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Rohstoffe > Veränderter Goldmarkt

Sorgen die Zentralbanken für einen neuen Goldpreisrekord?

| Oliver Götz

Goldbarren und Chart.
Der Goldpreis könnte nach einer Verschnaufpause mittelfristig wieder über die 5.000-Dollar-Marke klettern. (Foto: Shutterstock)

Weltweit kaufen Notenbanken Gold in rauen Mengen. Besonders aus China ist die Nachfrage riesig. Goldman Sachs glaubt an einen deutlichen Kursanstieg.

Gold hat nach einer Verschnaufpause im ersten Halbjahr wieder deutlich Fahrt aufgenommen. Vom Tief Mitte Juli legte das Edelmetall bis Ende August um rund 15 Prozent auf etwa 4.600 US-Dollar je Feinunze zu. Nach kleinem Rücksetzer im Anschluss, pendelte der Preis zuletzt um die 4.300-Dollar-Marke. Die US-Investmentbank Goldman Sachs traut dem Edelmetall bis zum Jahresende jedoch noch deutlich mehr zu: 4.900 Dollar lautet die aktuelle Prognose.

Notenbanken werden zu Dauerkäufern

Vor allem die Notenbanken sind zu einem strukturellen Käufer geworden. Und diese reagieren weniger kurzfristig auf den Preis als private Anleger. In einem aktuellen Research-Beitrag schreiben die Goldman-Analysten Lina Thomas und Daan Struyven: „Wir beobachten einen verstärkten Goldbestandsaufbau der Zentralbanken als mehrjährigen Trend, da diese ihre Reserven diversifizieren, um geopolitische und finanzielle Risiken abzusichern, was mit den Ergebnissen aktueller Umfragen übereinstimmt.“

Ein wesentlicher Wendepunkt war dabei das Jahr 2022. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine froren westliche Staaten russische Zentralbankreserven ein. Gold besitzt gegenüber Guthaben in Fremdwährungen aus Sicht der Notenbanken einen entscheidenden Vorteil: Es liegt nicht als Forderung gegenüber einem anderen Staat oder Finanzinstitut vor und kann deshalb schwerer eingefroren werden.

Die Größenordnung der Käufe hat sich entsprechend verändert. Vor 2022 kauften Zentralbanken laut Goldman Sachs durchschnittlich lediglich rund 17 Tonnen Gold pro Monat. Für 2026 erwartet die Bank inzwischen etwa 50 Tonnen monatlich. Im Juni beschleunigte sich das Tempo sogar auf rund 100 Tonnen pro Monat, berechnet auf Basis eines saisonbereinigten Drei-Monats-Durchschnitts. China war dabei der größte Käufer.

China spielt eine besondere Rolle

Die offiziell gemeldeten Käufe der chinesischen Notenbank könnten die tatsächliche Nachfrage dabei möglicherweise nur teilweise abbilden. In den vorliegenden Goldman-Sachs-Schätzungen wird für Juli eine chinesische Nachfrage von rund 35 Tonnen angenommen.

China verfolgt schon seit Längerem das Ziel, seine Währungsreserven breiter aufzustellen. Gold spielt dabei eine wichtige Rolle. Für den Goldpreis ist das relevant, weil die Nachfrage nicht allein aus spekulativen Zuflüssen entsteht. Wenn Notenbanken ihre Reserveallokation über Jahre verändern, kann dies auch bei höheren Preisen einen stabilisierenden Effekt haben. Goldman Sachs sieht darin einen wesentlichen Grund, weshalb der jüngste Preisanstieg nicht einfach als weitere kurzfristige Rohstoffrally abgetan werden sollte.

Zinsen als Gegenspieler?

Ganz ohne Gegenwind kommt Gold allerdings nicht aus. Klassischerweise sind steigende Zinsen schlecht für das Edelmetall. Gold wirft selbst keine laufenden Erträge ab. Wenn Anleihen wieder höhere Renditen bieten, sinkt der relative Anreiz, Kapital in Gold zu halten. Die Goldman-Analysten jedoch sind optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass der von der Fed ausgehende Gegenwind weiter nachlassen wird, da unsere Volkswirte erwarten, dass ein rückläufiger Inflationstrend die Fed in diesem Jahr von Zinserhöhungen abhalten wird“, schreiben Thomas und Struyven. Hier dürfte jedoch vieles von den Preisen für Öl und Gas abhängen und damit von der Konfliktlage im Nahen Osten. Vorhersagen sind angesichts der schwierigen Verhandlungen rundum die freie Durchfahrt der „Straße von Hormus“ als entscheidende Versorgungsroute fossiler Energie kaum noch realistisch möglich. Doch selbst wenn die Zinsen länger hoch bleiben sollten, könnte die Nachfrage der Zentralbanken einen Teil dieses Effekts auffangen. Für private Anleger bleibt die Situation dagegen komplizierter, weil höhere Realzinsen weiterhin die Opportunitätskosten eines Goldinvestments erhöhen.

Optionsmarkt könnte die Bewegung verstärken

Zuletzt nahm derweil auch der Handel mit Goldderivaten zu. Anleger kauften vermehrt Call-Optionen, um sich gegen starke politische oder wirtschaftliche Veränderungen abzusichern. Das kann eine Bewegung selbst verstärken. Steigt der Goldpreis und nähert er sich wichtigen Ausübungspreisen, müssen Händler, die entsprechende Calls verkauft haben, ihre Positionen absichern. Dafür können sie zusätzlich Gold kaufen. Steigt der Preis weiter, verstärkt sich dieser Effekt. Das funktioniert allerdings auch in die andere Richtung. Fällt Gold, können Händler ihre Absicherungen wieder abbauen und dabei Gold verkaufen. Goldman Sachs warnt deshalb vor stärkeren Ausschlägen in beide Richtungen. Das Kursziel von 4.900 Dollar für Ende 2026 berücksichtigt diesen zusätzlichen Effekt ausdrücklich nicht.

Gold 2027 wieder bei über 5.000 US-Dollar?

Im Basisszenario sieht Goldman Sachs den Goldpreis damit Ende 2026 bei 4.900 Dollar je Feinunze. Gleichzeitig gibt es Faktoren, die einen noch höheren Preis ermöglichen könnten. Dazu zählt die nach Einschätzung der Bank weiterhin geringe Goldgewichtung in privaten Portfolios. Sollten geopolitische Spannungen und Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit westlicher Staatsfinanzen zunehmen, könnte auch bei privaten Anlegern eine stärkere Umschichtung in Gold einsetzen. Umgekehrt bleibt ein Szenario denkbar, in dem höhere US-Zinsen die ETF-Nachfrage bremsen und gleichzeitig die beschriebenen Absicherungsgeschäfte zurückgedreht werden. Dann könnte der Preis deutlich stärker schwanken.

Langfristig betrachtet ist nach Auffassung von Goldman Sachs entscheidend, dass sich der Käufermix verändert hat: Neben Privatanlegern und Fonds stehen inzwischen die Zentralbanken als strategische Nachfrager auf der anderen Seite des Marktes. Solange dieser Trend anhält, besitzt die Goldrally ein Fundament, das über die nächste Zinsentscheidung der Fed hinausreicht. Für Ende 2027 erwartet Goldman Sachs den Goldpreis bei 5.600 US-Dollar und damit in der Nähe des Rekordhochs aus dem Jahr 2025.

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