Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 live: Tag zwei im Ticker
Prominente Köpfe aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien: Die Top-Entscheider treffen sich von 28. bis 30. April 2026 beim Ludwig-Erhard-Gipfel am Tegernsee. Lesen Sie alle Höhepunkte der Konferenz im Live-Ticker.
Mehr als 100 Speaker an drei Tagen
Gastgeber der dreitägigen Konferenz ist die Verlagsgruppe WEIMER MEDIA GROUP, Co-Veranstalter des ersten Tages ist die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. Der Gipfel begeht in diesem Jahr seine 12. Auflage. Unter dem Motto „Zurück an die Weltspitze: Wie gelingt Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung?“ sind mehr als 100 Speaker auf der Bühne zu hören, über 1000 Gäste werden erwartet. Die komplette Veranstaltung ist via Live-Stream auf www.ludwig-erhard-gipfel.de verfolgbar.
Zukunftsstratege Jung: „Zukunft ist keine Prognose, sondern eine Entscheidung."
17:58 Uhr: Mit diesem Appell, Herausforderungen anzupacken und öfter mal zu machen, statt zu lange über eine Entscheidung nachzudenken, endet der zweite Konferenztag am Tegernsee. Morgen geht es mit dem „Innovation & Science Day“ weiter.
Zukunftsstratege Stephan Jung mahnt auf dem Ludwig-Erhard Gipfel mehr Entscheidungsfreudigkeit an. (Foto: WEIMER MEDIA GROUP)
17:52 Uhr: Jung formuliert drei zentrale Entscheidungen, die darüber bestimmen, ob Gesellschaften die kommenden Jahre lediglich „verwalten oder aktiv gestalten“. Erstens: Unsicherheit müsse als Normalzustand akzeptiert werden – nicht als Störung. Der „perfekte Zeitpunkt“ werde nie kommen, daher dürfe Warten keine Option sein. Klarheit entstehe nicht durch Abwarten, sondern durch Handeln. Unsicherheit dürfe keine Ausrede sein, weniger zu entscheiden. Zweitens plädiert Jung für mehr Tempo bei reversiblen Entscheidungen. Viele Entscheidungen ließen sich später korrigieren – etwa in Pilotprojekten oder bei Prozessen, die neu gedacht werden können. Drittens gelte es, aktive Optionen aufzubauen. „Wer keine Handlungsoptionen entwickle, zahle später den Preis der Abhängigkeit.“
17:46 Uhr: Zukunftsstratege Stephan Jung eröffnet seine Keynote zum Abschluss des zweiten Gipfeltages mit einer klaren These: „Zukunft ist keine Prognose, sondern eine Entscheidung." Zwar lebe man in einer Zeit, in der Vorhersagen über Märkte, Technologien und Krisen Hochkonjunktur hätten – doch die Realität sei, dass sich Zukunft nicht berechnen lasse, sondern gestaltet werden müsse.
Expertin Nina Ruge gibt Tipps zur gesunden Langlebigkeit
17:32 Uhr: Die bittere Konsequenz: Aus Altern wird Krankheit. Im internationalen Vergleich sind die Deutschen elf Jahre krank bis zu ihrem Tod. „Das Ziel von Healthy Longevity ist daher nicht, die Lebensspanne zu verlängern, sondern die Gesundheitsspanne“, erklärt Ruge. Das gelinge durch die Langlebigkeitspyramide mit Faktoren wie Lebensstil, Hormonen und Zukunftstherapien.
TV-Moderatorin und Buchautorin Nina Ruge klärt das Publikum über Mythen und Fakten rund um Healthy Longevity auf (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
17:24 Uhr: Zwischen Hoffnung und Hype: In diesem Spektrum bewegt sich das Thema gesunde Langlebigkeit. Einen Impulsvortrag zum Megatrend Healthy Longevity hält TV-Moderatorin, Buchautorin und Journalistin Nina Ruge. „Der Longevity-Markt ist voller Betrüger“, sagt Ruge über die zahlreichen angeblichen klinischen Studien. „Es ist ein Dschungel voller Versprechungen und daher sind die Menschen zu Recht verunsichert“, ergänzt sie. Daher versteht sich Ruge laut eigener Aussage als „Bullshit-Filter“. Validiert gibt es 14 Merkmale des Alterns (Englisch: “Hallmarks of Aging“) und die epigenetische Uhr. „Die Lebensstilfaktoren schlagen sich auf der epigenetischen Uhr wider“, erklärt die Expertin.
TUM-Unfallchirurg Biberthaler: „Deutschland kann wahnsinnig tolle Sachen" – Nur die Regulatorik stehe zu oft im Weg
17:15 Uhr: Ralf Kuhlen, Chief Medical Officer von Fresenius, hebt hervor, dass KI weit über dokumentarische Unterstützung hinausgeht. Es werde Systeme geben, die Ärzten im Alltag helfen und wie ein ständig verfügbarer erfahrener Kollege funktionieren, der alle relevanten Daten im Blick habe. Doch großes Potenzial liege auch in der prädiktiven Kraft der Technologie. KI könne heute bereits Hinweise auf gesundheitliche Entwicklungen geben, lange bevor Symptome sichtbar werden. In Verbindung mit einem EKG lasse sich beispielsweise erkennen, ob ein Patient künftig eine Herzmuskelschwäche entwickeln könnte. Dadurch lasse sich deutlich effektiver therapieren: Statt erst zu reagieren, wenn eine Erkrankung bereits eingetreten sei und dann „detektivisch nach der Ursache zu suchen“, ließen sich Wahrscheinlichkeit früh erkennen.
Auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel diskutieren Experten aus der Wirtschaft und der Medizin Einsatzmöglichkeiten von KI im Gesundheitssektor. (Foto: WEIMER MEDIA GROUP)
16:52 Uhr: Unfallchirurg Biberthaler sieht Deutschland in vielen Bereichen technologisch weiterhin in einer führenden Position. Gerade in der Medizin und bei digitalen Anwendungen gebe es enormes Potenzial, das Patientenversorgung deutlich verbessern könnte. Aus seiner Sicht scheitert die Umsetzung jedoch häufig nicht an der Technologie selbst, sondern an zu starren Regularien. Viele innovative Lösungen könnten deutlich schneller und wirkungsvoller eingesetzt werden würden bestehende Vorgaben pragmatischer gestaltet. Deutschland könne „wahnsinnig tolle Sachen“ für den Nutzen der Patienten erreichen, wenn regulatorische Hürden auf ein vernünftiges Maß reduziert würden.
16:47 Uhr: Christian Egle, Partner und Healthcare-Leader EMEIA bei EY, betont den enormen finanziellen Druck im deutschen Gesundheitswesen. Gerade deshalb müsse jedes Digitalisierungs- und KI-Projekt unmittelbar einen spürbaren Nutzen bringen – sei es bei Medikation, Therapiestärke oder Patientensicherheit. Dafür brauche es vor allem eines: eine verlässliche und sauber strukturierte Datenbasis. KI könne nur dann mehr sein als eine reine Show-Veranstaltung, wenn die zugrunde liegenden Daten stimmten und daraus tatsächlich bessere medizinische Ergebnisse entstünden.
16:40 Uhr: Folke Tedsen, Head of Claims and Healthmanagement bei HanseMerkur, schildert, wie Künstliche Intelligenz bereits heute ganz praktisch im Versicherungsalltag eingesetzt wird. Nicht jeder Arztbesuch sei tatsächlich notwendig – KI könne dabei helfen, Patienten gezielter durch das Gesundheitssystem zu navigieren. Schon heute arbeite HanseMerkur mit Symptomcheckern, die erste Anhaltspunkte liefern und Kunden eine schnellere Einschätzung ihrer Situation ermöglichen. Ein Beispiel sei die Reisekrankenversicherung: Erkrankt ein Kunde etwa während eines Aufenthalts in Ägypten, müsse er vor Ort häufig zunächst hohe Summen in bar für einen Arztbesuch zahlen. Über den Symptomchecker könne stattdessen zunächst digital geprüft werden, wie dringend eine Behandlung tatsächlich sei und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.
16:36 Uhr: Dieter Weißhaar, CEO der myneva Group, beschreibt den zunehmenden Druck auf die Pflegebranche: Mit dem Eintritt der Babyboomer-Generation ins Pflegealter steige die Nachfrage nach Betreuung massiv, während gleichzeitig das Angebot an Fachkräften immer kleiner werde. Schon heute sei der Personalmangel dramatisch. In einer klassischen Acht-Stunden-Schicht entfielen rund zwei Stunden allein auf Dokumentation und administrative Aufgaben – ein Aufwand, den sich das System langfristig nicht mehr leisten könne. Durch KI-gestützte Sprachdokumentation lasse sich davon bereits heute rund eineinhalb Stunden einsparen. Das verschaffe Pflegekräften mehr Zeit für das, worauf es wirklich ankomme: die direkte Arbeit mit den Menschen. Die Dimension des Problems sei enorm: In Europa arbeiten derzeit rund 7,3 Millionen Pflegekräfte, gleichzeitig gehe etwa eine Million davon in den Ruhestand. Insgesamt würden in den kommenden Jahren rund vier Millionen Fachkräfte fehlen – etwa ein Viertel davon, also rund eine Million, allein in Deutschland
16:27 Uhr: Das letzte Panel des Future & Finance Days auf dem Ludwig-Erhard Gipfel beschäftigt sich mit „Dr. KI – wie Mensch und Maschine Gesundheit und Pflege verändern“. David Matusiewicz, Founder 10xD & LinkedIn Top Voice, wagt den „Deep-Dive“ mit Christian Egle, Partner, Leader Healthcare EMEIA EY, Peter Biberthaler, Direktor Unfallchirurgie MRI TUM, Ralf Kuhlen, Chief Medical Officer Fresenius, Folke Tedsen, Head of Claims and Healthmanagement HanseMerkur und Dieter Weißhaar, CEO myneva Group.
Wehrbeauftragter des Bundestages: Deutschland soll die stärkste konventionelle Armee Europas werden
15:52 Uhr: „Deutschland muss die stärkste konventionelle Armee Europas werden“, fordert Otte, doch nach Verteidigungsminister Boris Pistorius ist Deutschland aktuell nicht verteidigungsfähig, „das waren klare Worte“. Man müsse den Verteidigungsfall auch üben, um für den Ernstfall fit zu sein. Um die militärische und zivile Verteidigung zu stärken, wünscht sich Otte einen allgemeinen Dienst für Männer und Frauen, nicht nur militärisch, sondern auch in Blaulichtorganisationen und Kultur – von diesem profitiere jeder im Staat.
15:32 Uhr: Deutschland verfügt aktuell über 185.000 aktiven Soldaten, sagt Otte. Das ausgegebene Ziel liegt bei 260.000 Soldaten plus 200.000 einsatzbereite Reservisten. „Wenn die personelle Zielvorgabe durch Freiwilligkeit gelingt, prima“, sagt Otte. Zielvorgaben müsse man auch im Bereich Material erfüllen, Stichwort Beschaffung, ergänzt Rolofs. Ein Großteil der Investitionen unterliegt laut Gottbehüt langen Zyklen, dies erfolge auch noch nicht konsequent und flächendeckend. In Estland ist bei der Beschaffung laut Rosin zwar auch Bürokratie vorhanden, es gebe aber ein Innovationsprogramm. Dadurch dass das Land kleiner ist, erfolgen manche Prozesse zeitlich gesehen schneller.
Wie man durch Verteidigung den Standort Europa schützt, diskutieren (v.l.) Moderator Oliver Rolofs und die Redner Cornelia Gottbehüt, Kaupo Rosin, Henning Otte und Ernst Steuger auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
15:24 Uhr: Über „Wirtschaft im Verteidigungsmodus“ sprechen jetzt Cornelia Gottbehüt, Leiterin Öffentlicher Sektor bei EY, Henning Otte, Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, Kaupo Rosin, Generaldirektor des estnischen Auslandsgeheimdienstes, und Ernst Steuger, Geschäftsführer der Nürnberger Wach-und Schließgesellschaft, mit Moderator Oliver Rolofs von der WEIMER MEDIA GROUP. „Nicht das Baltikum steht im Fokus von Russland, sondern Deutschland“, glaubt Rolofs. Diese konkrete Bedrohung bestätigt Rosin.
