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„Das Altersvorsorgedepot bietet eine echte Chance“

| Oliver Götz

Christian Pellis, CEO Amundi Deutschland
Christian Pellis, CEO Amundi Deutschland, sieht im neuen Altersvorsorgedepot große Chancen. (Foto: Amundi)

Christian Pellis, Chef von Amundi Deutschland, über einen « Paradigmenwechsel » in der Altersvorsorge und warum er mehr Investitionen in Finanzbildung für unabdingbar hält.

BÖRSE am Sonntag: Herr Pellis, mit dem Start des Altersvorsorgedepots im kommenden Jahr schlägt Deutschland ein neues Kapitel in der privaten Altersvorsorge auf. Was bedeutet dieser Neustart jetzt für Sparer?

Christian Pellis: Für alle, die privat für das Alter vorsorgen wollen – und das sollten angesichts der demografischen Realität in Deutschland so viele wie möglich sein – bietet das Altersvorsorgedepot ab 2027 eine echte Chance. Erstmals gibt es eine staatlich geförderte Vorsorgeform, die konsequent auf die Renditechancen des Kapitalmarkts setzt. Das ist ein Paradigmenwechsel. Wer langfristig spart – und Altersvorsorge ist per Definition ein Langfristprojekt – hat mit einem gut strukturierten, breit diversifizierten Depot eine gute Aufstellung für seinen Vermögensaufbau. Das Gesetz gibt Sparerinnen und Sparern jetzt den regulatorischen Rahmen, das auch in der geförderten Altersvorsorge zu nutzen.

Davon dürften Sie als Europas größter Vermögensverwalter profitieren.

Für die Branche insgesamt und natürlich Vermögensverwalter wie Amundi sowie unsere Partner auf der digitalen und auf der Beratungsseite ist dies eine großartige Gelegenheit, mehr Kunden an den Kapitalmarkt zu führen und entsprechend ihrer Präferenzen zu betreuen.

Das Gesetz sieht auch ein digitales Standarddepot vor, das möglichst automatisiert funktionieren soll. Macht die Digitalisierung die persönliche Beratung überflüssig?

Ganz im Gegenteil. Die Digitalisierung des Vertriebswegs und die Qualität der persönlichen Beratung sind kein Widerspruch – sie sind zwei Seiten derselben Medaille. Ein digitaler Abschluss über eine App oder eine Bankplattform senkt die Zugangsschwelle erheblich, und das ist gut so. Aber Altersvorsorge ist eine der komplexesten finanziellen Entscheidungen im Leben eines Menschen. Sie hängt ab von Lebensplanung, Risikotoleranz, steuerlicher Situation – Faktoren, die ein Algorithmus nicht vollständig erfassen kann. Unsere Aufgabe als Amundi ist es, unseren Intermediären – ob Berater, Makler oder digitale Plattform – Lösungen an die Hand zu geben, die professionell sind, einfach, transparent und flexibel.

Mit dem Altersvorsorgedepot erreicht die staatlich geförderte Vorsorge erstmals in großem Maßstab Menschen ohne tiefe Kapitalmarkterfahrung. Welche Verantwortung trägt Ihre Branche?

Eine sehr große. Das ist der Aspekt, den ich in der öffentlichen Diskussion noch zu wenig beleuchtet sehe. Wir sprechen davon, eine völlig neue Anlegergruppe an den Kapitalmarkt heranzuführen – Menschen, die bisher vielleicht ein Sparbuch hatten, aber noch nie erlebt haben, was es bedeutet, wenn ihr Vorsorgevermögen im Wert schwankt. Das Bundesfinanzministerium selbst betont, dass das Standarddepot bewusst so konzipiert wurde, dass es auch für Menschen mit wenig Kapitalmarkterfahrung geeignet ist. Aber die regulatorische Mindestanforderung ist nicht das Ende unserer Verantwortung – sie ist der Anfang. Als Branche müssen wir aktiv in Finanzbildung investieren. Das bedeutet: verständliche Produktinformationen, klare Risikokommunikation, und die Bereitschaft, komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären – ohne dabei inhaltlich zu simplifizieren.

Im In- und Ausland stehen zig Anbieter in den Startlöchern. Mit welchen Argumenten wollen Sie sich durchsetzen – was kann Amundi, was die Konkurrenz nicht kann?

Was uns auszeichnet, ist die Verbindung aus drei Dimensionen, die in dieser Kombination selten ist: erstens globale Investmentkompetenz und Größe – als größte europäische Asset Manager mit über 2,6 Billionen Euro verwaltetem Vermögen bringen wir eine Kapitalmarktexpertise mit, die weit über den deutschen Markt hinausgeht. Zweitens lokale Marktnähe – wir sind seit Jahrzehnten tief im deutschen Markt verwurzelt, kennen die regulatorischen Besonderheiten, die Vertriebslandschaft und die Bedürfnisse der deutschen Anleger. Und drittens digitale Zugänglichkeit – wir gestalten aktiv die Schnittstellen zu Endkunden über unsere Vertriebspartner, digital Bank und Broker sowie über B2B-Lösungen, die das Altersvorsorgedepot in ihr Produktangebot integrieren wollen.

Was ist Ihre Botschaft an Intermediäre – Banken, Versicherer, Vermittler –, die jetzt ihre Altersvorsorge-Depot-Strategie aufstellen?

Handeln Sie jetzt. Das klingt nach einer Marketingformel, aber es ist eine nüchterne Markteinschätzung. Der 1. Januar 2027 ist näher, als er wirkt – und die Implementierungstiefe, die ein zertifiziertes, regulatorisch konformes Altersvorsorge-Depot-Angebot erfordert, sollte nicht unterschätzt werden. Unsere Botschaft an alle ist: Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Amundi bringt die Investmentplattform, die Produktlösungen und die Expertise mit – als strategischer Partner, der sich in Ihre Wertschöpfungsarchitektur integriert, nicht gegen sie positioniert. Gleichzeitig plädiere ich dafür, dass wir gemeinsam – Anbieter, Vertrieb, Politik und Medien – den Aufbau von Finanzbildung als kollektive Aufgabe begreifen. Denn das Vertrauen der neuen Anlegergeneration, die wir mit dem Altersvorsorge-Depot gewinnen wollen, ist das wertvollste Kapital, das wir langfristig aufbauen können.

Christian Pellis ist Redner auf der IPO Night in Frankfurt, die im Rahmen des Frankfurt Finance & Future Summit in der Main-Metropole stattfindet. Am 21. und 22. Oktober 2026 kommen im Frankfurter Kap Europa Entscheider aus Finanz- und Realwirtschaft zusammen. Zur exklusiven IPO Night am ersten Abend des Summits im Städel-Museum sind auch Christian Sewing, CEO der Deutschen Bank, Dr. Stephan Leithner, CEO der Deutsche Börse Group, Dr. Alexander Mayer, Deutschland- und Österreich-Chef von J.P. Morgan, und Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verbands, angekündigt.

 

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