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Märkte > Berühmter Hedgefonds-Manager sieht Übertreibungen

Michael Burry setzt fast sein gesamtes Portfolio gegen Nvidia und Palantir

| Oliver Götz

Christian Bale in der Rolle des Michael Burry im Film "The Big Short".
Michael Burry, hier im Film "The Big Short" von Christian Bale gespielt, hat eine Mega-Wette gegen KI-Aktien platziert. (Foto: Picture Alliance / AP Photo /Jaap Buitendijk)

Der „Big Short“-Investor wettet in großem Stil auf Kursverluste bei den beiden KI-Gewinnern. Ein Grund: mögliche Bilanztricks.

Vor kurzem durchbrach Nvidia als erstes Unternehmen die Schallmauer von fünf Billionen US-Dollar Börsenwert. Die Datenanalyse-Plattform Palantir kommt mit 434 Milliarden Dollar zwar auf deutlich weniger, macht allerdings auch nur einen Bruchteil des Umsatzes und Gewinns des Chipgiganten. Im abgelaufenen Quartal stand Einnahmen von 1,18 Milliarden Dollar ein Nettoergebnis von 475,6 Millionen Dollar gegenüber. Nvidia legt am 19. November frische Zahlen vor, erwirtschaftete im zweiten Quartal allerdings 46,7 Milliarden Dollar Umsatz, wovon 26,4 Milliarden Dollar Gewinn übrigblieben.

Auch wenn die Größenordnungen unterschiedlich sind, nach Kursanstiegen von 1900 Prozent (Palantir) und 970 Prozent (Nvidia) in den vergangenen drei Jahren, haben sich stattliche KGVs aufsummiert. Das von Palantir liegt bei 447, das von Nvidia mit 69 ebenfalls sehr hoch, wenn es auch im Vergleich moderat wirken mag.

Bislang unterfüttern beide KI-Gewinner ihre hohen Bewertungen mit explosiven Wachstumsraten. Palantir steigerte seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal um 60 Prozent, Nvidia zuletzt um 56 Prozent.

Nvidia-Aktie

Put-Optionen im Gegenwert von über einer Milliarden US-Dollar

Dennoch kommt jede Bewertung irgendwann an die Grenzen dessen, was der Markt über längere Zeit als realistisch betrachten kann. Mit Michael Burry wettet nun einer der berühmtesten Investoren der Gegenwart gegen beide Unternehmen. Und das offenbar mit voller Überzeugung. Wie aus den Daten der jüngsten 13-F-Filings der US-Börsenaufsicht SEC hervorgeht, hat Burry Put-Optionen gegen Palantir im Wert von 912,1 Millionen und gegen Nvidia im Wert von 186,6 Millionen Dollar laufen oder anders ausgedrückt gegen fünf Millionen Palantir- und eine Million Nvidia-Aktien. Das entspricht mal eben 80 Prozent des aktuellen Portfoliowertes von Burrys Scion Asset Management-Hedgefonds.

Burry, der einst die die Finanzkrise 2008 vorhersagte, indem er früh auf die Immobilienblase in den USA aufmerksam wurde und anschließend den Häusermarkt shortete, scheint sich seiner Sache also ziemlich sicher. Nachdem seine Wette von damals starbesetzt verfilmt wurde und zum Blockbuster avancierte, schauen Anleger und Investoren weltweit ganz genau hin, was Burry macht. Nach Warren Buffetts legendärem Portfolio, dürfte das des 54-Jährigen derzeit das wohl meistbeobachtete sein.

Mal wieder liefert Burry nun also Diskussionsstoff. Der Star-Investor ist bekannt dafür, sein Depot häufig und radikal umzukrempeln. Immer wieder schmeißt Burry große Teile seiner Positionen raus, setzt alles auf eine Karte – und macht damit genau das Gegenteil von dem, was einem jedes Lehrbuch in Sachen Portfoliotheorie beizubringen versucht. Dass Burry mit seinen wagemutigen Aktionen nicht selten recht hat, macht sein Kauf- und Verkaufsverhalten dabei noch spannender zu beobachten. Vielen gilt er geradezu als Börsen-Orakel.

Palantir-Aktie

Burry sieht Bilanztricks bei Hyperscalern

Dass Burry nun ausgerechnet die beiden größten KI-Highflyer an der Börse shortet, dürfte deshalb aufschrecken. Besonders, da Burry seine skeptische Haltung bezüglich der hochgelaufenen Kurse im Sektor kürzlich begründete, indem er via „X“ auf mögliche Bilanztricks der sogenannten Hyperscaler hinwies, also Unternehmen, die wiederum die Chips von Nvidia kaufen, um damit ihre Rechenzentren zu skalieren. Den großen Cloud- und KI-Anbietern wirft Burry vor, ihre Gewinne durch fragwürdige Buchhaltungsmethoden künstlich aufzublähen. Indem sie die Nutzungsdauer ihrer teuren Rechenchips und Server länger ansetzen, als es realistisch sei, würden sie laut Burry die Abschreibungen zu niedrig ausweisen – ein Vorgehen, das die Unternehmensgewinne auf dem Papier deutlich verbessert. Die sei „eines der häufigsten Bilanzmanipulationsmuster der modernen Zeit“. Gerade in einer Phase, in der massiv in Nvidia-Chips und Server mit nur zweijährigem bis dreijährigem Produktzyklus investiert werde, sei eine Verlängerung der Nutzungsdauer schlicht nicht gerechtfertigt, so Burry weiter. Nach Burrys Berechnungen könnten die großen Anbieter („Hyperscaler“) durch diese Praxis zwischen 2026 und 2028 ihre Abschreibungen um insgesamt rund 176 Milliarden US-Dollar zu gering ansetzen – was die gemeldeten Gewinne der gesamten Branche erheblich aufblähen würde.

Dass Burry sich öffentlich so klar äußert, ist eine Seltenheit. Er gilt eher als verschwiegen, einsilbig und öffentlichkeitsscheu. Schon wenige Tage zuvor hatte er ebenfalls via „X“ geschrieben, dass „wir manchmal Blasen sehen“. Manchmal könne man etwas dagegen tun, manchmal sei der einzige erfolgsversprechende Zug, nicht mitzuspielen, hieß es im Posting des Star-Investors weiter.

Bei Palantir-CEO Alex Karp kamen Burrys Wetten wenig überraschend nicht gut an. Im Interview mit „CNBC“ beschrieb er diese als „total verrückt“. Es sei „super seltsam“, dass Burry gegen die beiden Unternehmen wette, die den ganzen Gewinn machten. „Ich halte dieses Verhalten für ungeheuerlich und werde herumtanzen, wenn bewiesen wurde, dass es falsch ist.“

Die Zukunft wird zeigen, wer von beiden recht behält. Was Burry auf seiner Seite weiß: Auch 2007 wurde er mit seinen Wetten gegen den US-Häusermarkt nicht ernst genommen und belächelt. Am Ende behielt er recht – und wurde berühmt.

Update: 

Kurz nach den öffentlich gewordenen Wetten gegen große Tech- und KI-Werte hat Michael Burry seinen Hedgefonds Scion Asset Management offenbar überraschend geschlossen. Laut Dokumenten bei der US-Börsenaufsicht wurde die Registrierung des Fonds gelöscht, und in einem – wenn auch nicht abschließend verifizierten – Schreiben erklärte Burry, er löse den Fonds „schweren Herzens“ auf und werde das Kapital an die Investoren zurückgeben. Über die Hintergründe kann derzeit nur spekuliert werden. 

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