James Heappey: Europäische Streitkräfte sind nicht fit für den Einsatz
15:19 Uhr: In vielen Fällen sind europäische Streitkräfte laut Rolofs unterbesetzt. Deshalb fragt er, ob Länder wie Deutschland eine Wehrpflicht haben sollten. „Alle Optionen müssen diskutiert werden“, sagt Heappey. Im Vereinigten Königreich gebe es traditionell eine freiwillige Berufsarmee im Frieden, diese ist aber derzeit zu klein. Ob zur Vergrößerung der Armee eine Wehrpflicht im Frieden nötig ist, könne man diskutieren. „Aber wir brauchen auf jeden Fall einen Plan, wie wir zunächst strategische Reserven mobilisieren.“ In Großbritannien sind ehemalige Soldaten gesetzlich verpflichtet, bis etwa zum 55. Lebensjahr im Ernstfall wieder Dienst zu leisten. Das ist für Heappey der erste Schritt. Danach stelle sich die Frage: Wie skaliert man weiter – durch Wehrpflicht oder freiwillige Meldung aus Patriotismus?
Um die unterbesetzten europäischen Streitkräfte aufzubauen, müssen laut dem Briten James Heappey (r.) alle Optionen diskutiert werden (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
15:12 Uhr: Die britische Perspektive zur Verteidigung liefert James Heappey, ehemaliger britischer Staatsminister für Streitkräfte und Veteranen im Verteidigungsministerium. „Europäische Streitkräfte sind nicht fit für den Einsatz“, sagt Heappey. Es geht letztlich um Geschwindigkeit und Größenordnung. Aber auch um die Fähigkeit, den nationalen Willen zum Kämpfen aufrechtzuerhalten, um die eigene staatliche Fähigkeit, sich immer wieder zu regenerieren. Krieg ist laut Heappey grundsätzlich ein Abnutzungsgeschäft – sowohl in Bezug auf Menschen als auch auf Geld. „Wenn man nicht in der Lage ist, sich selbst zu erhalten, ist man besiegbar“, sagt er.
Sanofi-Deutschland-Chefin kritisiert Gesundheitsreform von Ministerin Warken
15:03 Uhr: Generalstabsarzt Holtherm warnt eindringlich vor den wachsenden Gefahren für die Gesundheitsversorgung als Teil kritischer Infrastruktur. Diese stehe längst unter permanentem Beschuss: Täglich gebe es Hackerangriffe auf das deutsche Gesundheitssystem – auf Krankenhäuser, Apotheken, Pharmaunternehmen und weitere zentrale Versorgungsstrukturen. Dabei handle es sich nicht nur um kriminelle Einzelfälle, sondern zunehmend auch um gezielte Attacken staatlicher Akteure.
Generalstabsarzt Dr. Hans-Ulrich Holtherm, Kommandeur Sanitätsakademie der Bundeswehr, und Heidrun Irschik-Hadjieff, Vorsitzende der Geschaftsführung Sanofi Deutschland im Gespräch mit Oliver Rolofs, Senior Advisor WEIMER MEDIA GROUP (FOTO: WEIMER MEDIA GROUP).
14:58 Uhr: Irschik-Hadjieff wünscht sich besser Investitionsbedingungen in Deutschland, statt noch mehr Vorschriften. In den 1990er-Jahren sei noch jedes zweite Medikament in Europa entwickelt worden, heute sei es nur noch jedes fünfte. Gleichzeitig habe sich China vom reinen Absatzmarkt zu einem technologischen Rivalen entwickelt. Europa und insbesondere Deutschland müssten diese Lücke dringend schließen und verlorenen Boden wieder gutmachen. Dafür brauche es auch politischen Rückhalt: Die Bundesregierung müsse Unternehmen stärker schützen und unterstützen, die bewusst in den Standort Deutschland investieren.
14:54 Uhr: Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, Deutschland zum innovativsten Pharmastandort der Welt zu machen. Wie die Chancen stünden, will Moderator Rolofs wissen. „Davon sind wir ein gutes Stück entfernt“, sagt Irschik-Hadjieff. Gleichzeitig sei Deutschland weiterhin ein starker Standort, die Pharmaindustrie überdies ein bedeutender Wachstumsfaktor und unter den Branchen mit der höchsten Reinvestitionsquote. So werde Sanofi Deutschland bis 2030 rund 2,8 Milliarden Euro im Land investieren, kündigt Irschik-Hadjieff an. Die geplante Gesundheitsreform von Ministerin Warken komme aus ihrer Sicht jedoch zur Unzeit. Durch Trumps durchgedrückte Preissenkungen für Medikamente in den USA steht die Pharmaindustrie ohnehin schon unter Druck.
14:50 Uhr: Der Talk mit dem Thema „Resilienz statt Abhängigkeit: Gesundheitssouveränität neu denken“ ist eröffnet. Auf dem Podium sprechen Heidrun Irschik-Hadjieff, Vorsitzende der Geschäftsführung von Sanofi Deutschland, sowie Generalstabsarzt Hans-Ulrich Holtherm, Kommandeur der Sanitätsakademie der Bundeswehr. Oliver Rolofs, Senior Advisor WEIMER MEDIA GROUP, moderiert.
