Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Rohstoffe > Ölpreis bald deutlich höher?

Goldman Sachs schlägt Alarm: Ölvorräte schmelzen historisch schnell

| Oliver Götz

Öl-Tanker.
Öl-Tanker in der Straße von Hormus. Noch bleibt sie weitgehend nicht befahrbar. (Foto: picture alliance / Middle East Images | Hossein Fatemi)

Der US-Bank zufolge sind die globalen Erdöl-Lagerbestände noch nie so schnell gesunken wie im Mai dieses Jahres. Kommt der echte Preisschock erst noch?

Es ist eine alarmierende Zahl. Berechnungen der US-Investmentbank Goldman Sachs zufolge, sind die globalen Bestände von Rohöl und dessen Produkten im Mai bis dato täglich um 8,7 Millionen Barrel gesunken. In seiner Geschwindigkeit ein beispielloser Rückgang, der noch dazu doppelt so schnell vonstattengeht, wie bislang im Schnitt seit Beginn des Iran-Kriegs. Im Ringen um die bessere Verhandlungsposition blockieren der Iran und die USA seit Wochen die Straße von Hormus. „Die Anspannung an den physischen Märkten nimmt weiter zu, da die geschätzten Ölexporte durch die Meerenge weiterhin bei sehr niedrigen fünf Prozent des normalen Niveaus liegen“, erklären die Goldman-Analysten Yulia Zhestkova Grigsby und Daan Struyven in der zugehörigen Studie.  Vor allem das in Tankern geparkte Öl auf See ist in den vergangenen Wochen weniger geworden. In etwa zwei Drittel der im Mai abgebauten Bestände gehen darauf zurück.

IEA-Chef sieht „stark unterversorgten“ Markt

Die Goldman-Zahlen passen zu den Aussagen von Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), der vor kurzem darauf hingewiesen hatte, dass der Rückgang der Ölvorräte an Geschwindigkeit gewinne und der Markt deshalb auch bei einem Kriegsende bis zum Herbst „stark unterversorgt“ bleiben werde.   

Darren Woods, CEO des US-Öl-Multis ExxonMobil warnte vor diesem Hintergrund zuletzt: „Der Markt hat den vollen Schaden noch nicht eingepreist.“ Bislang, so Woods, sei noch „viel Öl unterwegs auf dem Wasser“, gewesen. Diese Reserven scheinen mit Blick auf die Goldman-Analyse nun allmählich aufgebraucht. Im Allgemeinen deuten rapide absinkende Lagerbestände, ob nun auf See, auf Land oder in Form von strategischen Reserven, darauf hin, dass ein weiterer Ölpreisanstieg bis zum jetzigen Zeitpunkt nur gestoppt werden konnte, weil auf ebendiese Bestände in erheblichem Maße zurückgegriffen worden ist.

Dazu passt ins Bild, dass Europas Importe von Kerosin zuletzt 60 Prozent unter dem Durchschnitt aus 2025 lagen. Die USA exportieren derweil rekordverdächtig viel Öl, was inzwischen aber zulasten der eigenen Vorräte geht. Allein in der vergangenen Woche sind die Bestände in den USA um fast 18 Millionen Barrel zurückgegangen. Die Goldman-Analysten weisen zudem darauf hin, dass in China die Verkäufe von Benzin bereits im April um 22 Prozent nachgegeben haben, was neben einer schwächeren Wirtschaftslage auch an fehlenden Importen gelegen habe.

Öl-Lieferungen aus dem Nahen Osten frühestens Mitte 2027 auf Normalniveau?

Sultan Ahmed Al Jaber, Chef der staatlichen Ölgesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), wies darauf hin, dass sich die Logistik rund um Öl aus dem Nahen Osten erst weit im Jahr 2027 erholen dürfte. Vorausgesetzt die Konfliktparteien beenden die Hormus-Blockade unverzüglich.

Die im Vergleich zu den ersten Wochen im Iran-Krieg zuletzt ruhigeren Öl-Märkte könnten damit schon bald wieder in Richtung ihrer Höchststände laufen und womöglich darüber hinaus. Aktuell kostet ein Barrel der Nordseeölsorte Brent rund 105 US-Dollar. In der Spitze wurden in diesem Jahr aber auch schon 126 Dollar aufgerufen. Ewig, das zeigen die Daten von Goldman Sachs, lassen sich die akuten Versorgungsengpässe nicht mit dem Abbau von Lagerbeständen ausgleichen. Sollte eine Einigung zwischen den USA und dem Iran überdies noch länger andauern, könnte der große Preisschock am Ölmarkt noch ausstehen. Für den Moment sind die Märkte optimistisch und haben eine Beilegung des Konflikts weitgehend vorweggenommen. Dass selbst in diesem optimistischen Szenario die Ölvorräte in hohem Tempo schwinden, sollte Anlegern mit Blick auf die hochstehenden Aktienkurse sowie Verbrauchern mit Blick auf die Zapfsäule zumindest eine Warnung sein.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel