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DAX 2026 im Check: Die zehn großen Themen für Investoren

Kursverlauf als Graphik.
Der Dax 2026: wohin geht die Reise für Deutschlands Leitindex? (Foto: Zakharchuk / Shutterstock)

Was bewegt Deutschlands Leitindex im kommenden Jahr? Ein Blick auf Kurspotenziale, Unternehmensgewinne, Dividenden und KGVs.

Von Anja Schneider, Produktmanager und Andreas Hürkamp, Aktienmarktstratege, Société Générale 

 

1. DAX dürfte 2026 erstmals seit vielen Jahren wieder Rückenwind von der mit 1,2 Prozent wachsenden deutschen Konjunktur bekommen

Seit drei Jahren tritt die deutsche Wirtschaft in einer enttäuschenden Stagnation auf der Stelle. Doch das dürfte sich dank des großen Fiskalpakets der deutschen Regierung und den steigenden Verteidigungsausgaben in Europa 2026 endlich ändern. Wir erwarten für die deutsche Konjunktur eine Wachstumsbeschleunigung von 0,1 Prozent im Jahr 2025 auf 1,2 Prozent im Jahr 2026. Ab dem ersten Quartal 2026 dürfte die Wirtschaft robust und stetig mit Raten von 0,3 bis 0,4 Prozent von Quartal zu Quartal zulegen. Damit werden viele DAX-Unternehmen 2026 vermutlich erstmals seit vielen Jahren wieder Rückenwind von einem wachsenden Heimatmarkt bekommen.

2. DAX profitiert davon, dass die US-Wirtschaft 2026 erneut mit einem Wachstum von 2,2 Prozent positiv überraschen dürfte

Manche Investoren blicken zum Jahreswechsel 2026 mit Sorgen auf die US-Konjunktur, denn wichtige Frühindikatoren wie der ISM-Index für die Industrie und das US-Konsumentenvertrauen bewegen sich weiterhin auf einem besorgniserregend niedrigen Niveau. Wir sind dagegen überzeugt, dass die US-Konjunktur 2026 mit einem Wachstum von 2,2 Prozent erneut positiv überraschen wird. So dürften die bereits erfolgten sieben Leitzinssenkungen der US-Notenbank der US-Konjunktur zunehmend unter die Arme greifen. Die 2025 lähmende politische Unsicherheit aufgrund des Handelskriegs dürfte 2026 deutlich abnehmen, da mittlerweile ein Großteil der Handelsdeals in trockenen Tüchern ist. Die US-Steuerreform dürfte 2026 positiv wirken, da viele Unternehmen von neuen Abschreibungsregeln profitieren, und die Deregulierung dürfte 2026 Fahrt aufnehmen. Zudem wird die US-Konjunktur wohl weiterhin von anhaltend hohen Unternehmensinvestitionen im Bereich Künstliche Intelligenz Rückenwind bekommen.

3. Der wahrscheinlich auf 2,5 Prozent sinkende US-Leitzins entwickelt sich 2026 zu einem starken DAX-Bullenfaktor

2025 war das Jahr der Europäischen Zentralbank (EZB), die ihren Einlagensatz kräftig auf 2,0 Prozent nach unten angepasst hat. Da die Inflation im Euroraum mittlerweile wieder im 2 Prozent-Zielbereich der EZB angekommen ist, werden sich die Leitzinsen im Euroraum 2026 wohl nicht ändern. Doch dafür wird 2026 vermutlich die US-Notenbank einspringen, die ihren Leitzins (Obergrenze) kräftig in fünf Schritten von derzeit 3,75 Prozent auf 2,50 Prozent reduzieren dürfte – auch wenn die US-Inflation voraussichtlich auch Ende 2026 weiterhin hartnäckig im Bereich von 3,0 Prozent verharren wird. Doch im Mai startet die Amtszeit des neuen Fed-Vorsitzenden, und der sich mittlerweile als neuer Fed-Chef abzeichnende Kevin Hasset ist ein Verbündeter des US-Präsidenten Donald Trump und ein Verfechter einer lockeren Geldpolitik. Dank dieses Führungswechsels bei der Fed dürften sich 2026 fallende US-Leitzinsen zu einem wichtigen Bullenfaktor für DAX-Investoren entwickeln. In den Jahren 2000 und 2007 sind DAX-Bullenmärkte auch deshalb ausgelaufen, weil die US-Leitzinsen Schritt für Schritt immer höhere Niveaus erreichten und die US-Geldpolitik immer restriktiver wurde. Für das Börsenjahr 2026 halten wir einen solchen Kurswechsel der US-Notenbank und damit ein DAX-Bärenmarktszenario für unwahrscheinlich.