Investorin Janna Ensthaler schimpft über „unfassbare schlechte Politik“
14:10 Uhr: Für Rupp geht es mittlerweile nicht mehr um die Frage ob, sondern wie schnell man KI nutze. Welche neuen Geschäftsmodelle rund um KI möglich sind, ist die Frage, die Moderatorin Holzmeier stellt. Ensthaler und Puschmann stehen als Investoren eher zu Beginn des Technologie-Superzyklus, wie Puschmann sagt. „Der Mittelstand müsste sich mit den Start-ups ins Bett legen“, ergänzt er. In den USA sei frühphasig nicht nur eine bessere Stimmung, sondern das Kapital sei auch verfügbar. Ensthaler redet sich daraufhin in Rage, woran es hierzulande krankt: Sie verweist auf die hohe deutsche Staatsquote von 50 Prozent und weitere Faktoren, aufgrund derer viele Menschen Deutschland gerade „überdrüssig sind“. Dennoch: Für sie ist Europa und dort wiederum Deutschland „der beste Platz“. „Wir müssen stolz auf das sein, was wir hier machen. Die Deutschen müssen größere Geschichten schreiben“, ermutigt sie. „Hat sich denn gar nichts an der Stimmung geändert?“, will Holzmeier wissen. Puschmann spürt, dass sich im Vergleich zum Vorjahr etwas bewegt. Ganz so weit sieht Rupp die Deutschen noch nicht. Deutschland verfüge über die Technologie und die Führungskräfte, aber Deutschland müsse ins Machen kommen. „Es ist nicht woanders alles besser, wir haben es hier auch gut“, sagt von Mutius mit Blick auf die in Bezug auf KI oft hochgelobten USA, die selbst einer enormen Regulatorik unterstehen. Rupp teilt als anschließende „Mutmachgeschichte“, wie sie es nennt, die eigenen Erfahrungen bei IBM. Nach anfänglicher Skepsis haben sich die Mitarbeiter inzwischen mit der Technologie identifiziert.
13:59 Uhr: Das Panel „Wie KI unsere Wirtschaft und Wertschöpfung neu antreibt“ läuft. In der Runde mit dabei sind Investorin Janna Ensthaler, Annika von Mutius, Mitbegründerin und CEO von Empion und Vorständin des KI-Bundesverbandes, Carsten Puschmann, Serial Entrepreneur und Start-up-Investor, Hagen Rickmann, Director Vodafone Business EU Markets and Türkiye, Christine Rupp, General Managerin IBM Consulting DACH und Geschäftsführerin von IBM Deutschland, mit Moderatorin Frauke Holzmeier, Leiterin Wirtschaft bei ntv. „KI ist kein Trend, sondern die größte Innovationswelle aller Zeiten, zum ersten Mal in der Weltgeschichte“, sagt Ensthaler, die als Investorin aus der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ bekannt ist. Bei KI handelt es sich um die „Mutter aller Innovationen“, die ein Vielfaches an weiteren Innovationen hervorvorbringen werde. Deutschland verfügt laut der Investorin über genug Kapital, nur „wir haben eine unfassbare schlechte Politik“, aber eigentlich haben wir alles. „Wir können nicht gespannter auf die nächsten zehn Jahre sein“ und mit dieser Energie sollten die Deutschen an das Thema herangehen. Rickmann teilt da eine etwas andere Kapitalsicht: Das Geld sei da, aber man müsse die Töpfe des Kapitals verfügbar machen. Dazu solle man auch Nachfragen schaffen.
Die Voraussetzungen für KI sind in Deutschland vorhanden, es fehlt aber oft der entscheidende positive Impuls. Darüber sind sich die Teilnehmer des KI-Panels (v.l.) Moderatorin Frauke Holzmeier, Hagen Rickmann, Janna Ensthaler (live zugeschaltet), Christine Rupp und Carsten Puschmann einig (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
Hagen Rickmann von Vodafone sieht „unfassbare Produktivitätsgewinne“ durch KI
13:39 Uhr: Was mit dem Thema KI automatisch einhergeht, ist das Stichwort Datensouveränität und digitale Souveränität. Bei der digitalen Sicherheit können Technologie-Anbieter helfen, sagt Heftberger. Und gerade im Bereich Souveränität brauche es Partnerschaften. Rickmann ermutigt zur KI-Nutzung: „Es werden unfassbare Produktivitätsgewinne möglich sein, die wir dringend brauchen“. So seien die Amerikaner durch die Digitalisierung um rund 25 Prozent produktiver, wie er erklärt. KI kann damit eine wichtige Lücke schließen: „Wir brauchen dringend Arbeitskraft“, sagt Heftberger. Dies werde man personell nicht lösen können, sondern durch Künstliche Intelligenz. Daher sei KI eine „riesige Chance“.
Moderator Thorsten Giersch (l.) spricht mit Agnes Heftberger von Microsoft und Hagen Rickmann von Vodafone auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel über KI und Partnerschaften (Foto: WEIMER MEDIA GROUP),
13:32 Uhr: Nach der Mittagspause geht es mit dem Talk weiter, wie wichtig Partnerschaften im KI-Zeitalter sind. Es sprechen Agnes Heftberger, Corporate Vice President & CEO Microfort Germany & Austria, und Hagen Rickmann, Director Vodafone Business EU Markets and Türkiye, da Microsoft und Vodafone eine rege Partnerschaft pflegen. „Wenn man eine Beratung benötigt, brauche es den Faktor Mensch“, sagt Rickmann. Für die Datengrundlage genüge die KI. So hat die Nutzung von KI zu einer Produktivitätsförderung von 20 bis 30 Prozent geführt.
Markus Dorner von Bitpanda: Krypto und Banken wachsen allmählich zusammen
12:27 Uhr: Aktuell herrsche laut Moderator Stock ja kein Krypto-Boom. „Krypto hat sehr starke Spitzenlasten“, erklärt Dorner. Dies sei laut dem Bitpanda-CTO eine gute Möglichkeit, Produkte zu bauen. „Die Leute setzten aktuell eher auf robustere Produkte mit weniger Fluktuation.“ Wenn man auf den Bitcoin schaue, ist die Fluktuation jedoch geringer als vor acht Jahren.
Markus Dorner, Chief Technology Officer Bitpanda, im "Finance-Talk" mit Oliver Stock. (Foto: WEIMER MEDIA GROUP)
12:22 Uhr: Beim Finance Talk mit Markus Dorner, Chief Technology Officer bei Bitpanda, skizziert Moderator und Journalist Oliver Stock die beiden Finanzwelten. „Es gab einmal eine Welt mit Krypto auf der einen Seite und Banken auf der anderen Seite. Wächst dies nun zusammen?“ Definitiv, findet Dorner. Die Regulierung der Krypto-Plattformen in der EU sieht Dorner als richtigen Schritt. Dies liefere einen Sparringspartner in Richtung Sicherheit. Eine Regulierung schaffe auch Vertrauen bei den Kunden. Ein digitales Asset liefert viel Flexibilität neben der „wirklich coolen Technologie“, sagt Dorner.
Warburg-Chefökonom Klude: Über die Börsenkurse entscheiden Unternehmensgewinne – und die Notenbanken
12:14 Uhr: Ob es Frühindikatoren gebe, die Anleger an der Börse im Blick haben sollten, will Stock noch wissen. Früher habe er auf den ifo-Geschäftsklimaindex oder die Einkaufsmanagerindizes in den USA geachtet, doch deren Aussagekraft habe durch die Reaktion der Notenbanken auf die Finanzkrise 2008, die Euro-Krise und die Corona-Pandemie spürbar abgenommen. Für Klude ist deshalb klar: „Der entscheidende Faktor sei das Handeln der Notenbanken – also die Frage der Liquidität.“
Journalist Oliver Stock diskutiert mit Finanzexpertin Carola Ferstl und den beiden Top-Bankern Carsten Klude (Warburg) und Thomas Kruse (Amundi Deutschland) über Finanzmärkte und Finanzordnung. (Foto: WEIMER MEDIA GROUP)
12:10 Uhr: Abschließend noch ein Blick auf die Kursrekorde im S&P 500 uns insgesamt robusten Aktienmärkten trotz Iran-Krieg. Kruse verweist darauf, dass die Grundlage jeder Aktienempfehlung die Gewinnentwicklung der Unternehmen sei. Trotz geopolitischer Spannungen und weiterhin erhöhter Ölpreise stünden die Aktienmärkte deshalb wieder auf hohem Niveau. Der Markt blicke nach vorn und gehe davon aus, dass keine der beteiligten Parteien im Iran-Krieg ein Interesse daran habe, den Krieg militärisch weiter eskalieren zu lassen. Gleichzeitig seien die Unternehmensgewinne, wie die Zahlen zum ersten Quartal zeigten, weiterhin sehr robust. Klude stimmt zu: Nicht nur die „Magnificent Seven“ verdienten gut – auch viele andere Unternehmen erzielten solide Ergebnisse, wenngleich das Gewinnwachstum bei den Tech-Giganten besonders dynamisch sei. „Für die Aktienmärkte bleiben die fundamentalen Daten entscheidend.“ Die Weltwirtschaft habe sich in den vergangenen Jahrzehnten als äußerst robust erwiesen und bereits zahlreiche Krisen erfolgreich verarbeitet.
12:05 Uhr: Ob die teuren Sondervermögen der Bundesregierung dahingehend richtig waren, will Stock wissen. Metzler-Banker Kruse hält die Ausgaben für „den richtigen Weg“. Deutschland habe sich lange auf die 60-Prozent-Verschuldungsgrenze fokussiert und dabei wichtige Investitionen in Verteidigung und Infrastruktur vernachlässigt. Wer unabhängiger werden wolle, komme daran aber kaum vorbei. Selbst mit dem Sondervermögen liege die Verschuldungsquote nur bei rund 80 Prozent. Entscheidend sei, wofür die Schulden aufgenommen würden: „Fließen sie in wirtschaftliche Impulse und Wachstum, entstehen höhere Steuereinnahmen, mit denen sich die Verschuldung später wieder zurückführen lässt.“ Warburg-Ökonom Klude sieht das ähnlich: Schulden für Investitionen seien vertretbar, wenn dadurch nachhaltiges Wachstum entstehe. Schulden aufzunehmen, um Konsum zu finanzieren, sei hingegen problematisch. Eine Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigung und Infrastruktur sei tragfähig. Finanzexpertin wirft ein: Schulden ließen sich ohnehin nicht aufhalten, da das Geldsystem grundsätzlich auf ihnen aufbaue. Damit Wachstum möglich bleibe, müsse letztlich immer jemand Schulden aufnehmen. Für Privatanleger hat sie deshalb einen Rat: „Setzen Sie auf Sachwerte, auf Aktien.
11:55 Uhr: Stock und bv medien-Chefredakteurin Carola Ferstl, die mit auf dem Podium sitzt, weisen auf die Gefahr der weltweit steigenden Schuldenlast hin. Carsten Klude, Chefvolkswirt M.M. Warburg und Thomas Kruse, Chief Investment Officer Amundi Deutschland, beschwichtigen. Genau das habe er erwartet, scherzt Stock. Woher die Ökonomen denn immer ihre Zuversicht nehmen würden? Klude meint: „Diese Diskussion führen wir seit fünf oder zehn Jahren.“ Die absolute Höhe der Staatsverschuldung sei besorgniserregend, aber für sich genommen kein Killer-Argument. Entscheidender sei die relative Wahrnehmung, die Verschuldung in Relation zur wirtschaftlichen Leistung, das Vertrauen der Märkte in die jeweiligen Währungen. „Für mich ist relevant, welche Einflussfaktoren und Steuerungsmöglichkeiten gibt es.“ Die Vergangenheit lehrt: „Notenbank sind sehr kreativ darin, wenn es hart auf hart kommt, das System zu stützen.“
11:50 Uhr: Journalist Oliver Stock moderiert das nächste Panel. Es geht um die globale Finanzordnung, Geldpolitik, Aktienmärkte. Ein Rundumschlag bis hin zu der Frage: wer oder was bewegt eigentlich die Kurse, wenn Indizes, wie der S&P 500 trotz Iran-Krieg neue Höchststände erreichen.
