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Zertifikate > Hebeltrade mit Gerichtsrisiko

Bayer-Aktie: Zweitbester DAX-Wert will nach oben ausbrechen

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Weiß leuchtendes Bayer-Kreuz und eine große, rot leuchtende Gitterkugel bei Nacht, im Vordergrund ein vorbeifahrendes rotes Auto mit Bewegungsunschärfe.
Das leuchtende Bayer-Kreuz auf dem Werksgelände in Leverkusen. Die Bayer-Aktie ist seit Jahresbeginn der zweitbeste Wert im DAX. (Foto: picture alliance/dpa | Oliver Berg)

Die Bayer-Aktie versucht den Ausbruch über die Widerstandszone bei 50,50 Euro, erstes Ziel wäre 53,92 Euro. Welche Knock-out-Zertifikate passen und warum der offene Glyphosat-Vergleich das Risiko erhöht.

Die Bayer-Aktie (ISIN: DE000BAY0017, Symbol: BAYN) liegt seit Jahresbeginn rund 35 Prozent im Plus und ist damit der zweitbeste Wert im DAX. Geht hier vielleicht noch mehr? Das aktuelle charttechnische Bild sieht zumindest vielversprechend aus. Was muss jetzt passieren, damit der Pharma- und Agrarchemiekonzern für einen spekulativen Trade infrage kommt?

KCV von 7 und die lange Last der Glyphosat-Klagen

Sieben, so hoch ist das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV), das sich beim aktuellen Kurs von 50,50 Euro und dem von Analysten im Durchschnitt erwarteten Cashflow je Aktie für das Geschäftsjahr 2027 ergibt. Das wirkt attraktiv. Das Problem bei der Bayer-Aktie sind jedoch die Rechtsstreitigkeiten rund um den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup der im Jahr 2018 erworbenen Tochter Monsanto. Schon seit Jahren hängt dieses Thema wie ein Damoklesschwert über dem Unternehmen, weil die finanziellen Folgen nicht absehbar sind. Strafen und Schadenszahlungen können, je nachdem, in welcher Höhe sie ausfallen, den Konzern empfindlich treffen. Diese Unsicherheit erklärt die Talfahrt seit dem Allzeithoch von 144,12 Euro im April 2015. Bis zum Tief von 18,38 Euro im April 2025 war der Kurs um mehr als 87 Prozent eingebrochen. Seither hat die Bayer-Aktie einiges an Boden gutgemacht, weil es begründete Hoffnungen gibt, dass die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten in einem verkraftbaren Rahmen bleiben könnten.

Supreme Court und Sammelvergleich: Was ist entschieden, was offen?

Rückenwind kam zuletzt im Sommer aus den USA. Am 25. Juni entschied der Supreme Court im Glyphosat-Streit mit 7 zu 2 zugunsten der Bayer-Tochter Monsanto: Bei Warnhinweisen auf Pflanzenschutzmitteln hat Bundesrecht Vorrang vor dem Recht der einzelnen Bundesstaaten. Klagen wegen fehlender Krebswarnungen auf den Etiketten von Unkrautvernichtern lassen sich demnach nicht auf einzelstaatliches Recht stützen. Die Richter verwiesen auf die Umweltbehörde EPA, die in den USA einheitliche Vorgaben für die Kennzeichnung macht. Zusätzliche oder abweichende Anforderungen der Bundesstaaten seien daneben nicht zulässig.

Bayer zeigte sich seinerzeit mit dem Urteil zufrieden und vertritt die Ansicht, dass dadurch aktuelle Klagen im Zusammenhang mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup abgewiesen und mögliche künftige Klagen verhindert werden dürften, soweit sie auf angeblich fehlenden Warnhinweisen beruhen. Zugleich strebt der Konzern weiterhin die finale Genehmigung eines im Februar vorgestellten Sammelvergleichs an. Er sieht vor, dass Bayer über bis zu 21 Jahre abnehmende, gedeckelte jährliche Zahlungen von insgesamt bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar leistet. Am 14. September fand dazu eine Anhörung vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri statt, eine Entscheidung wird erst zu einem späteren Zeitpunkt erwartet. Damit der Vergleich greift, muss allerdings ein Großteil der Kläger zustimmen, nach Aussage von Konzernchef Bill Anderson bei der Vorstellung im Februar praktisch alle.

Widerstand bei 50,50 Euro: Wo liegt das nächste Kursziel?

Die Bayer-Aktie hatte auf die Entscheidung im Juni mit einem kräftigen Kursanstieg reagiert und war in der Spitze auf fast 54 Euro gestiegen. Das war immerhin das höchste Niveau seit Mai 2023. Die Aufwärtsdynamik ebbte dann jedoch ab. Nach einer Korrektur bildete sich eine eher seitwärts gerichtete Bewegung, in der sich der Kurs nach wie vor befindet. Die obere Begrenzungszone, die sich aus einigen Verlaufshochs ergibt, liegt bei etwa 49,90 bis 50,50 Euro. An diesem potenziellen Widerstand versucht sich die Bayer-Aktie gerade. Zum Auftakt der neuen Börsenwoche am Montag, den 28. September 2026, ist der Kurs zu Handelsbeginn darüber geklettert. Ein nachhaltiger Ausbruch, etwa ein Schlusskurs über 50,50 Euro, würde weiteres Kurspotenzial nahelegen, wobei das Zwischenhoch von Anfang Juli bei 53,92 Euro ein erstes Ziel darstellt. Damit könnte sich das charttechnische Bild für kurzfristige Long-Positionen anbieten. Fällt der Kurs dagegen wieder unter 49,90 Euro zurück, wäre der Ausbruchsversuch vorerst gescheitert.

Knock-out-Zertifikate: Welche Barriere lässt dem Kurs Luft?

Wer auf einen Ausbruch aus der Seitwärtsbewegung setzen möchte, kann dafür Call-Knock-out-Zertifikate nutzen. Diese Hebelprodukte bilden die Kursbewegung der Bayer-Aktie überproportional ab. Bis zum Zwischenhoch von Anfang Juli bei 53,92 Euro sind es vom aktuellen Kurs aus knapp 7 Prozent. Mit einem Hebel von 5 würde daraus rechnerisch ein Plus von knapp 35 Prozent. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen. Fällt der Kurs auf oder unter die gewählte Knock-out-Schwelle, verfällt das Produkt in der Regel sofort, meist mit Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Eine Barriere knapp unter der Widerstandszone von 49,90 bis 50,50 Euro wäre riskant, weil schon ein Fehlausbruch zurück in die Seitwärtsbewegung ausreichen könnte, um das Papier vorzeitig auszustoppen. Wichtig ist deshalb, welche Schwelle man wählt, um dem Kurs Luft zum Atmen zu geben. Bei einem Hebel von 5 liegen die Barrieren beispielsweise bei rund 41 Euro (Stand: 28. September 2026) und damit rund 19 Prozent unter dem aktuellen Bayer-Kurs. Das ist deutlich unterhalb der unteren Begrenzung der aktuellen Seitwärtsbewegung bei rund 47 Euro. Produkte mit einem Hebel von 3 sind mit Barrieren zwischen 33 und 34 Euro ausgestattet und hätten damit einen Puffer von rund einem Drittel.

Warum der Hebeltrade auf Bayer Spekulation bleibt

Wer die Bayer-Aktie aufgrund der charttechnischen Konstellation zum Spekulieren nutzen möchte, sollte die Unsicherheit um die Rechtsstreitigkeiten berücksichtigen. Die noch ausstehende Gerichtsentscheidung über den Sammelvergleich kann jederzeit fallen. Ein negatives Urteil könnte die Aktie sprunghaft nachgeben lassen, im Extremfall mit einer Kurslücke, durch die auch eine weiter entfernte Knock-out-Schwelle auf einen Schlag unterschritten wird. Umgekehrt hätte eine positive Entscheidung das Potenzial, zu einem kräftigen Kursschub zu führen. Wann das Urteil gefällt wird, ist jedoch ebenso offen wie der Ausgang. Wer daher mit Hebel auf die Bayer-Aktie setzt, investiert nicht, sondern spekuliert. Die Chancen sind groß, die Risiken aber ebenso, daran ändert auch die charttechnisch vielversprechende Ausgangslage nichts.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kursentwicklung: Die Bayer-Aktie liegt seit Jahresbeginn rund 35 Prozent im Plus und ist damit der zweitbeste Wert im DAX.
  • Bewertung: Beim Kurs von 50,50 Euro ergibt sich für die Bayer-Aktie auf Basis des von Analysten für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Cashflows ein Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) von sieben.
  • Glyphosat-Urteil: Der Supreme Court entschied am 25. Juni 2026 mit 7 zu 2 zugunsten der Bayer-Tochter Monsanto, dass sich Klagen wegen fehlender Krebswarnungen auf Unkrautvernichtern nicht auf einzelstaatliches Recht stützen lassen.
  • Sammelvergleich: Über den Roundup-Sammelvergleich von Bayer mit Zahlungen von bis zu 7,25 Milliarden US-Dollar über bis zu 21 Jahre hat das Gericht in Missouri nach der Anhörung am 14. September 2026 noch nicht entschieden, Zeitpunkt und Ausgang sind offen.
  • Charttechnik: Die Bayer-Aktie versucht den Ausbruch über die Widerstandszone von 49,90 bis 50,50 Euro, erstes Ziel wäre das Zwischenhoch von Anfang Juli bei 53,92 Euro.
  • Knock-out-Zertifikate: Call-Knock-outs auf die Bayer-Aktie mit Hebel 5 haben Barrieren bei rund 41 Euro, unterhalb der Seitwärtsbewegung bei rund 47 Euro, Produkte mit Hebel 3 bei 33 bis 34 Euro, bei Erreichen der Schwelle droht in der Regel der Totalverlust.

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