4. 2026 dürfte es endlich wieder Phasen mit positiven Gewinnrevisionen der Analysten für die DAX-Unternehmensgewinne geben

Die Unternehmensgewinne der DAX-Aktien haben sich 2025 enttäuschend entwickelt. Monat für Monat haben die Analysten die Gewinnerwartungen nach unten revidiert, und das Gewinnrevisionsmomentum für die 40 DAX-Unternehmen war fast durchgängig negativ. So gab es Mitte 2025 30 DAX-Unternehmen, für die die Analysten ihre Gewinnerwartungen reduzierten. Dem standen damals nur zehn DAX-Aktien mit positiven Gewinnrevisionen gegenüber. Vor allem der starke Euro und die schwache deutsche Konjunktur, aber auch die hohe Unsicherheit aufgrund des Handelsstreits mit den USA trübten 2025 die Gewinnaussichten am deutschen Aktienmarkt. Doch 2026 dürfte sich das Konjunkturumfeld für die DAX-Unternehmen deutlich verbessern: Die Euro-Aufwertung dürfte an Fahrt verlieren, die deutsche Konjunktur wächst wohl endlich wieder, und die politische Unsicherheit dürfte abnehmen. Daher erwarten wir, dass es 2026 endlich auch wieder Phasen mit einem positiven Gewinnrevisionsmomentum am deutschen Aktienmarkt geben wird. Schon für die vergangenen drei Monate zeigt sich eine deutliche Verbesserung: Die Unternehmensanalysten haben im vergangenen Quartal bereits für 17 DAX-Unternehmen ihre Prognose für den Gewinn je Aktie im Geschäftsjahr 2026 nach oben angepasst, während 23 DAX-Unternehmen fallende Gewinnprognosen hatten.

5. Die DAX-Unternehmensgewinne werden nach einem enttäuschenden 2025 im Geschäftsjahr 2026 wahrscheinlich um 6 bis 8 Prozent wachsen

Dank des sich verbessernden DAX-Gewinnrevisionsmomentums wird damit für das DAX-Geschäftsjahr 2026 vermutlich nicht passieren, was die DAX-Rally 2025 seit dem Frühjahr gebremst hat: Das für das Geschäftsjahr 2025 erwartete DAX-Gewinnwachstum ist von optimistischen 11 Prozent im Januar auf enttäuschende –1 Prozent im Dezember gefallen. Damit ist es bereits das dritte Geschäftsjahr in Folge, in dem die DAX-Unternehmensgewinne stagniert haben. Nach dem enttäuschenden 2025 blicken die Unternehmensanalysten nun erneut zuversichtlich auf 2026 und erwarten ein DAX-Gewinnwachstum von 13 Prozent. Wir halten diese Prognose für etwas zu optimistisch, denn negative Trends wie der anhaltend starke Euro und der 2025 eingeführte US-Importzoll von durchschnittlich 14 Prozent für deutsche Exporte in die USA dürften die DAX-Unternehmensgewinne auch 2026 noch etwas bremsen. Doch positive Trends wie die endlich wieder wachsende deutsche Konjunktur, die mittlerweile wieder expansive Geldpolitik der europäischen Notenbank mit einem niedrigen Einlagensatz von 2 Prozent und der Beginn von Effizienzverbesserungen durch den Einsatz von KI-Tools sprechen dafür, dass es den DAX-Unternehmen 2026 gelingen sollte, ihre Gewinne um 6 bis 8 Prozent zu steigern.

