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Halbleiter-Branche blüht heißer Herbst

Ohne sie geht in Sachen Digitalisierung gar nichts: Halbleiter-Chips. (Foto: Gorodenkoff / Shutterstock)



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Der durch die Coronakrise beschleunigte Digitalisierungstrend lässt die Geschäfte der Chip-Hersteller florieren. Starke Quartalszahlen und Prognosen sowie das an Fahrt aufnehmende Übernahmekarussell schüren zum Jahresende hin die Erwartungen. Die Aktienkurse könnte das noch weiter steigen lassen.

Zum Wochenschluss stieg die Infineon-Aktie um fast vier Prozent und kostete mit 27,70 Euro so viel wie seit 18 Jahren nicht mehr. Ausgehend vom Corona-Crash-Tief im März hat sich der Wert des Papiers damit beinahe verdreifacht. Dabei sorgte Deutschlands Halbleiter-Primus zuletzt gar nicht für nennenswerte Impulse. So richtig spannend wird es rund um den Konzern mit Sitz in Neubiberg erst am 9. November, wenn die Zahlen zum Geschäftsjahr 2019/2020 veröffentlicht werden.

Schon jetzt allerdings scheint die Stimmung in der Branche derart gut, dass die Kurse auch dort steigen, wo die Unterfütterung mit starken Zahlen noch fehlt. Es reichen offenbar die jüngsten Ergebnisse von NXP Semiconductor, STMicroelectronics, Taiwan Semiconductor Manufacturing und Samsung, um Anleger von rund laufenden Geschäften zu überzeugen. STMicroelectronics hob Anfang Oktober den Ausblick zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Grund dafür war ein exzellentes drittes Quartal, in dem die Erlöse um 28 Prozent auf 2,67 Milliarden US-Dollar gestiegen waren. Den eigenen Angaben nach sieben Prozent mehr, als ursprünglich kalkuliert.

Ähnlich stark lief es bei den Niederländern von NXP Semiconductor. Der Umsatz für das dritte Quartal 2020 lag mit 2,2 Milliarden US-Dollar um zehn Prozent über den Analystenschätzungen. Der operative Gewinn kletterte auf 586 Millionen US-Dollar. Erwartet worden waren nur 444 Millionen US-Dollar. Was die Nachfrage in den kommenden Monaten anbelangt, verbreitete der Konzern viel Optimismus. In allen Endmärkten steigt die Nachfrage.

Auch Dialog und Taiwan Semiconductor über den Erwartungen


Ebenfalls über den eigenen Prognosen lag der Umsatz bei Dialog Semiconductor. Die Briten profitieren vor allem von der steigenden Nachfrage nach Chips für Notebooks, Tablets und  sogenannter Wearables. So summierten sich die Erlöse im dritten Quartal auf 386 Millionen Dollar.

Prächtig lief es zuletzt auch für Samsung. Zwar konnten die Südkoreaner den Umsatz nur geringfügig steigern, dafür explodierte der Gewinn um 58 Prozent auf rund 12,3 Billionen Won (9,1 Milliarden Euro). Das Halbleiter-Geschäft dürfte einen großen Teil dazu beigetragen haben.

Der größte Chip-Auftragsproduzent der Welt, Taiwan Semiconductor Manufacturing, meldete dazu am Donnerstag vorläufige Zahlen. Und auch die lagen über den eigenen Erwartungen. Im dritten Quartal stiegen die Umsätze um 22 Prozent auf umgerechnet rund 12,4 Milliarden US-Dollar. United Microelectronics und MediaTek, ebenfalls beide aus Taiwan, gaben am selben Tag steigende Umsätze an.

Branchenkonsolidierung schreitet voran

Die Halbleiterbranche erholt sich also weiter und profitiert von der im Zuge der Corona-Pandemie losgetretenen Digitalisierungswelle. Hinzu kommt ein sich immer schneller drehendes Übernahmekarussell. Insidern zufolge will Chipgigant AMD den weltgrößten Entwickler und Hersteller von programmierbaren Logik-ICs, Xilinx, übernehmen – für rund 30 Millionen US-Dollar. Erst vor kurzem gab Nvidia die Mega-Übernahme des Chipdesigners Arm für rund 32 Milliarden US-Dollar bekannt. Solche Deals befeuern die Übernahmegerüchte an der Börse und damit zusätzlich die Kurse.

Der Halbleiter-Branche könnte also weiter ein sehr heißer Herbst blühen. Sollten große Endabnehmer wie Apple zum Jahresende hin auch noch starke Geschäfte vermelden, was angesichts des anstehenden Weihnachtsgeschäftes als wahrscheinlich gilt, wird das die Kurse der Chip-Zulieferer womöglich noch weiter antreiben. Die gute Stimmung an den Märkten dürfte dazu auch weiterhin den Nährboden für Übernahmen bereiten. Anleger sollten die Branche sehr genau beobachten. Es lauern fast überall Chancen.

OG

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09.10.2020 | 15:01

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