Metzler-Banker Wiesheu zur Rente: „Wir müssen die Systeme reformieren, sonst fahren wir an die Wand.“
11:39 Uhr: In Sachen Altersvorsorge mahnt Wiesheu: „Wir sind in einer Art Vollkasko-Mentalität auf die Welt gekommen und sehen jetzt, dass wir an den Grenzen der Systeme sind.“ Die Sensibilität für das Thema nehme jedoch zu, stellt der Metzler-Banker fest. Fakt sei: „Wir müssen die Systeme reformieren, sonst fahren wir an die Wand.“ Wenn 25 Prozent des Haushalts ins Umlageverfahren der Rentenversicherung gingen, gebe es irgendwann keinen Spielraum mehr für Investitionen.
Christian Pellis, CEO Amundi Deutschland und Gerhard Wiesheu, Vorstandssprecher Bankhaus Metzler, diskutieren auf dem Gipfel: Wie lässt sich die Altersvorsoge im Land sichern? (FOTO: WEIMER MEDIA GROUP)
11:36 Uhr: Wiesheu fordert in dem Zusammenhang auch, das Thema Finanzbildung in Deutschland anders zu verankern. „Eigentlich bräuchte es ein eigenes Schulfach.“ Wenigstens könnten die bestehenden Fächer, wie Wirtschaft und Recht oder Sozialkunde Finanzthemen aufnehmen.
11:29 Uhr: Gerhard Wiesheu, Vorstandssprecher beim Bankhaus Metzler, hält „alles, was jetzt zum Thema kapitalmarktgedeckter Altersvorsorge getan wird“ für sinnvoll und verweist auf die bekannte demographische Herausforderung, vor der Deutschland steht. Im vergangenen Jahr kamen in der Bundesrepublik 650.000 Babys zur Welt, rund eine Million sind ausgeschieden durch Tod. „Wenn wir so weitermachen, hat jeder unserer Nachkommen einen persönlichen Rentner zu versorgen“, mahnt der Banker.
11:25 Uhr: Die Neugestaltung der Altersvorsorge bleibt Thema auch beim „Finance Talk“, an dem neben Amundi Deutschland-CEO Pellis auch Gerhard Wiesheu, Vorstandssprecher bei Metzler, teilnimmt. Dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu erhalten, ist ein offenes Geheimnis. Dass selbst die gesetzliche Rente in erheblichen Finanzierungsschwierigkeiten steckt, ebenso. Betriebliche und private Altersvorsorge rücken damit immer mehr in den Vordergrund. „In den Niederladen haben fast 100 Prozent eine betriebliche Altersvorsorge und sparen damit automatisch in Aktien“, sagt Pellis. In Deutschland sei diesbezüglich alles viel zu komplex.
Pellis steht pAV-Depot als Gamechanger bei der Altersvorsorge
11:19 Uhr: Das neue, staatlich geförderte pAV-Depot, das als Altersvorsorgedepot im Januar 2027 startet, ist für den Amundi-Chef in puncto Altersvorsorge ein Gamechanger für Beschäftigte und Selbstständige. Was darüber hinaus gemäß Pellis zu tun bleibt: Es brauche eine Förderung der finanziellen Bildung, die Reform der gesetzlichen Rente und eine Neugestaltung der betrieblichen Altersvorsorge.
Christian Pellis, CEO von Amundi Deutschland, findet das neue Altersvorsorgedepot vielversprechend (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
11:14 Uhr: Die Altersvorsorge beleuchtet der Impuls von Christian Pellis, CEO von Amundi Deutschland, zum Thema „Die Ertragskraft der Kapitalmärkte als Gamechanger der privaten und betrieblichen Altersvorsorge“. Europa befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch: Das geopolitische Machtgefüge hat sich gewandelt und gleichzeitig bestehen innenpolitische Herausforderungen wie beispielsweise geringe wirtschaftliche Produktivität und stetig steigende Sozialausgaben. Dennoch gibt es laut Pellis einen Lichtblick in Deutschland: Das private Geldvermögen stieg zuletzt auf einen Rekordwert von 9,3 Billionen Euro, darin liegt ein Schlüssel des privaten Kapitals. Außerdem positiv: Immer mehr Deutsche investieren in Kapitalmarktprodukte – jüngere besonders in ETFs.
Schweden als Vorbild für Börsengänge in Europa
11:07 Uhr: Wie attraktiv Deutschland noch für Börsengänge ist, und was der attraktivste Platz in Europa ist, möchte Körner wissen. „Die Zahlen zeigen, dass Deutschland nicht besonders attraktiv ist“, sagt Voelkel. Attraktiv sei die Börse in Schweden aufgrund einfacher Regularien und privater Teilhabe. „In Schweden gab es im letzten Jahr mehr IOPS als in Deutschland, Italien und Frankreich zusammen“, berichtet der CEO der Boerse Stuttgart.
Matthias Voelkel, CEO der Boerse Stuttgart Group, gefällt es nicht, dass das Geld im digitalen Finanzsystem am US-Dollar hängt (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
11:03 Uhr: „Wie muss das moderne Finanzsystem in Europa aussehen?“, möchte ntv-Moderatorin Isabelle Körner wissen. Voelkels Lösung: Erstens geht es darum, Kapital zur Verfügung zu stellen. „Wir brauchen mehr Kapital im europäischen Kapitalmarkt.“ Denn die private Teilhabe am Kapitalmarkt ist zu gering. Dieses Geld fehlt letztlich dem Kapitalmarkt, wenn es zum Beispiel auf Sparbüchern liegt. Zweitens sieht Voelkel die Lösung in der Kapitalmarktunion. Das Momentum von damals habe sich jedoch leider ins Gegenteil verkehrt, was zu mehr Komplexität geführt hat. Dort soll die Kapitalmarktunion ansetzen und Prozesse im europäischen Finanzsektor wieder verschlanken.