6. DAX-Bewertungskennzahlen wie das KGV mit 15 und das KBV mit 1,8 werden sich 2026 wohl seitwärts bewegen

Im Frühjahr 2025 waren wir etwas vorsichtiger geworden in unserer Einschätzung für den DAX, da damals DAX-Bewertungskennziffern erstmals wieder Niveaus erreicht hatten, die in vergangenen DAX-Zyklen regelmäßig eine abnehmende Aufwärtsdynamik für den DAX angekündigt haben. So war das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den DAX auf 15 gestiegen, verglichen mit einem 10-Jahres-Durchschnitt von 13. Und auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) notierte mit 1,8 wieder deutlich über dem Mittel der vergangenen zehn Jahre von 1,6. Für das Börsenjahr 2026 erwarten wir nun, dass sich die DAX-Bewertungskennzahlen auf diesen erreichten hohen Niveaus seitwärts bewegen werden. Die DAX-Performance im Börsenjahr 2026 dürfte damit davon abhängen, wie stark die DAX-Unternehmensgewinne und die Buchwerte in den DAX-Bilanzen 2026 wachsen werden. Wir halten für beide Größen ein Wachstum von 6 bis 8 Prozent für möglich, was damit auch ungefähr das Performancepotenzial für den DAX 2026 sein dürfte.

7. 25 DAX-Unternehmen zahlen 2026 wahrscheinlich eine höhere Dividende

DAX-Investoren dürfen sich auf einen voraussichtlich guten DAX-Dividendenjahrgang 2026 freuen. Auf Basis der derzeitigen Markterwartungen erwarten die Analysten für 25 der 40 DAX-Unternehmen eine steigende Dividende für das Geschäftsjahr 2025, und 18 der 40 DAX-Unternehmen bieten zurzeit eine erwartete Dividendenrendite von mehr als 3 Prozent. Wie in den Vorjahren sind es vor allem Unternehmen aus den Sektoren Banken, Versicherungen und Versorger, die ihre Dividende anheben dürften. Für stark konjunkturabhängige DAX-Aktien wie BASF, Brenntag, Continental und Deutsche Post wird dagegen eine unveränderte Dividende erwartet. Im DAX-Autosektor dürften dagegen für einen Großteil der Unternehmen die Dividenden weiter sinken.

8. Die DAX-Dividendensumme dürfte 2026 um 1,6 Prozent auf 51,8 Milliarden Euro sinken

Einige DAX-Unternehmen dürften 2026 dank einer steigenden Dividende je Aktie deutlich mehr an ihre Aktionäre ausschütten. So dürfte die Deutsche Bank ihre Ausschüttung um ungefähr 600 Millionen Euro auf 1.900 Millionen Euro erhöhen. Für die Allianz zeichnet sich eine um 500 Millionen Euro auf 6.450 Millionen Euro steigende Ausschüttung ab. Und auch die Deutsche Telekom dürfte ihre Ausschüttung kräftig um 400 Millionen Euro auf 4.800 Millionen Euro anheben. Zudem wird Siemens Energy wohl 550 Millionen Euro ausschütten, nachdem das Unternehmen drei Jahre in Folge keine Dividende gezahlt hat.

