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Krypto > Straße von Hormus

Iran-Krieg: Bitcoin wird zum geopolitischen Machtinstrument

| Louis Blümlein

Straße von Hormus.
Die Straße von Hormus bleibt im Fokus von Investoren. Ihre Durchfahrt könnte nun via Bitcoin-Zahlungen organisiert werden. (Foto: Picture Alliance / CHROMORANGE / Ales Utouka)

Der Iran nutzt Bitcoin im Konflikt mit Israel und den USA offenbar als Sanktionsinstrument. Im Fokus dabei: die Straße von Hormus.

Bitcoin spielt offenbar eine immer größere Rolle innerhalb der iranischen Sanktionsstrategie. Im Mittelpunkt steht dabei die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels laufen durch die Meerenge. In den Verhandlungen rundum eine Beilegung des militärischen Konflikts zwischen den USA, Israel und Iran ist die Handelsstraße ob ihrer Bedeutung für die Weltwirtschaft längst zum entscheidenden, strategischen Hebel geworden.

Bereits kurz nach Beginn der militärischen Spannungen zwischen den USA, Israel und dem Iran tauchten erste Berichte darüber auf, dass der Iran Gebühren für Schiffe verlangen könnte, die die Straße von Hormus passieren. Anfangs war vor allem von Stablecoins und dem chinesischen Yuan die Rede. Später kamen erstmals Hinweise auf, dass Zahlungen auch direkt in Bitcoin abgewickelt werden könnten.

Lange blieb unklar, ob Bitcoin tatsächlich gemeint war oder lediglich als Synonym für Kryptowährungen verwendet wurde. Nun verdichten sich die Hinweise. Die halboffizielle iranische Nachrichtenagentur Fars Media berichtete zuletzt über ein neues Versicherungsmodell namens „Hormuz Safe“, das offenbar vom iranischen Wirtschaftsministerium gestartet wurde.

Laut Fars Media werden die Zahlungen innerhalb des Systems direkt in Bitcoin abgewickelt. Angeboten werden kryptografisch verifizierte Versicherungspolicen für Schiffe und Frachten, die den Persischen Golf, die Straße von Hormus und umliegende Wasserwege passieren. Nach erfolgreicher Zahlung erhalten Eigentümer eine digital signierte Bestätigung. 

Implementiert Iran ein als Versicherungssystem getarntes Mautsystem?

Offiziell handelt es sich um ein Versicherungssystem. Faktisch ähnelt das Modell jedoch eher einem neuen Mautsystem unter iranischer Kontrolle. Laut iranischen Medien könnten dadurch Einnahmen von mehr als zehn Milliarden US-Dollar entstehen. Die Entwicklung zeigt vor allem, wie stark sich die Rolle von Bitcoin verändert. Für Staaten unter westlichen Sanktionen besitzt Bitcoin einen entscheidenden Vorteil. Bitcoin kann nicht zentral eingefroren oder kontrolliert werden. Deshalb wird das Asset für geopolitisch isolierte Staaten zunehmend interessanter.

Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Bislang existieren vor allem Berichte iranischer Medien und einzelne Screenshots der Plattform. Ob das System bereits vollständig aktiv ist, tatsächlich in größerem Umfang genutzt wird oder langfristig so umgesetzt werden kann, lässt sich derzeit noch nicht eindeutig bestätigen.

Bitcoin-Kurs gerät wieder unter Druck – Trader setzen auf fallende Kurse

Während Bitcoin geopolitisch offenbar relevanter wird, reagiert der Markt kurzfristig empfindlich auf die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation. Am Sonntagabend deutscher Zeit sorgten neue Aussagen von Donald Trump rund um mögliche militärische Maßnahmen gegenüber dem Iran erneut für Unsicherheit an den Märkten.

Daraufhin geriet auch der Bitcoin-Kurs wieder stärker unter Druck und fiel erneut unter die Marke von 80.000 US-Dollar. Gleichzeitig zeigte sich in den vergangenen Tagen wieder ein klar defensiveres Verhalten institutioneller Anleger. Bei den Spot-Bitcoin-ETFs dominierten erneut die Nettoabflüsse, was darauf hindeutet, dass größere Marktteilnehmer aktuell vorsichtiger agieren.

Zusätzlich nimmt derzeit auch das Interesse von Tradern zu, auf fallende Kurse zu setzen. Das zeigen sowohl die aktuellen Futures-Daten als auch steigende Short-Positionierungen am Markt. Gerade in geopolitisch angespannten Phasen reduzieren viele Trader Risiko und sichern Positionen aggressiver ab.

Interessant bleibt dabei jedoch die aktuelle Liquiditätsstruktur. Durch die zunehmenden Short-Positionen wächst gleichzeitig das Potenzial für einen kurzfristigen Short-Squeeze. Ein Blick auf die Liquidation-Heatmap zeigt derzeit oberhalb des aktuellen Kurses ein größeres Liquiditätsdelta im Bereich von rund 82.000 US-Dollar. Dort liegt aktuell eine größere Konzentration potenzieller Liquidierungen von Short-Positionen.

Sollte sich die geopolitische Lage kurzfristig etwas beruhigen oder neue positive Impulse entstehen, könnte dieser Bereich schnell angelaufen werden. Kurzfristig bleibt der Markt zwar angespannt, gleichzeitig steigt dadurch auch die Wahrscheinlichkeit für abrupte Gegenbewegungen.

 

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