10:56 Uhr: Antworten auf die Frage, wer das Finanzsystem der Zukunft prägt, liefert der Finance Talk zu „Banken, Börsen, Bitcoin“. „Momentan sind wir, was das Finanzsystem anbelangt, in vielerlei Hinsicht abhängig“, sagt Matthias Voelkel, CEO der Boerse Stuttgart Group. Beispiel Zahlungsverkehr: 60 bis 70 Prozent der Kreditkartenabwicklungen liegen bei US-Anbietern. „Ich denke, wir müssen hier erheblich etwas tun.“ Gleiches gilt für die neuen Technologien Blockchain und Bitcoin. „Die Zukunft der Finanzinfrastruktur wird digital sein“, ergänzt er. Es gebe in diesem Bereich nur ein paar europäische Spieler – und hier sei Deutschland vorne dabei – neben den USA. Digitaler Euro und Stablecoins werden künftig eine entscheidende Rolle spielen. „Das Geld in dieser digitalen Infrastruktur hängt am Dollar“, sagt Voelkel. Es könne nicht sein, dass man in dieser Entwicklung, die seit zwei bis drei Jahren passiere, wieder abgehängt werde. Die europäische Antwort auf den Dollar als Weltleitwährung laut Voelkel: Es gibt europäische Stablecoins, die aktuell noch klein sind, sowie den digitalen Euro. Der Zeitplan mit 2029 für den digitalen Euro sei aber „nicht der ambitionierteste“.
EIB-Vizepräsidentin Nicola Beer zu resilienten Wertschöpfungsketten: „Das ist nicht Aufgabe des Staates, hier geht es um verantwortungsvolles Management.“
10:12 Uhr: Mit Blick auf die Absicherung von Wertschöpfungsketten sieht Nicola Beer, Vizepräsidentin Europäische Investitionsbank, vor allem aber auch die Unternehmen in der Pflicht. „Das ist nicht Aufgabe des Staates, das ist verantwortungsvolles Management.“ Beer nimmt zu wenig Verantwortung in der Industrie war, was die eigenen Lieferketten angeht. Ein CEO habe ihr jüngst gesagt, er habe sich um kritische Rohstoffe bis dato nie kümmern müssen, das habe der Zulieferer gemacht. „Das ist doch peinlich“, so Beer. Der Staat müsse die Rahmenbedingungen setzen, Abhängigkeiten von einzelnen Ländern reduzieren, möglicherweise Import- und Exportkontrollen gegen die einführen, die nicht nach fairen Regeln spielen.
Wie man Europa 2023 gestaltet, thematisiert die Diskussionsrunde mit (v.l.) Moderator Ansgar Graw, Nicola Beer, Anahita Thoms und Petra Wicklandt (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
10:05 Uhr: Souveränität und Resilienz sind nicht zuletzt ein drängendes Thema im Pharmabereich. Petra Wicklandt, Executive Vice President und Head of Corporate Sustainability, Quality and Trade Compliance beim deutschen Pharmakonzern Merck, weist auf extreme Abhängigkeiten in Europa von ausländischen Herstellern hin. „Bei nicht patentgeschützten Arzneimitteln werden inzwischen 70 Prozent in China und Indien hergestellt“, so die Top-Managerin. Bei Antibiotika seien es 90 Prozent. Indien sei dabei in vorgelagerten Wertschöpfungsstufen noch häufig auf China angewiesen. „Diese Abhängigkeit ist weit schlimmer, als wenn bei uns die Benzinkosten steigen.“
09:57 Uhr: Es geht um Regulierung. Baker McKenzie-Partnerin Thoms sieht das Thema weniger kritisch, als es aktuell Trend zu sein scheint. Dass Deutschland international den Ruf habe, überreguliert zu sein, rührt auch daher, „dass wir uns selbst schlecht reden“. Die Bundesrepublik werde so als Region wahrgenommen, die Investitionen erschwere. Zwar gebe es hierzulande mehr Regulierung als auf anderen Märkten. Aber Regulierung im Sinne des Rechtsstaats sei nicht per se schlecht. Sie werde nur häufig schlecht gemacht und in Deutschland überbürokratisiert umgesetzt.
09:49 Uhr: „Wie stärken wir technologische und wirtschaftliche Souveränität?“, fragt „The European“-Herausgeber Ansgar Graw auf dem ersten Panel des Tages Nicola Beer, Vizepräsidentin Europäische Investitionsbank, Anahita Thoms, Partnerin und Beiratsvorsitzende Baker McKenzie sowie Petra Wicklandt, Executive Vice President Merck.
KfW-Chef Stefan Wintels: „Die Investoren stehen mit dem Koffer bereit“
09:45 Uhr: Letztlich sind es drei Faktoren, die die volkswirtschaftlichen Hebel für Wachstum sind: Arbeit, Investitionen und Produktivität. Wintels: „Wir haben lange Investitionszyklen, daher können wir nicht alle vier Jahre neu diskutieren.“
Der KfW-Vorstandsvorsitzende Stefan Wintels hofft auf einen Investitionsschub durch den Deutschlandfonds (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
09:43 Uhr: Wintels möchte auf Nachfrage von Moderator Reitz nicht die Berliner Politik für den Zustand des Landes verantwortlich machen. Man habe sich in den vergangenen Jahrzehnten einfach an den Wohlstand gewöhnt. Als weitere Faktoren, die zur aktuellen Lage beitragen, nennt Wintels mangelnde Produktivität und fehlende Digitalisierung. Der Schulterschluss müsse besser gelingen als nur mit dem Finger auf andere zu zeigen. Die vielen Initiativen der Regierung sind für den KfW-CEO daher ein erster Schritt. „Die Zuversicht und das Vertrauen in Deutschland sollte unser Selbstvertrauen erhöhen.“ Ihm fehle nur der entscheidende Zug zum Tor, um es in der Fußball-Sprache zu umschreiben. „Das Wohlstandsversprechen ist für eine Demokratie ganz entscheidend“, findet Wintels.