Trotz dieser teilweise kräftig steigenden Dividendenausschüttungen dürfte die DAX-Dividendensumme für das Geschäftsjahr 2025 um 1,6 Prozent auf 51,8 Milliarden Euro sinken, da sich im Autosektor erneut kräftig sinkende Dividendenzahlungen abzeichnen. So dürfte die Dividendenausschüttung von Mercedes-Benz um rund 2.000 Millionen Euro auf 2.100 Millionen Euro schrumpfen. Für Volkswagen gehen die Markterwartungen derzeit von einem Rückgang um 1.000 Millionen Euro auf 2.200 Millionen Euro aus. Und auch für BMW soll die Dividendenausschüttung um 200 Millionen Euro auf 2.400 Millionen Euro sinken.

9. DAX-Versicherer lösen mit einer Ausschüttung von 10,7 Milliarden Euro die DAX-Autos wahrscheinlich als dividendenstärksten DAX-Sektor ab

Aufgrund der insbesondere bei Mercedes-Benz und Volkswagen stark fallenden Dividendenausschüttungen werden für das Geschäftsjahr 2026 wohl nur noch rund 7.500 Millionen Euro nach 11.800 Millionen Euro aus dem Auto-Sektor kommen, was einem Rückgang um 37 Prozent entsprechen würde. Hier ist jedoch auch zu berücksichtigen, dass mit der Porsche AG ein kräftiger Dividendenzahler – 1.050 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2024 – den DAX 2025 verlassen musste. Der Anteil der »Auto-Dividenden« im DAX dürfte von 22,4 Prozent auf 14,5 Prozent sinken.

Für den DAX-Versicherungssektor erwarten die Analysten dagegen ein Wachstum der Dividendenausschüttung um 11 Prozent auf rund 10.700 Millionen Euro. Der Anteil der »Versicherer-Dividenden« im DAX dürfte damit von 18,3 auf 20,6 Prozent steigen. Damit steht 2026 am deutschen Aktienmarkt wohl ein Gezeitenwechsel bevor. Im Geschäftsjahr 2011 hatte der DAX-Autosektor den DAX-Versorgersektor, dessen Gewinne und Dividenden damals infolge der Energiewende in Deutschland unter Druck gerieten, als dividendenstärksten Sektor abgelöst. Und 14 Jahre später überholt nun wahrscheinlich der Versicherungssektor den Autosektor, dessen Gewinne und Dividenden unter anderem durch den verschärften Wettbewerb mit chinesischen Herstellern im Markt für Elektroautos unter Druck geraten sind.

10. Es dürfte auch 2026 zwei oder drei DAX-Konsolidierungen geben, in denen der VDAX deutlich über die Marke von 20 klettert

Die Nervosität an den Aktienmärkten hat 2025 unter anderem aufgrund des von den USA angezettelten Handelskriegs deutlich zugenommen. So hat 2025 die implizite Volatilität VDAX als Angstbarometer für den deutschen Aktienmarkt bis zum 9. Dezember 2025 bereits an 69 Handelstagen über der Marke von 20 notiert – im Börsenjahr 2024 waren es gerade einmal drei Handelstage. Wir erwarten auch für 2026 zwei oder drei Marktphasen, in denen der DAX konsolidieren und der VDAX über die Marke 20 klettern wird. So dürfte US-Präsident Donald Trump auch 2026 im Vorfeld der Zwischenwahlen im November 2026 mit seiner unsteten und überraschenden Politik zwischenzeitlich immer wieder für Verunsicherung sorgen. Zudem könnte mit Blick auf den Wechsel an der Fed-Spitze im Mai 2026 eine zwischenzeitlich höhere US-Inflation dafür sorgen, dass steigende Renditen und sinkende US-Zinssenkungsfantasie den Aktienmärkten wehtun. 2026 werden wohl auch wegen der teilweise ambitionierten Aktienbewertung immer wieder Diskussionen beispielsweise im Bereich Künstliche Intelligenz aufkommen, ob sich die Aktienmärkte nicht in einer Blase befinden, die jederzeit platzen könnte – insbesondere, wenn eine Quartalsgewinnsaison mal nicht die hohen Erwartungen der Unternehmensanalysten erfüllen sollte.

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