-Ansturm. Immer mehr Deutsche entdecken Albanien für sich und überfluten Social Media mit ihren Postings zu den angesagtesten Spots im Land.

Vom Geheimtipp zum Hotspot

Der Balkanstaat zwischen Montenegro, Kosovo, Nordmazedonien und Griechenland, der in etwa so groß ist wie Brandenburg, stieg vom Underdog zum heißbegehrten Urlaubsdomizil auf. Gemessen an Google-Suchanfragen liegt Albanien mit seinen 2,8 Millionen Einwohnern auf Platz vier der gefragtesten Reiseziele der Deutschen. Ob Roadtrip, Strandurlaub, Backpacking oder Familienurlaub: Es gibt viele Möglichkeiten und Gründe, das Land zu entdecken.

Allein die Landschaft. Dort finden sich mehr als 14 Nationalparks und tatata: die Albanischen Alpen. Dazu eine besonders reichhaltige Flora und Fauna, was die unberührte Natur zu einer der artenreichsten in Europa macht. Zudem gibt es diverse Seen zum Baden und Angeln. Neben Wander- und Aktivurlaub ist das Land auch aufgrund seiner Kultur und Historie beliebt. Zudem ist Albanien wegen seiner langen Küstenlinie, der albanischen Riviera, prädestiniert für einen entspannten Beachtrip. Besonders im Süden verstecken sich hinter schroffen Felsen kleine Buchten mit weißem Sand. Die beste Reisezeit für Badeurlaub ist von Juli bis September, für Wandern und Aktivurlaub sind Mai und September optimal.

Neben all den schönen Destinationen: Auch die Rahmenbedingungen packen einen. Albanien punktet mit ehrlicher Gastfreundschaft und günstigen Preisen. Laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes lässt sich in keinem anderen Land Europas billiger Urlaub machen. In Albanien kostet der Urlaub nicht mal halb so viel wie bei uns. Weshalb der Staat derzeit in aller Munde ist, liegt schlicht auch an dessen Propaganda. Da wird getrommelt und 2025 war man das Gastland bei der  Berliner Tourismusmesse ITB.

Radikaler Wandel

Was für ein krasser Umschwung, war Albanien doch mal sehr verschlossen und sehr rückständig. Manche sprachen gar vom isoliertesten Land der Erde. Von 1944 bis 1985 war Albanien, unter dem Alleinherrscher Enver Hoxha eine tiptop Diktatur. Nach Hoxhas Tod verließen etwa 1,7 Millionen Albaner das Land – fast die Hälfte der Bevölkerung. Seit dem Ende des streng kommunistischen Regimes 1991 und dem Kosovo-Konflikt, der vor 16 Jahren endete, erfolgte der mächtige große Umschwung.

Einer, der schon seit über 30 Jahren Albanien bereist und daher die Entwicklung des Balkan-Landes mitbekam, ist Hans Peter Jost. Der Schweizer Fotograf reiste 1991 das erste Mal dorthin. Fasziniert von Albanien war er aber schon als Jugendlicher, als er regelmäßig den Propagandasender Radio Tirana hörte. „Zu dieser Zeit durfte man aber nicht individuell einreisen“, erinnert sich der heute 71-Jährige aus Zürich. Im Frühjahr 1991, als sich der Sturz des kommunistischen Regimes vollzog, konnte Jost durch persönliche Kontakte als einer von wenigen in das nun freie Albanien einreisen. „Als das Flugzeug landete, mussten zunächst die Kühe von der Piste vertrieben werden“, berichtet er. Jost zog durch Albanien, um zu fotografieren. Ein Abenteuer mit äußerst spannenden Foto-Motiven: „50 Jahre lang war das Land abgeriegelt, es war ein Blick in die Vergangenheit. Es war der Zustand des Ursprünglichen“, berichtet Jost. „Die Leute fuhren Fahrrad, es gab wenige Autos und schlechte Straßen.“

Auch in den folgenden Jahren reiste er als Fotograf durch das Land. Als 1997 der sogenannte Lotterieaufstand aufgrund eines zusammengebrochenen Schneeballsystems im Land tobte und ein Aufstand der Bevölkerung mitsamt Staatskrise folgte, pausierte er seine Reisen für einen Moment. Seit 17 Jahren ist er wieder regelmäßig unterwegs, veröffentlichte bereits zwei Bücher über Albanien. „Als ich 2008 in der Hafenstadt Durrës ankam, war die Modernisierung ein Schock“, sagt er über den radikalen Bauboom.

Tourismus pusht die Wirtschaft

Die parlamentarische Demokratie unter Premierminister Edi Rama erlebte zuletzt einen immensen Wirtschaftsaufschwung – bis spätestens 2030 will das NATO-Mitglied der EU beitreten. Doch Mr. Rama hat es nicht so mit der Pressefreiheit. So heißt es bei Übermedien: „Albanien belegt in der Rangliste der Pressefreiheit von ´Reporter ohne Grenzen´ einen bescheidenen 80. Platz.“ Okay, nicht so fein, doch Albaniens Wirtschaft wächst 2025 mit 3,8 Prozent in etwa so stark wie im vergangenen Jahr. Verantwortlich dafür? Der boomende Tourismus, der mehr als ein Viertel der albanischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet. Tendenz steigend. Zwischen 2019 und 2024 verdoppelten sich die Besucherzahlen auf beinah zwölf Millionen. Um noch mehr Gäste unterzubringen, entstehen im Rekordtempo neue Hotels und Tourismusinfrastruktur. Da lässt man die italienischen Asylaufnahmezentren, die man im Land auch baut, mal lieber außen vor.

Dann alles so wie an der Costa Brava?

Der Tourismusboom betraf zuerst Tirana, dann die Küste. „Leider funktioniert Tourismus so, dass etwas im Land leidet oder verlorengeht“, sagt Jost. Daher plädiert er für ein begrenztes Wachstum und einen gehobenen Tourismus. „Ich habe Bedenken, dass es irgendwann wie in Rimini oder an der Costa Brava ist.“ Es gehe darum, das Besondere Albaniens zu bewahren. „Die landschaftliche Vielfalt ist bestechend.“ Mehr noch: „Die Albaner besitzen eine großzügige Gastfreundschaft, die für andere beschämend ist“, sagt Jost, der mittlerweile viele Freunde in Albanien hat.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel