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Apple-Aktie nach der Korrektur: Jetzt einsteigen?

Apple geht gut gerüstet ins Weihnachtsquartal. (Foto: Apple)


Stagnierenden iPhone-Absätzen, erstarkender Billigkonkurrenz aus Asien und amerikanisch-chinesischem Zollstreit zum Trotz floriert bei Apple das Geschäft. Die Strategie Umsatz- und Gewinnwachstum durch noch höhere Preise anzukurbeln scheint blendend zu funktionieren. Zudem überrascht die neue AppleWatch mit unerwartet großer Nachfrage. Und pünktlich zu Weihnachten kommt nun auch noch die nächste iPhone-Generation in die Läden. Wer oder was kann die Kalifornier da eigentlich noch aufhalten?

In der vorletzten Woche mit einem zwischenzeitlichen Kurs von 202,26 Dollar noch ein Rekordhoch markiert, ging es für die Apple-Aktie einhergehend mit den jüngsten Kursbeben an der Wall-Street bis auf 214 Dollar nach unten. Während der schwächelnde Gesamtmarkt ein Risiko darstellt, ist bei den Kaliforniern der langfristige Aufwärtstrend aber weiterhin intakt. Und vor allem mit Blick auf Umsatz und Gewinn läuft es bei Apple wie am Schnürchen. Muss die Aktie nach dem Rücksetzer schleunigst rein ins Depot?

Das dritte Geschäftsquartal der laufenden Periode war erneut eines voller Rekorde. Umsatz und Nettogewinn stiegen bei Apple auf 53,3 respektive 11,5 Milliarden Dollar. Beides Höchststände. Für das laufende vierte Quartal rechnet Apple mit Erlösen zwischen 60 und 62 Milliarden Dollar, es wäre das fünfte in Folge mit zweistelligem Umsatzwachstum. Auch die Gewinne dürften damit weiter ansteigen. Während der iPhone-Absatz mehr oder weniger stagniert – im dritten Quartal verkaufte Apple mit 300.000 Einheiten nur rund ein Prozent mehr als ein Jahr zuvor – sind es die Kategorien „Service“, sprich Apps, iCloud, AppleMusic und Co., sowie die „sonstigen Produkte“, zu denen unter anderem Watch, iPod, AirPod und HomePod zählen, die bei den Kaliforniern immer besser funktionieren. Letztere steigerten ihren Umsatz um mehr als 37 Prozent auf 3,7 Milliarden Dollar.

Neue iPhones werden noch teurer

Beruhigend angesichts der Tatsache, dass Apple in Sachen iPhone wohl nicht ewig schwindendes Absatzwachstum mit höheren Preisen ausgleichen kann. Bislang allerdings klappt es hervorragend. Das iPhone X ist nicht nur das teuerste Smartphone der Apple-Historie, sondern auch das Zeit seines Bestehens in jedem Quartal erfolgreichste. Es verwundert daher wenig, dass Vorstandschef Tim Cook an der Strategie festhalten will. Auch die neue Generation intelligenter Telefone soll wieder mit deutlichem Preisaufschlag in den Handel. So wird der iPhone X-Nachfolger Xs in Deutschland erst ab 1149 Euro zu haben sein. Das teuerste Modell, das Xs Max mit größerem Bildschirm und 512 Gigabyte Speicher, gibt es für noch einmal satte 500 Euro mehr. Die Xr-Variante, welche das iPhone 8 ersetzt, gibt’s ab 849 Euro.

Neben den Preissteigerungen fällt vor allem die Erweiterung der Produktpalette auf. Sowohl das iPhone 8 als auch das iPhone 7 sollen erhalten bleiben. Damit setzt Apple weiter auf Differenzierung, um auf der einen Seite seine Stammkunden nicht zu vergraulen und auf der anderen die besonders zahlungskräftige Kundschaft mit Super-Premium-Modellen zufriedenzustellen. Gerade im Ausland stoßen die auf große Nachfrage. Für Apple erfolgsentscheidend. Der Konzern aus Cupertino erwirtschaftet inzwischen 60 Prozent seines Umsatzes außerhalb der US-Grenzen.

AppleWatch so erfolgreich wie die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen

Und immer noch zwei Drittel durch das iPhone. Da kommt es wohl gerade recht, dass die AppleWatch dem Anschein nach immer beliebter wird. Bislang geben die Kalifornier keine Absatzzahlen bekannt, doch laut „DigiTimes“ soll Apple inzwischen einen zweiten Zulieferer an Bord geholt haben, um die Nachfrage befriedigen zu können. Einen Monat muss man derzeit auf die digitale Uhr warten. Die neue Version verfügt als erste Smart-Watch überhaupt sogar über ein EKG-Messgerät. Nutzer könnten damit ein Elektrokardiogramm erstellen, indem sie den Finger für eine halbe Minute an die Krone der Gehäuse-Seite hielten, beschrieb Manager Jeff Williams den Clou. Zudem soll die Uhr erkennen, wenn ihr Träger stürzt. Zunächst sind die Funktionen nur in den USA verfügbar, aber es dürfte nur eine Frage der Zeit sein bis sie auch in anderen Teilen der Welt erlaubt werden.

Solche Funktionen sind es, die den Siegeszug der intelligenten Uhren im Allgemeinen weiter ankurbeln dürften. Laut CCS Insight sollen die Smartwatch-Verkäufe 2018 insgesamt auf 71 Millionen steigen, 2022 sollen sie sich dann bereits auf 140 Millionen verdoppelt haben. Und Apple, so das Forschungsinstitut, sei der klare Marktführer. Bereits in diesem Jahr dürften die Kalifornier mit 20 Millionen Stück in etwa so viele Einheiten verkauft haben wie die gesamte Schweizer Uhrenindustrie zusammen.

Apple bleibt wertvollste Marke und wertvollstes Unternehmen

Apples Produkte überzeugen also weiterhin. Preiserhöhungen scheinen dazu im Hochpreissegment, das der Konzern klar bedient, vergleichsweise leicht durchzusetzen. Vor allem, wenn man Imagepflege so gekonnt umsetzt, wie Apple. Einmal mehr ist der angebissene Apfel kürzlich mit einem Wert von 214,48 Milliarden Dollar zur wertvollsten Marke der Welt gekürt worden. Schon wieder ein Rekord.

Wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt ist man darüber hinaus auch noch. Als erster Konzern überhaupt knackte Apple in diesem Jahr die Eine-Billion-Dollar-Grenze. Neben den realwirtschaftlichen Erfolgen war ein Grund für diesen Meilenstein auch Apples Großzügigkeit in Sachen Aktienrückkauf. Allein das neu aufgelegte und derzeit laufende Programm hat ein Volumen von 100 Milliarden US-Dollar. Auch die Dividende darf mit 0,73 Dollar nicht mehr ganz außer Acht gelassen werden.

In China und Indien könnte es schwieriger werden

Apple lässt Anlegern kaum eine Atempause für Kritik. Die gibt es freilich dennoch. In China beispielsweise bringt sich die Smartphone-Konkurrenz zunehmend erfolgreich in Stellung, zudem bedroht Trumps Handelspolitik Apples Absatz dorthin. Für den indischen Markt scheinen Apples Geräte zu teuer, Samsung ist hier deutlich besser aufgestellt, hat viele wichtige Erstkunden gewonnen. Und in den USA und Europa gilt der Smartphone-Markt als gesättigt. Microsoft hat zudem seine Notebook- und Tabletsparte überholt und dabei – das beweisen anziehende Verkäufe – wieder konkurrenzfähiger gemacht. Apples Mac-Geschäft hingegen ging im vergangen Quartal von 4,29 Millionen verkauften Einheiten auf 3,72 Millionen Einheiten zurück.

Langfristig also steht Apple durchaus vor Herausforderungen. Kurz- und mittelfristig aber scheint der Konzern blendend unterwegs. Dass die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal am 1. November wieder neue Rekorde bringen, daran zweifelt niemand. Und dann folgt das Weihnachtsquartal, in dem Apple traditionell stark ist.

JP Morgan-Analyst Samik Chatterjee glaubt daran, dass die Aktie bald sogar bei 272 Dollar stehen könnte. Das gegenwärtige Kursniveau biete noch beträchtliches Aufwärtspotenzial, schrieb er in einer Studie. Er lobte unter anderem den schneller als gedacht ablaufenden Ausbau des Servicegeschäfts, die stärker als erwartet ausgefallen Preiserhöhungen für das iPhone und die starke Bilanz, welche weitere Aktienrückkaufprogramme und Zukäufe erlaube. RBC-Capital-Analyst Amit Daryanani hob vor allem die starke Performance der AppleWatch sowie der kabellosen AirPod-Kopfhörer hervor, passte seine Gewinnschätzungen für 2019 nach oben an und nannte 250 Dollar als nächstes Kursziel. Von den von Reuters befragten Analysten rät darüber hinaus und für den Moment niemand zum Verkauf der Aktie.

Schafft es Apple die Erwartungen zu erfüllen oder sogar zu übertreffen, könnten auch die Herausforderungen der Zukunft weniger werden. Denn das Geld, was Apple damit verdienen würde, läge weiter weit über dem der Konkurrenz. Das schafft neben Aktienrückkaufprogrammen Raum für Innovation und im Fall der Fälle milliardenschwere Zukäufe. Auch auf dem Smartphone-Markt oder ganz allgemein in der Tech-Branche dürfte es wohl früher oder später vermehrt zu Konsolidierungen kommen. Aufhalten können Apple dann wohl nur noch die Wettbewerbsbehörden.

Oliver Götz

12.10.2018 | 12:54

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