09:39 Uhr: Der im Dezember 2025 gestartete Deutschlandfonds von Bund und KfW bietet einen Rahmen, um drei Handlungsfelder zu mobilisieren: Industrie und Mittelstand, Energie, Start-ups und Scale-ups. „Diese Investitionen müssen stimuliert werden“, betont Wintels. Seit Jahren investiert der Mittelstand laut Wintels zu wenig in Deutschland. „Wir sind eine sehr stark bankenfinanzierte Volkswirtschaft, rein volkswirtschaftlich betrachtet“, erklärt er. „Wir müssen mehr Risikokapital in das Land bringen.“ Man dürfe in dieser Diskussion aber den Mittelstand nicht vergessen. Wintels betont in diesem Zusammenhang den wichtigen Paradigmenwechsel: Was ist der Investitionsbedarf und mit welchen Produkten können wir Kapital hebeln? Dieser Ansatz sei neu. Wenn es gelingt, durch Instrumente wie den Deutschlandfonds wieder in einen Investitionsrhythmus zu kommen, könne man zufrieden sein.
09:34 Uhr: Um die Investitionen in Deutschland kreist der Talk von Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, und Moderator Ulrich Reitz, Chefkorrespondent Wirtschaft bei RTL/ntv. Reitz stellt fest, dass das Interesse ausländischer Investoren an Deutschland zwar groß ist, aber trotzdem die inländischen Investitionen zurückgehen. Laut Wintels erwartet Deutschland 0,5 bis 0,8 Prozent Wirtschaftswachstum. „Das ist deutlich weniger als wir benötigen“, sagt der KfW-Chef. Nötig wären rund 1,5 Prozent. „Wir müssen den Bürgern auch die Kosten dieses Null-Wachstums erläutern.“ Dabei standen die Vorzeichen zwischenzeitlich gut. „Wir hatten im Sommer 2025 ein Momentum“, sagt Wintels über den Regierungswechsel in Deutschland bei einer gleichzeitig restriktiven Außenhandelspolitik der USA. Deutschland gilt, so Wintels, als sehr attraktiver Investitionsstandort. „Die Investoren stehen mit dem Koffer bereit.“ Aber: Der öffentlich-rechtliche Sektor sei nicht darauf vorbereitet, in den Dialog mit den Investoren zu gehen. Gerade wenn es um gesuchte Investitionen in der Größenordnung von 500 Millionen Euro gehe, könnten das viele nicht handeln.
Schüssel zu Wahlerfolgen der AfD: „Das Wort Brandmauer ist falsch“
09:24 Uhr: Mit Blick auf die aktuelle politische Lage in den USA spart Schüssel nicht mit Kritik an den Demokraten – und weist ihnen sogar eine Mitschuld zu: „Wenn ich einen Präsidenten auf die Bühne schiebe, der offensichtlich nicht mehr amtsfähig ist, und ihn dann kurz vor der Wahl austausche, sodass eine Stellvertreterin kommt, die alles von Bildschirmen abliest, was sie zu sagen hat, dann braucht man sich nicht wundern.“
09:20 Uhr: Schüssel positioniert sich klar gegen den Ausschluss von Abgeordneten bestimmter Parteien im EU-Parlament. Es sei „ganz schlecht“, dass auf europäischer Ebene nicht mit allen zusammengearbeitet werde. Es handele sich um frei gewählte Abgeordnete. Wenn Mehrheit zustande kommen, sei das doch wunderbar. „Es ist nicht gescheit auf europäischer Ebene Abgrenzungen vorzunehmen.“
09:18 Uhr: Angesprochen auf die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Deutschland, hält Schüssel nichts von Brandmauer-Diskussionen. „Das Wort Brandmauer ist falsch“, legt er sich fest. Eine Brandmauer würde von außen schützen, aber es krisele doch intern. „Wenn die Mitteparteien nicht in der Lage sind, Antworten so zu formulieren, dass sie eine Mehrheit der Bevölkerung versteht“, dann sei die aktuelle politische Situation im Land nicht Folge eines von außen lodernden Brands. „Wir sind selbst schuld und müssen unsere eigenen Spieleregeln ernst nehmen.“
09:15 Uhr: Im Gespräch mit ntv-Moderatorin Isabelle Körner fordert der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, „dass wir wieder lernen, eine gute Story zu entwickeln“. Politiker würden nicht aufgrund ihrer Erfolge aus der Vergangenheit gewählt, sondern für ihre Zukunftsvorstellungen. „Ich glaube wir gehen in eine Phase in den nächsten 20 Jahren, die faszinierend sein wird“, sagt Schüssel. Ob in der Kommunikation, im Weltall, in der Bioscience, Schüssel sieht „unglaubliche Möglichkeiten“. Diese gelte es zu fokussieren, statt sich von Problemen erschlagen zu lassen. „Die herunterhängenden Mundwinkel bringen gar nichts.“
Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel möchte keine Ratschläge an die Deutschen geben, hält aber nichts von der aktuellen Brandmauer-Diskussion (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
Tag zwei rund um Future & Finance
09:05 Uhr: Journalist Oliver Stock eröffnet den zweiten Gipfel-Tag. Resilienz ist das Stichwort. Stock schlägt eine Brücke zwischen Marathon-Weltrekord und dem Kongress am Tegernsee. Mit einem neu gestalteten Schuh von Adidas hat Sabastian Sawe in London die magische Zwei-Stunden-Marke unterboten. „Eine Sensation“, sagt Stock. Möglich durch eine schier unmenschliche Leistung, aber auch „durch deutsche Ingenieurskunst“ aus Herzogenaurach. Dort hätten sie getüftelt, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, Resilienz gezeigt. Die Folge: in den Tagen nach Sawes Wunderlauf stieg der Aktienkurs. Zum gestrigen Konferenzstart merkt Stock an, habe ifo-Chef Clemens Fuest Buffalo Bill zitiert. „Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“, hat der einmal gesagt. Stock meint: „Wir brauchen kein schnelles Pferd, wen wir merken, wir haben eine gewisse Resilienz.“ Diese Resilienz gelte es auszuhalten und „in ein Handeln zu übersetzen“. Wie es Adidas getan hat.
Journalist Oliver Stock eröffnet den zweiten Gipfeltag mit dem Motto „Future & Finance Day“ (Foto: WEIMER MEDIA GROUP).
08:12 Uhr: Die ersten Gäste kommen zum morgendlichen Get-together beim Ludwig-Erhard-Gipfel. Der heutige Tag steht unter dem Motto „Future & Finance Day“.
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